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Die Tracht der Sudetendeutschen trugen diese drei Frauen bei der Enthüllung eines Gedenksteins an der Weilheimer Hochlandhalle im Oktober.

Nach Satzungsänderung des Dachverbands

Sudetendeutsche  sind verärgert

Landkreis - Der Kreisverband der Sudetendeutschen ist verärgert. Wegen einer Satzungsänderung wird nun überlegt, aus dem Dachverband auszutreten.

„Das Eigentumsrecht ist ein Individualrecht“, so Gustav Stifter, „daher kann nur jeder selbst auf sein Eigentum verzichten. Posselt kann unser Eigentum nicht für uns verschenken.“ Mit diesen Worten übt der Vorsitzende des Kreisverbands der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Kritik am SL-Bundesvorsitzenden Bernd Posselt, der die Enteignung der Vertriebenen durch eine entsprechende Satzungsänderung im Nachhinein akzeptieren will. Es sei undemokratisch, in einer Bundesversammlung, bei der nur wenige Betroffene anwesend waren, mit einer 72-Prozent-Mehrheit die Satzung zu ändern.

Der Entwurf der Änderung hätte den Mitgliedern vorgelegt werden müssen. „Nur die Mitglieder können eine so bedeutende Satzungsänderung beschließen“, so Stifter, der aus Böhmen stammt. Er sieht sogar die Gefahr, dass es langfristig auf eine Geschichtsfälschung hinausläuft, wenn diese Satzungsänderung Bestand hat. Die nachfolgenden Generationen könnten dann die Ereignisse nicht mehr nachvollziehen. Zum Zeichen des Protests hat der Kreisverband laut Stifter keine Fahrt zum 66. Sudetendeutschen Tag organisiert, der am Pfingstwochenende in Augsburg stattfand.Fritz Werner, Kulturreferent des SL-Kreisverbands, hält die Satzungsänderung für „überflüssig wie einen Kropf“. Zwar sei bisher „die Wiedergewinnung der Heimat“ ein Ziel gewesen, aber dabei habe niemand an einen militärischen Einmarsch gedacht. Heimat sei „etwas Ideelles, das mit Kultur und Sprache zu tun hat“. Wie wichtig Heimat sei, belege auch die tschechische Nationalhymne, die er noch in der Schule in Reichenberg gelernt habe. „Wo ist meine Heimat, mein Vaterland“ lautet die deutsche Fassung. Für nicht akzeptabel hält Werner auch, dass Posselt auf eine angemessene Entschädigung der Sudetendeutschen verzichtet. Dies könne er formal nicht, da er als Vorsitzender eines Verbands nur in dieser Funktion sprechen könne. Es seien aber nicht alle Sudetendeutschen Mitglieder der SL.Heide Stempian sieht sich vor dem Problem, dass die Satzungsänderung die Mitglieder gespalten hat und viele austreten wollen. „Mich ärgert vor allem“, so die Vorsitzende der Weilheimer SL-Gruppe, „dass Posselt und Seehofer die Leistung der Sudetendeutschen für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen nicht würdigen.“ Diese hätten schon seit den sechziger Jahren ihre alte Heimat besucht, Friedhöfe gepflegt und zum Erhalt von Kirchen beigetragen. Kein Verständnis hat Stempian dafür, „dass die Massaker an der deutschen Bevölkerung während der ,Wilden Vertreibung‘ – unter anderem in Brünn, Aussig und Postelberg – nicht unter Strafe gestellt werden – und das von einem Mitglied der EU“, die sich als Wertegemeinschaft verstehe. Die nach tschechischem Verständnis „geordnete Abschiebung“ – in Viehwaggons – erfolgte erst danach. Die Diskussion über die Satzungsänderung wird laut Stifter Thema bei den Monatstreffen der Mitglieder bleiben. Nach seiner Einschätzung sind im Kreisverband „95 Prozent gegen diese Änderung“. Zahlreiche Mitglieder hätten dies bereits schriftlich geäußert. Außerdem werde in einer Vorstandssitzung über das weitere Vorgehen beraten. Stifter rechnet damit, dass der Kreisverband „keine Zukunft im Gesamtverband“ hat.

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