So sieht sie aus: die Thujenhecke in Aidenried, die das Amtsgericht beschäftigte. privat

Streit um Hecke landete vor Gericht

Aidenried - Wie hoch darf eine Thujenhecke sein, die ein bewohntes und ein unbewohntes Grundstück in Aidenried trennt? Die Frage beschäftigte das Amtsgericht Weilheim.

Seit Jahren schon gibt es Streit um diese Thujenhecke, genauer gesagt um die Höhe dieses immergrünen Sichtschutzes, der in Aidenried ein bewohntes und ein unbewohntes Grundstück voneinander trennt. Nun, nachdem sämtliche Versuche, den Konflikt zu lösen, fehlgeschlagen waren, und auch eine Schlichtung nicht zum erhofften Frieden führte, trafen sich die Streitgegner erstmals zur Verhandlung vor dem Weilheimer Amtsgericht.

Dort ging es teilweise zu wie auf einem Basar: Es wurde um Zentimeter gefeilscht, um Monate und Messtechniken, ein Vorwurf jagte den nächsten. Richterin Stephanie Meurer musste immer wieder beschwichtigen: „Wir bleiben ganz ruhig, es geht nur um eine Hecke und die Höhe einer Hecke. Das ist nicht lebensentscheidend.“ Immer wieder appellierte sie an die Vernunft der Anwesenden, beharrlich richtete sie immer wieder das Augenmerk auf die Problemlösung. Und das war auch nötig, denn die beiden Parteien beschäftigen sich schon so lange mit dem Heckenstreit, dass es einige Nebenkriegsschauplätze gibt.

Der Kläger hat die unbebaute Wiese in Aidenried vor ein paar Jahren gekauft, der Vertreter der Beklagten verwaltet das bebaute Grundstück, auf dem die Hecke steht. Dem Kläger und seiner Frau ist die immergrüne Thujenpracht zu hoch. Sie raube ihrer Wiese das Licht, so die Begründung. Tatsächlich legt das bayerische Nachbarschaftsrecht auch fest, dass eine Hecke zum Nachbargrundstück eine Höhe von zwei Metern nicht überschreiten darf.

Im Schlichtungsverfahren vor rund zwei Jahren wurde dann auch vereinbart, dass die Thujenhecke regelmäßig auf etwa zwei Meter zurückgeschnitten werden muss. Diese Vorgabe habe er einhalten wollen, schilderte der Vertreter der Beklagten vor Gericht, und eine Gartenbaufirma damit beauftragt, die Hecke zu stutzen. „Die haben mir dann gesagt, so weit geht das nicht, weil die Hecke sonst braun wird.“

Also wurde das Grün zwar gestutzt, aber nicht auf die vom Kläger gewünschte Höhe. Dieser beauftragte eine Messfirma, die mithilfe spezieller GPS-Technik feststellte, dass die Hecke an den höchten Stellen zwischen 2,30 und 2,50 Metern hoch ist, und zog vor Gericht. „Grün werden Sie sich wahrscheinlich nicht mehr werden, davon gehe ich aus“, sagte die Richterin zu den Streitgegnern. Der Beweis folgte sofort: Als der erste Vergleichsvorschlag in trockenen Tüchern zu sein schien, ging es wieder los mit gegenseitigen Beschuldigungen.

Nachdem die Richterin den beiden Parteien noch einmal gut zugeredet hatte, konnten sie sich schließlich auf einen Vergleich einigen: Die Thujenhecke soll jährlich im Oktober oder November auf 2,0 Meter bis 2,15 Meter zurückgeschnitten werden. Das letzte Wort hatte die Richterin: „Der Vergleich ist geschlossen, das Verfahren beendet. Ich wünsche Ihnen ein friedlicheres Zusammenleben.“

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