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Bernhard Hegersteht seit zehn Jahren an der Spitze des BDM-Kreisverbands.

Zehn Jahre BDM-Kreisverband

„Es hat sich absolut gelohnt“

Landkreis/Deutenhausen – Am kommenden Sonntag, 12. Juli, feiert der Kreisverband des Bunds Deutscher Milchviehhalter (BDM) seinen zehnten Geburtstag. Wir sprachen mit dem Kreisvorsitzenden Bernhard Heger (48) über Erfolge, Misserfolge und eine Minister-Absage.

Der BDM feiert ein großes Fest zum Zehnjährigen, gibt es überhaupt was zu feiern?

Selbstverständlich, wir vom Landkreis-Team des BDM und alle Mitglieder haben ein extrem großes Engagement an den Tag gelegt, um die Milchmarktpolitik zu verbessern. Es ist beispielhaft, eine Organisation in dieser Größe in so kurzer Zeit aufzubauen. Ohne das Engagement des BDM würde man auf politischer Ebene nicht mehr über die Milchpreis-Problematik diskutieren – wie beim Schweine- oder Geflügelmarkt bereits geschehen.


Müssten Sie aber nicht eher zur Trauerfeier einladen, angesichts sinkender Milchpreise und rückläufiger Mitgliederzahlen?

Traurig ist sicherlich, dass unsere Organisation von Vertretern anderer Verbände wenig geschätzt wird. Sinkende Milchpreise sind auch in der Verhinderungsstrategie anderer Verbände begründet.


Wen meinen Sie konkret?

Ich meine den Deutschen Bauernverband und den Genossenschaftsverband.


Zurück zum Fest: Wie zu hören war, hat der bayerische Landwirtschaftsminister Ihre Einladung zunächst angenommen und später wieder abgesagt, angeblich auf Druck des BBV. Ist da was dran?

Ob auf Minister Brunner Druck ausgeübt wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Aber die Begründung für die Absage spricht Bände: Der Minister hat in seiner schriftlichen Absage die Befürchtung gehegt, von weiteren Einladungen des BDM überschwemmt zu werden. Dem könne er nicht gerecht werden. Aber so etwas Ähnliches haben wir mit der CSU schon einmal erlebt.


Für Brunner kommt jetzt der Grüne Dr. Anton Hofreiter, was haben Sie mit den Grünen gemeinsam?

Wegen der Einladung für Hofreiter hat bei uns sogar ein Mitglied gekündigt. Der Vorwurf lautete, wir fahren einen Kuschelkurs mit den Grünen. Grundsätzlich ist unser Verband parteipolitisch offen. Unser Ansatz ist, bei solchen Veranstaltungen sollen die Parteien ihre agrarpolitischen Vorstellungen erläutern. Die Mitglieder können sich dann ihre eigene Meinung bilden. Fakt ist, dass sowohl BDM als auch Grüne derzeit die Notwendigkeit eines wirkungsvollen Sicherheitsnetzes für den EU-Milchmarkt sehen.


Sind die Rivalitäten mit dem BBV immer noch nicht beigelegt? Was sind die Ursachen?

Der BBV verfolgt einfach einen anderen Ansatz. Er sieht die Bauern als Bestandteil der Ernährungsindustrie, dessen Aufgabe es ist, kostengünstige Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie zu liefern, während der BDM eine starke Marktstellung der Milchviehbetriebe anstrebt.


Nach zehn Jahren BDM im Landkreis, dessen Vorsitzender Sie auch seitdem sind: Hat sich der ganze Aufwand gelohnt?

Absolut, weil wir das Bewusstsein für politische Entscheidungen und Zusammenhänge geschärft haben – ganz abgesehen von den vielen Begegnungen deutschland- und europaweit. Diese Begegnungen haben uns bewusst gemacht, dass Milchviehhalter in ganz Europa, ob groß oder klein, ähnliche Probleme haben wie wir.


Wird es den BDM in zehn Jahren in dieser Form noch geben?

Der BDM hat sich etabliert, bundesweit und europaweit. Ihn wird es sicherlich in zehn Jahren noch geben.

Johannes Thoma

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