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Eindringlich protestierten die Teilnehmer an der BDM-Kundgebung gegen die aktuelle Milchmarktpolitik. Als Symbol dafür, "dass es brennt", entzündeten sie Heuballen. 

BDM-Kundgebung im Landkreis

Flammende Reden vor brennenden Heuballen

Landkreis - Mit einer Kundgebung am Kreisel bei Obersöchering und in Schongau protestierte der BDM gegen die aktuelle Milchmarktpolitik.

Der Preisverfall bei der Milch hat in den vergangenen zwölf Monaten bei den knapp 1100 Milchbauern im Landkreis Weilheim-Schongau zu Einkommensverlusten von rund 20 Millionen Euro geführt, im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen waren es rund 2,7 Millionen. Das sagte der Uffinger Landwirt und BDM-Kreisvorsitzende von Garmisch-Partenkirchen, Johann Leis, bei einer Kundgebung im Rahmen eines europaweiten Aktionstages am Donnerstagvormittag unweit des Kreisels bei Obersöchering. 35 Landwirte mit 15 Traktoren waren zur der Demonstration gekommen – weit weniger als die Veranstalter erwartet hatten.

„Das ist auch ein Ausdruck der Frustration, bei uns ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt“, so der Weilheim-Schongauer Kreisvorsitzende Bernhard Heger aus Peißenberg. „Bei den Landwirten stapeln sich die Rechnungen, das Liquiditätsdarlehen der Bundesregierung für die Milchbauern ist ein Renner – leider“, so Heger über die Milchmarktpolitik der Bundesregierung. Der zuständige EU-Kommissar Phil Hogan sei auch keine Hilfe, der vertrete nur die Interessen der (Milch)-Industrie. Zumindest die Verantwortlichen in Bayern hätten jetzt so langsam erkannt, „dass wir in der Scheiße sitzen“, so Heger. Der Preis für ein Kilogramm Milch liege derzeit vielerorts bei unter 30 Cent. Kostendeckend wäre ein Preis von 45 Cent aufwärts. Der BDM fordert seit langem 50 Cent.

Traktor-Korso: Auch in Schongau demonstrierte der BDM gegen den Preisverfall. wk/fkn

Die EU müsse endlich eingreifen, „damit die Milch erst gar nicht auf dem Markt auftaucht“, so Heger auf einem Wasserfass stehend, im Hintergrund brannten derweil Heuballen ab, die die Landwirte symbolisch entzündet hatten, um darauf aufmerksam zu machen, „dass es brennt“. Den BBV, der beinahe zeitgleich in Augsburg gegen die Auflagen, unter denen die Landwirte leiden, demonstrierte, kritisierte Heger, weil der nicht einen Vorschlag zur Lösung der Krise unterbreitet habe. Die brennenden Heuballen waren nicht die einzige Aktion mit Symbolkraft: „Weil sich die Politik im Kreis dreht“, drehten die Landwirte im Anschluss mit ihren Traktoren ihre Runden im Kreisel – eine vom Landratsamt genehmigte und von der Polizei begleitete Aktion, die zu erheblichen Wartezeiten für die Autofahrer auf der B 472 und der B 2 führte und so den Milchbauern die ersehnte Aufmerksamkeit bescherte. Auch in Schongau demonstrierte der BDM: 21 Landwirte wandten sich gegen die aktuelle Agrarpolitik. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagte dazu Wildsteigs Bürgermeister und Biobauer Josef Taffertshofer. Er befürchtet eine dramatische Veränderung: weg von der bäuerlichen und hin zur industrialisierten Landwirtschaft mit all den negativen Begleiterscheinungen wie Massenviehhaltung, Raubbau an den landwirtschaftlich genutzten Böden, Megamaschinen, Verfall der Infrastruktur und leestehende Bauernhäuser. „Unser gewohntes Bild von unseren Dörfern und der Kulturlandschaft wird sich verändern, wenn die Politik nicht endlich die Maßnahmen des BDM unterstützt“, so Taffertshofer.

Und auch die Landwirte aus dem Raum Schongau fuhren mit ihren Traktoren im Kreis – nämlich am Kreisel am westlichen Ortsausgang in Richtung Marktoberdorf. 

-Johannes Thoma/wk-

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