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Braucht künftig keine Maske mehr: Julia Vatter an der Kasse des Weilheimer „Biomichl“ freut sich genauso wie ihr Chef, dass die Plexiglaswand künftig ausreicht.

Die Lage im Landkreis

Im Landkreis herrscht teils Freude, teils Skepsis über Lockerungen

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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  • Franziska Florian
    Franziska Florian
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Am Dienstag hat Ministerpräsident Markus Söder zahlreiche weitere Corona-Lockerungen verkündet, die viele Bereiche des öffentlichen Lebens betreffen und zum Teil bereits seit gestern, zum Teil ab Montag gelten. Wir haben uns bei Betroffenen umgehört, was sie von den Maßnahmen halten.

Gasthäuser dürfen länger öffnen

„Euphorie haben wir noch keine“, meinte Helmut Hedderich vom Gasthof Lamprecht in Peiting-Kurzenried angesichts der neuen Corona-Lockerungen für die Gastronomie. So darf er ab Montag statt 22 bis 23 Uhr öffnen, auch können wieder zehn Leute, die nicht aus einer Familie stammen, zusammenkommen und Hochzeiten mit 50 Leuten (draußen bis zu 100) gefeiert werden.

Gastronomie: Zur Bewirtung gehören Gäste

Natürlich freut er sich, dass die Möglichkeiten der Bewirtung weiter gelockert wurden, aber es gehören auch die Gäste dazu. Und die sind, gerade was Bewirtung im Innenbereich angeht, noch sehr zögerlich. Wirklich gut besucht ist derzeit nur der Biergarten, und das natürlich nur bei schönem Wetter. „Seit der Biergartenöffnung hatten wir nur fünf wirklich gute Tage“, so Hedderich. Das Wetter hatte da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die eine Stunde, die jetzt länger geöffnet werden darf, kommt beim Gasthof Lamprecht, der regulär bis 22 Uhr geöffnet hat, auch nicht groß zum Tragen.

Wie es bezüglich größerer Feste und Feiern aussieht, bleibt abzuwarten. „Die Stammtische freuen sich natürlich, dass sie jetzt wieder zusammensitzen können und werden sicher bald kommen“, erklärte Hedderich. Größere Feiern wurden allerdings bereits abgesagt oder auf Herbst verschoben. Da wird sich kurzfristig wenig tun. Die Hoffnung ruht derzeit auf den Kommunionsfeiern, die in Peiting im Juli und August stattfinden. „Es wurde schon mal angefragt, aber viele haben sich bereits Alternativen überlegt, feiern entweder im kleinen Kreis oder lassen sich das Essen liefern. Insgesamt ist alles noch sehr verhalten trotz Lockerung“, so Hedderich.

Busse dürfen voll besetzt werden

Zwar dürfen Reisebusse ab Montag, 22. Juni, wieder voll besetzt werden, doch „so richtig zuversichtlich“ ist Anton Oppenrieder, der das gleichnamige Busunternehmen in Eberfing leitet, noch nicht. Es sei eine bayerische Entscheidung, die für Busreisen in benachbarte Länder noch nicht gelte. „Reisen in Bayern machen nur zehn bis zwölf Prozent aus“, so der Busunternehmer. Zudem kursiere die Angst vor einer Ansteckung weiterhin und die Buchungsanfragen seien nicht in vollem Maße wieder da. „Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Oppenrieder. Tagesfahrten könnten demnach spontan kommen, und ein paar Reisen mit einem voll besetzten Bus seien ebenfalls schon geplant. Er lasse es jedoch mit Vorsicht und langsam angehen.

Verkäufer hinter Plexiglas brauchen keinen Mundschutz

Michael Sendl, Inhaber des „Biomichl“ in Weilheim, ist froh, dass seine Mitarbeiter hinter den Plexiglasscheiben keine Masken mehr brauchen. „Ich saß im Auto, als ich das hörte, und habe mich wahnsinnig gefreut.“ An den Kassen sind die Vorrichtungen schon lange angebracht, gestern vergab er den Auftrag, dass auch an die Theken Plexiglasscheiben kommen. „Das ist eine sehr große Erleichterung für unsere Mitarbeiter“, so Sendl. Er habe größten Respekt vor allen, die die Maske für längere Zeit aufhaben mussten. Deshalb war es ihm wichtig, die neuen Scheiben so schnell wie möglich anzubringen, um die Mitarbeiter ein Stück zu entlasten. Jedoch hat Sendl zwei Mitarbeiter, die zur Risikogruppe zählen. „Wenn sie nicht wollen, dass jemand in ihrem Umfeld ohne Maske rumläuft, akzeptieren wir das und die Masken bleiben dann auf, wenn diese Mitarbeiter da sind“, erklärte der Inhaber.

Zehn Personen können sich wieder treffen

Jetzt hätten auch Vereinsvertreter wieder die Möglichkeit zusammenzukommen. Doch der Trachtenverein der Marktgemeinde Peißenberg wird nichts überstürzen, wie der Vorsitzende Anton Höck sagte. „Wir gehen das erst einmal ruhig an und warten, ob es vielleicht auf mehr Personen erhöht wird.“ Die Vorstandschaft habe 22 Mitglieder und könne sich deshalb eh noch nicht treffen. Auch die Proben – zum Beispiel von der Plattlergruppe – bringen aktuell nichts, da die Auftritte fehlen würden, so Höck. „Vielleicht treffen wir uns mal, um zu besprechen, wie es weitergehen kann.“

Doppelt so viele Personen in Läden

Ob sich die neuen Corona-Vorschriften für den Handel, nämlich die Verringerung der Fläche auf zehn Quadratmeter pro Kunde, entscheidend auswirken wird, bezweifelt Barbara Filser noch. Bei der Altenstadter Metzgerei werden schon alleine aus Rücksichtnahme immer noch nur so viele Kunden in den Laden gelassen, wie auch Verkäuferinnen verfügbar sind. In der Regel sind das vier bis fünf. Die anderen müssen draußen warten, was sie auch bereitwillig tun. „Es gibt immer noch viele, die sich unwohl fühlen, wenn nicht genug Abstand gehalten wird“, weiß Barbara Filser. Was sie und ihr Mann Ludwig dagegen sehr begrüßen: Dass ab Montag das Verkaufspersonal hinter der Theke dank der Plexiglaswand keine Gesichtsmasken mehr tragen muss. „Das freut uns sehr, vor allem, weil es dann nicht mehr so viele Verständigungsprobleme gibt“, so Barbara Filser. Zudem strenge das Arbeiten mit Maske doch sehr an.

Chöre dürfenwieder proben

Andrea Fessmann, Leiterin des „KlangKunst“-Chors in Iffeldorf, war gestern noch vorsichtig. Dass ab Montag wieder Chorproben möglich sind, sei ein wichtiger Schritt. Doch sie wisse nicht, ob auch mehr als zehn Personen in einem Raum singen dürfen – und alles andere wäre schwierig. Hygienevorschriften mit Lüften und Desinfizieren seien hingegen gut umsetzbar. Spontan entschied die Sängerin und Dirigentin noch während des Telefonats mit unserer Zeitung: Kommenden Dienstagabend gibt es am Deichstetterhaus in Iffeldorf „die erste offizielle Open-Air-Chorprobe“ von „KlangKunst“. Zuletzt hatte Fessmann Online-Chorproben angeboten. Daran hätten stets rund 40 Sänger teilgenommen – nur habe sie diese ja nicht hören können. Dennoch ist dank dieser Proben schon am 5. Juli, 19 Uhr, ein Chorkonzert im Maierhof des Klosters Benediktbeuern möglich (Info und Anmeldung: 08856/3695).  

uf/ff/mr

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Am genauen Spielplan wird noch gebastelt. Doch der Sommer scheint für Kulturfreunde in Weilheim gerettet. 26 Theater-Abende sind von 12. Juli bis Anfang September auf einer kleinen Freilichtbühne an der großen Hochlandhalle geplant. Motto: „Teatro Coronato“.

Ärger um die Maskenpflicht im Biergarten gab es in Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Eine Wirtin gab nach einer Gäste-Beschwerde Konter - und trat damit eine Facebook-Debatte los.

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