Richter entschieden sich gegen Sicherungsverwahrung

Räuber muss zehn Jahre ins Gefängnis

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Landkreis - Ein 26-Jähriger wollte schon als Kind Berufs-Verbrecher werden. Jetzt muss er ins Gefängnis, die Richter entschieden sich gegen eine Sicherungsverwahrung.

Ein Hausmeisterhelfer (26) aus Herzogsägmühle hat einen langen Gefängnisaufenthalt vor sich: Das Landgericht München II verurteilte den vielfach vorbestraften Mann wegen dreier Raubüberfälle im Jahr 2015 zu zehn Jahren Haft.

Dabei kann er noch von Glück sprechen: Nur knapp entkam er der Sicherungsverwahrung, was bedeutet hätte, dass der 26-Jährige wahrscheinlich für den Rest seines Lebens eingesperrt geblieben wäre. Sein Mitangeklagter, ein Elektroniker (49) aus Peiting, wurde dagegen vom Vorwurf der Hehlerei freigesprochen. Der 26-Jährige erbeutete bei seinen drei Raubüberfällen insgesamt 35 Euro und Dokumente, die er nicht gebrauchen konnte.

Zum ersten Mal schlug er bei einem Bekannten in Schongau zu. Dieser hatte der Polizei gesteckt, dass der Angeklagte im Juli in einen Büroraum des Diakoniedorfes eingebrochen war. Daraufhin suchte der 26-Jährige den „Verräter“ auf und log ihm vor, dass die Polizei ihm bei der Wohnungsdurchsuchung 150 Euro gestohlen habe. Deshalb forderte er als vermeintliche Entschädigung den Inhalt des Geldbeutels des Schongauers. Als sich dieser weigerte, drohte ihm der Räuber damit, ihn „abzustechen“, sollte er das Geld nicht herausgeben. Daraufhin rückte der Bedrohte 30 Euro heraus. Er habe sich ein „bekannt schwaches Opfer“ herausgesucht, kritisierte der Vorsitzende Richter Thomas Bott den Angeklagten.

In der Nacht auf den 4. August 2015 traf es dann die Bedienung eines Spielcenters an der Schongauer Bahnhofstraße. Eigentlich wollte der 26-Jährige das Casino überfallen, doch es war schon zu. Als er merkte, dass die Bedienung das Center am Hintereingang verschloss, heftete er sich an ihre Fersen – mit einer Gassignalpistole, in der Pfefferpatronen waren. Er holte die Frau ein, schubste sie von hinten zu Boden und riss ihr die Handtasche von der Schulter. Als sie ihm hinterher rannte, schoss er zur Abschreckung in den Boden.

Der dritte Fall ereignete sich in Herzogsägmühle. Von einem Bekannten forderte er ein Handy zurück, das er diesem für 40 Euro verkauft hatte. Denn ein anderer bot ihm inzwischen mehr Geld. Als der Bekannte dies ablehnte, schlug ihn der 26-Jährige mit den Fäusten. Weitere Bewohner mussten einschreiten.

Juristisch handelt es sich bei den Taten um besonders schwere räuberische Erpressung, besonders schweren Raub, Körperverletzung, unerlaubtes Führen einer Schusswaffe, versuchten Raub und Körperverletzung.

Einem Psychiater erzählte der Hausmeisterhelfer, dass er schon als Kind Berufs-Verbrecher werden wollte. Und so handelte er auch: Seit seiner Jugend hat er immer wieder Raubüberfälle begangen.

Die Voraussetzungen für die Sicherungsverwahrung lagen damit vor. Dennoch entschieden sich die Richter dagegen. „Das war eine sehr knappe Geschichte“, sagte der Vorsitzende. Doch vor allem wegen seines jungen Alters und seiner unreifen Persönlichkeit wolle man ihm noch einmal eine Chance geben. Er müsse sich aber bewusst sein, dass bei einer weiteren Straftat auf alle Fälle die Sicherungsverwahrung verhängt werde.

Der Staatsanwalt hatte sich für elf Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Der Verteidiger hatte um eine milde Strafe für den 26-Jährigen gebeten.

Rubriklistenbild: © dpa

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