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Sicherer Ausstieg mit Rampe: Christine Kuisel mit Ralf Kreutzer (r.) und Manfred Plonner.

Barrierefreiheit mit Stolperfallen

Landkreis - Bus fahren soll für Menschen mit Rollstühlen, Gehhilfen und Kinderwagen komfortabler werden. Doch es gibt einige Stolperfallen.

Der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) hat sein neues Fahrplanheft für den Landkreis vorgestellt. Darin sind barrierefreie Kurse mit einem Rollstuhl gekennzeichnet. Das Problem: Das Symbol gilt nur für die Busse, nicht aber für die Haltestellen. Von denen entspricht rund ein Drittel nicht den notwendigen Anforderungen.

Ralf Kreutzer vom RVO erklärte: „80 Prozent der Busse sind für Menschen mit Rollstühlen ausgestattet.“ Im Stadtverkehr, also in Weilheim, Penzberg und Schongau, seien es sogar hundert Prozent. Das bedeutet: Alle Busse haben dort eine Vorrichtung, in der Regel sind es moderne Niederflur-Busse, die Aus- und Einstieg erleichtern sollen. Der Busfahrer klappt eine Rampe aus, die den Abstand zum Boden einebnet - insofern ein Bordstein vorhanden ist, der mindestens zwölf Zentimeter hoch ist.

Vertreter vom Behindertenbeirat, die sich seit Jahren für die Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr einsetzen, mahnten: Es gibt immer noch genug Haltestellen, an denen Rollstuhlfahrer nicht aussteigen können - selbst wenn sie in einem Niederflur-Bus sitzen. „Im Fahrplan müsste auch gekennzeichnet sein, welche Haltestellen wirklich barrierefrei sind“, sagte etwa Rollstuhlfahrerin Christine Kuisel. Sie schlug farbige Markierungen vor.

Peter Pabst vom Behindertenbeirat erklärte auch, warum eine eindeutige Kennzeichnung der Kurse so wichtig ist: „Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass sie sicher von A nach B kommen, sonst werden sie nicht auf den Nahverkehr umsteigen.“

Den Vertretern vom RVO und vom Landkreis, in diesem Fall Manfred Plonner, der für den öffentlichen Nahverkehr zuständig ist, ist das Problem bewusst. Es gebe auch einen Trend, „Bordsteine zu entfernen, zur Dorfverschönerung“. Kreutzer appellierte an die Verantwortlichen des Landkreises und der Gemeinden: „Es ist einfacher und günstiger, Haltestellen aufzurüsten, als alle Busse mit aufwendiger Technik auszustatten.“

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