Der tödliche Unfall ist in der Nähe von Burggen passiert.

Bewährung für 22-Jährigen

Tödlicher Unfall mit 1,5 Promille: Prozess

Burggen - Im Mai 2013 hat ein 22-Jähriger aus dem Schongauer Land unter Alkoholeinfluss einen tödlichen Unfall verursacht. Jetzt ist er vom Amtsgericht Weilheim wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Das Gericht verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Der Statsanwalt hatte Gefängnis gefordert.

Der junge Mann hatte an jenem Samstagmorgen einiges vor. Der 22-Jährige wollte erst seine Freundin, dann eine Bestellung abholen und war deswegen schon vor zehn Uhr unterwegs, obwohl die Nacht kurz gewesen war. Bis gegen 3.30 Uhr hatte er auf einem Polterabend gefeiert, dort viel Bier und ein paar Schnäpse getrunken. Er habe sich dennoch gut gefühlt, als er aufgestanden und losgefahren sei, schilderte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Weilheim, wo er wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs angeklagt war.

„Ich bin ins Auto gestiegen und losgefahren, aus Burggen raus, und dann ist es passiert“, sagte der Angeklagte: Laut Gutachten ist er mit seinem Auto nach rechts von der Straße abgekommen, hat zu stark gegengesteuert, kam ins Schleudern und prallte frontal gegen den 75-Jährigen aus Altenstadt, der mit seinem Handbike auf der Gegenfahrbahn fuhr. Der Mann und sein Rad wurden auf die angrenzende Wiese geschleudert. Dort erlag der Altenstadter seinen Verletzungen.

Für den Radfahrer bestand laut Gutachter keine Chance, den Zusammenprall zu verhindern. Bei ihm war eine 55-Jährige aus Lechbruck, die vor dem 22-Jährigen gefahren war und den Unfall im Rückspiegel beobachtet hatte. Sie hatte in den Spiegel geschaut, weil ihr das Handbike aufgefallen war. In diesem Moment sei das Auto „direkt nach links“ in den Radfahrer gefahren. Sie habe den Notruf abgesetzt und sich um den Verletzten gekümmert. „Ich bin bei ihm geblieben, damit er nicht alleine stirbt“, sagte die Frau vor Gericht.

Warum der Fahrer plötzlich nach links fuhr, sei nicht zu erkennen gewesen. Der Verkehrsgutachter kam zu dem Schluss, dass „bei einem normal aufmerksamen Fahrer das Abkommen nach rechts“ nicht zu dieser Übersteuerung geführt hätte, wie das bei dem Angeklagten der Fall war. Ein Alkoholtest ergab eine Blutalkoholkonzentration von 1,57 Promille Restalkohol bei dem Fahrer. Auch der 22-Jährige sieht heute Alkohol als Ursache für den tödlichen Unfall.

Der junge Mann hat seitdem keinen Tropfen Alkohol mehr zu sich genommen, wie er vor Gericht beteuerte. Er hat sich in Therapie begeben, mit der Familie des Altenstadters getroffen, sich bei dieser entschuldigt und 3000 Euro Wiedergutmachung an sie bezahlt. „Es tut mir alles wahnsinnig leid, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen“, sagte der Angeklagte nach Abschluss der Beweisaufnahme.

Wie der Anwalt, der die Familie als Nebenklägerin vertrat, schilderte, haben die Hinterbliebenen die Reue des Unfallfahrers „nicht als Lippenbekenntnis“, sondern als echt empfunden. Die Angehörigen seien nicht an einer Haftstrafe interessiert, wohl aber an einer Bewährungsauflage, die der Angeklagte deutlich spüren solle. Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe.

Richterin Katrin Krempl folgte seinem Antrag nicht und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage muss der Verurteilte 2000 Euro an die Kreisverkehrswacht zahlen und 200 Stunden soziale Dienste leisten, zudem darf er noch weitere zwei Jahre seinen Führerschein nicht wieder beantragen. Wegen des Restalkohols handle es sich nicht um die klassische Trunkenheitsfahrt. Es sei ein weit verbreiteter Irrtum zu denken, der komplette Alkohol sei, wenn er in diesen Mengen konsumiert wurde, nach ein paar Stunden Schlaf abgebaut, sagte die Richterin bei der Urteilsbegründung.

kh

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