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Stolz auf das neueste SPD-Mitglied: der Schongauer Ortsvorsitzende Daniel Blum mit Regina Zöpf. 

Parteien freuen sich über neue Mitglieder

Der „Schulz-Effekt“ wirkt nicht nur bei der SPD

Seit bekannt ist, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat antreten will, meldet die SPD einen Anstieg der Mitgliederzahlen. Doch auch andere Parteien vermelden Zuwächse. Wir sprachen mit einem Neumitglied über die Gründe für den Eintritt in die SPD.

Landkreis – „Seit fünf Jahren arbeite ich hier, aber sowas hab ich noch nicht erlebt“, berichtet Hannelore Baur, Leiterin der SPD-Kreisgeschäftsstelle in Weilheim. Es sei eine richtige Welle ausgebrochen, sagt sie: „Rentner, Junge, Selbstständige, Frauen und Männer aus allen Bevölkerungsschichten treten in die SPD ein.“

Weit über 30 neue Mitglieder sind seit der Bekanntgabe, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl im September antreten wird, im Landkreis hinzugekommen. Schon nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA habe sich was gerührt, so Baur. Der „Schulz-Effekt“ verstärke die Aufbruchsstimmung. „Viele der Neumitglieder sagen, dass sie ganz einfach in diesen Zeiten die Demokratie stärken wollen“, Die SPD hat aktuell wieder über 600 Mitglieder, vor über einem Jahrzehnt waren es noch 730.

Die Mitgliederzahlen der Parteien sind deutschlandweit über Jahrzehnte kontinuierlich gesunken, derzeit geht es aufwärts. Auch beim CSU-Kreisverband: „Ein Neumitglied sagte offen, gerade jetzt müssen die Volksparteien gestärkt werden, damit die Parteienlandschaft nicht zerfasert“, sagt CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsführer Leopold Hahn. 13 neue Mitglieder verbuchte die CSU im Landkreis Weilheim-Schongau in den vergangenen Wochen, aber auch acht Austritte. Die CSU im Landkreis zählte um das Jahr 2000 rund 2000 Mitglieder, heute sind es noch 1385.

Auch die Mitgliederzahlen der AfD steigen: „Wir haben regen Zulauf, Austritte gibt es im Landkreis nicht“, vermeldet Reno Schmidt vom Vorstand des AfD-Kreisverbandes Weilheim-Schongau. Das liege eben an der momentanen politischen Situation, meint er.

Auch die Grünen im Landkreis berichten von einem Mitgliederzuwachs. Zwei Austritten stehen acht Neumitglieder (im Zeitraum seit Oktober) entgegen. Kreiskassier Eckart Stüber sieht dafür folgende Gründe: „Die aktuelle politische Lage polarisiert stärker“, das hole Interessierten hinter dem Ofen vor: „Eine Frau gab als Grund an, sie wolle mit ihrem Eintritt ein klares Zeichen gegen rechts setzen.“ Die Grünen zählen aktuell 79 Mitglieder, vor drei Jahren waren es noch 58.

SPD-Neumitglied will mehr soziale Gerechtigkeit

Noch vor rund fünf Jahren hatte der Kreisverband der FDP über 60 Mitglieder, dann sank die Zahl auf 42, aktuell sind es 49 Mitglieder, so FDP-Pressesprecher Armin Mell.

Und was bewegt so viele Menschen, den Sozialdemokraten beizutreten, ist es wirklich der viel zitierte Schulz-Effekt? Regina Zöpf aus Schongau weiß eine Antwort, die 56-Jährige ist seit dem 1. Februar SPD-Mitglied. Sie ist überzeugt, „dass mit der SPD wieder die Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden“, daran habe sicher auch Kanzlerkandidat Schulz Anteil. Ein Jahr lang besuchte die Krankenschwester Stammtische des Schongauer Ortsverbandes und diverse andere Veranstaltungen der Partei, bis sie der Partei beitrat.

Sie erhofft sich von ihrer Partei auch, dass die Kommunen, der Mittelstand und der kleine Bürger gestärkt werden. „Ich bin ja noch ein Grünschnabel, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, will ich mich auch selber mit einbringen“, so Zöpf. Nur als zahlendes Mitglied dabei zu sein, das wäre ihr zu wenig. Gerade im sozialen Bereich, in dem sie selbst arbeitet, will die Schongauerin Anregungen und Ideen vorbringen, „die hier direkt vor Ort umgesetzt werden“.

Franziskus Reich

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