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Jede Menge Holz: Naturschützer kritisieren, dass der "Kahlschlag" sich negativ auf das Klima der westlichen Pähler Schlucht auswirkt.

Bäume gefällt

Pähler Schlucht: Arbeiten waren so nicht zulässig

Pähl - Überraschende Wende: Die Holzfällarbeiten im Naturschutzgebiet Pähler Schlucht waren so nicht zulässig. Das teilte die Regierung von Oberbayern auf Nachfrage mit.

Es war am vergangenen Freitag, als die Vertreter der Regierung sich selbst ein Bild vor Ort machten. Was sie sahen, gefiel ihnen nicht: Die Holzfällarbeiten in der Pähler Schlucht waren nicht so abgelaufen, wie es zulässig gewesen wäre. Die Behörde hatte eine Befreiung von der Naturschutzgebietsverordnung genehmigt, damit ein Weg zum Abtransport der gefällten Bäume gebaut werden kann. Diese Erlaubnis wiederum galt aber nur bei starkem Bodenfrost, um Bodenschäden zu vermeiden. Jetzt waren die Temperaturen aber in diesem Winter eher frühlingshaft, der Boden matschig statt hart. Die Arbeiten haben allerdings dennoch stattgefunden. Das ist nicht erlaubt, wie die Pressestelle der Regierung von Oberbayern gestern auf Nachfrage der Heimatzeitung mitteilte.

Bei dem Ortstermin stellte sich außerdem heraus, dass ein zweiter Weg gebaut wurde – ohne Genehmigung. Die Regierungsvertreter prüfen nun, wie groß die Schäden sind und wie der Transportweg mit einer Länge von 200 Metern und einer Breite von vier Metern beziehungsweise der weitere Weg schonend zurückgebaut werden können. Der Holzschlag ist offenbar beendet.

Die Informationen flossen etwas spärlich gestern. Die Pressestelle konnte nicht alle Fragen auf die Schnelle beantworten. Dennoch sind die Neuigkeiten überraschend. Bisher hatte es eher den Anschein, als wären die Arbeiten in dem Naturschutzgebiet im Norden des Landkreises durchweg in Ordnung. „Generell zulässig“ sei das Bäume-Fällen, hieß es auch gestern noch von der Unteren Naturschutzbehörde. Auch in der Pähler Schlucht sei die forstwirtschaftliche Bodennutzung erlaubt. Der zuständige Förster Hannes Zwölfer äußerte sich vor knapp drei Wochen so: Es handelt sich bei den Arbeiten um eine „längst fällige Durchforstung“ – und nicht um einen Kahlschlag. Es würden nur bis zu 40 Prozent der Bäume entnommen (wir berichteten).

Die Holzfällarbeiten in dem geschützten Gebiet „Pähler Schlucht“, die seit etwa zwei Wochen andauern, haben einigen Unmut hervorgerufen. Die Familie Simon aus Pähl hat den Baumschwund mit Fotos und Video dokumentiert. Dr. Maiken Winter aus Raisting schreibt in einem Brief an die Gemeinde: „Meine Kinder und ich sind absolut fassungslos angesichts einer solch brutalen Zerstörung eines einmaligen Refugiums“. Claudia Klafs schreibt in einem Leserbrief: „Das waren keine Pflegemaßnahmen. Das ist Kahlschlag. Die Baumstämme türmen sich haushoch am Ende der Sternstraße.“ Für Jahrzehnte würden definitiv keine Touristen mehr in die Pähler Schlucht kommen, glaubt Klafs. Sehr drastische Worte findet auch Renate Schwägerl aus Weilheim. In einem Leserbrief berichtet sie von einem Sonntagsspaziergang in der Pähler Schlucht mit den Kindern – und Fassungslosigkeit beim Anblick des lichten Waldes. „Wir waren unsagbar traurig“, schreibt Schwägerl. Der Baumbestand des „Urwaldes“ sei regelrecht „niedergemetzelt“ worden.

Auch die „Schutzgemeinschaft Ammersee“ hat sich in einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Die Naturschützer sprechen von „katastrophalen Schäden“. Im unteren Teil der Schlucht sei so viel Holz entnommen worden, dass sich das auf das gesamte Klima der westlichen Pähler Schlucht auswirke. Die Arbeiten hätten von Beginn an eine naturschutzfachliche Begleitung erfordert, so die Schutzgemeinschaft.

Kathrin Garbe

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