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Im Landkreis Weilheim-Schhongau lebten Ende 2014 470 türkische Mitbürger. Sie stellen die größte Gruppe ausländischer Bürger in der Kreisstadt dar.

„Ein Putsch ist das Schlechteste“

Türkische Bürger über die Situation in ihrer Heimat

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Landkreis - Nach dem Putschversuch in der Türkei gilt dort jetzt der Ausnahmezustand. Wie türkische Bürger die Situation in ihrer Heimat beurteilen:

Nach dem gescheiterten Putschversuch ist in der Türkei für drei Monate der Ausnahmezustand verhängt worden. Die Lokalredaktion bat türkische Bürger aus dem Landkreis um eine Einschätzung der politischen Entwicklung in ihrer Heimat.

Harun Gök aus Peißenberg hat den Eindruck, dass „fast 100 Prozent“ der Türken in der Türkei, aber auch in Deutschland „froh sind, dass der Putsch gescheitert ist“ – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Anhänger des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan handelt oder nicht. „Jeder weiß, dass ein Putsch das Schlechteste ist“, um eine Änderung herbeizuführen, so Gök, der bedauert, dass infolge des Umsturzversuchs viele Menschen ums Leben kamen. Die Verhaftungs- und Entlassungswelle, die dem Putschversuch folgte, befürwortet das Vorstandsmitglied der Türkischen Gemeinde Peißenberg nicht. Gök befürchtet, dass viele Unschuldige verhaftet wurden. „Die Rechtsstaatlichkeit muss erhalten bleiben“, sagt er. Auch Kritik an Erdogan müsse erlaubt sein. Über die Entwicklung in der Türkei informiert sich Gök über deutsche und türkische Medien. Leider, so ist seine Erfahrung, berichten auch deutsche Medien einseitig. Erdogan zu „verteufeln“, sei nicht gerechtfertigt, er habe sich auch Verdienste erworben. Gök lobt das Verhalten des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier: „Er kritisiert, schließt aber die Tür nicht ganz zu.“ Was die Zukunft in der Türkei betrifft, hat Gök Angst, dass es zu einem Bürgerkrieg wie in Syrien kommt.

Dass der Putschversuch nicht richtig war, ist auch die Meinung von Mustafa Yapi aus Weilheim, der vermutet, dass die Umsturzpläne von der Gülen-Bewegung ausgingen. Nun habe die Regierung um Erdogan die Situation in der Türkei wieder im Griff – „die Leute brauchen keine Angst zu haben“, sagt Yapi. Mit seinem Vater, der in Istanbul lebt, telefoniert er jeden Tag. Er reise selbst bald in die Türkei, so Yapi, und mache sich keine Sorgen. Die Verhaftungen nach dem Putschversuch waren nach Einschätzung des 60-Jährigen zu etwa 90 Prozent berechtigt, bei den Entlassungen habe Erdogan „etwas übertrieben“. Bedauerlich findet es Yapi, dass nach dem Umsturzversuch junge Soldaten umgebracht wurden, die gar nicht gewusst hätten, dass sie an einem Putsch beteiligt sind.

Gurcan Babaeker aus Weilheim kann die Reaktion von Präsident Erdogan nachvollziehen: „Der Mann will mit der Säuberung sich selbst und seine Familie schützen. Das ist verständlich nach dem Putschversuch aus den eigenen Reihen, bei dem so viele Menschen gestorben sind.“ Abgesehen davon mache Erdogan auch manches richtig, lasse sich beispielsweise nicht beugen. Babaeker lebt seit 47 Jahren in Deutschland, geboren ist er in Izmir, der drittgrößten Stadt der Türkei. Er findet es traurig, dass gläubige Menschen, wie die Putschisten, zum Töten in der Lage sind. „Das ist nicht der Sinn des Islam und auch keiner anderen Religion.“ Wenn Babaecker seine Verwandten, die in der Nähe von Istanbul leben, besucht oder mit ihnen telefoniert, geht es aber nicht um politische Ereignisse: „Ich frage doch dann nicht: Na, wie geht’s in der Politik? Sondern: Wie geht es dir und deinen Kindern?“ Was ein Machtmensch wie Erdogan tut, könne man als „kleiner Mensch“ ohnehin nicht beeinflussen.

„Türken, die hier in Deutschland leben und nur wegen Besuchen oder Urlaubs in der Heimat sind, müssten lügen, wenn sie behaupten, eine detaillierte Ahnung davon zu haben, was in der Türkei politisch gerade vor sich geht“, sagt Babaeker. Der 57-Jährige vertritt die Meinung: „Irgendwie wird es weitergehen, und was geschieht, geschieht. Das ist Schicksal.“

von Stephanie Uehlein und Luca von Prittwitz

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