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Schwache Verstärkung für die Polizei

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Großangelegte Radarkontrollen funktionieren nicht ohne Überstunden. © picture alliance / dpa

Weilheim-Schongau - Personalmangel, Überstunden: Das kennen die Polizisten im Landkreis Weilheim-Schongau. Vor kurzem versprach Bayerns Innenminister Joachim Herrmann neue Stellen. Doch die Verstärkung fällt schwach aus.

Bernd Schewe hat eine der schwierigsten Aufgaben in der Penzberger Polizeiinspektion: Er muss den Dienstplan erstellen. Die Personaldecke ist auf „Kante genäht“, sagt Schewe, stellvertretender Leiter des Penzberger Reviers. Krank werden sollte besser niemand, und auch in der Urlaubszeit werde es „sehr eng“.

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Bernd Schewe ist der Vize-Chef der Penzberger Polizeiinspektion.

Die Belastung für die Beamten ist schon bei normaler Besetzung hoch, sie müssen etliche Überschichten schieben – im Schnitt zwischen 40 und 50 Stunden, hat die Polizeigewerkschaft ausgerechnet. Wenn außergewöhnliche Ereignisse hinzukommen, dann stößt Schewe mit seinem Dienstplan und der 40-Stunden-Woche an die Grenzen.

Kaum jemand äußert sich laut

Die Penzberger Dienststelle ist kein Einzelfall. Nur äußert sich kaum jemand laut über interne Zustände. Doch die Polizeigewerkschaft fordert seit langem Verstärkung, nachdem das Personal 2003 bei der Stoiber-Reform drastisch reduziert wurde – auch im Landkreis. Die Wünsche hat nun offenbar Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erhört – und 300 neue Stellen versprochen. Die Penzberger Inspektion, die derzeit 34 Beamte hat, bekommt sicher eine neue Stelle zusätzlich, Weilheim (58 Beamte) wohl auch. Mit genaueren Angaben geizt das Polizeipräsidium Oberbayern in Rosenheim. Allerdings betont Sprecher Stefan Sonntag: „Die neuen Stellen kompensieren gerade einmal die Abgänge wegen Pensionierung oder Schwangerschaft.“

Von Verstärkung kann keine Rede sein

Von Verstärkung kann keine Rede sein, bestätigt Gerhard Eichberger (58), Personalrat bei der Polizeiinspektion Weilheim und Mitglied der Deutschen Polizeigewerkschaft. „In den vergangenen Jahren haben wir soviel Personal verloren, das muss erst einmal wieder reingeholt werden“, sagt Eichberger. Stellen seien teils nicht mehr besetzt worden. Wenn jemand in Pension ging, folgte kein neuer Beamter nach. Dabei sei zum Beispiel die Weilheimer Dienststelle hinter Rosenheim die Inspektion mit der zweitgrößten Belastung. Eichberger, 58 Jahre alt, erinnert sich, dass vor den Reformen im Schichtdienst in Weilheim zwei Streifen, also vier Beamte, unterwegs waren, nun sei es nur noch eine Streife – mit zwei Beamten. Dabei sei das Arbeitspensum immer weiter gestiegen – nicht zuletzt, weil das Innenministerium mit großangelegten Kontrollaktionen Verkehrssündern zur Leibe rücken will. Einen „Blitzer-Tag“ gab es erst kürzlich im Landkreis. Ein geplanter „Blitzer-Marathon“ musste abgesagt werden, weil die Beamten im Hochwasser-Einsatz waren. „Die Vielzahl von hinzugekommen Aufgaben ist der Grund für die Überstunden“, sagt Eichberger. Allerdings gibt es noch einen weiteren.

Viele Beamte zu alt für Schichtdienst

Reinhold Merl, Vize-Vorsitzender der oberbayerischen Polizeigewerkschaft, erklärt: „Es sind zu viele Beamte nicht mehr für den Schichtdienst tauglich.“ Aus Alters- und Krankheitsgründen könnten sie nicht mehr für die Nachtschicht eingeteilt werden. Merl nennt eine typische Situation als Beispiel: „Ein Revier mit 40 Mann hat im Schnitt nur noch 20 Beamte, die Schichtdienst leisten können.“ Wenn nur noch die Hälfte des Personals zur Verfügung steht – dann ist der Dienstplan eine echte Herausforderung.

Kathrin Garbe

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