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Das Radwegekonzept für den Landkreis nimmt Formen an.

Das könnte teuer werden

Mehr Radwege im Landkreis – doch wer zahlt’s?

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Das Radwegekonzept für den Landkreis nimmt Formen an. Im Sommer soll es auf dem Tisch liegen, im Oktober der Kreistag über die Umsetzung befinden. Es wird teuer. 

Landkreis – Seit fast zwei Jahren wird daran getüftelt, nun biegt das ehrgeizige Vorhaben auf die Zielgerade ein: Der Landkreis lässt sich ein Radwegekonzept für Alltagsfahrten erstellen. Im Kreisausschuss legte das Verkehrsplanungsbüro Kaulen (Aachen/München) die Ergebnisse seiner Studie vor.

Dass der Bedarf an sicheren Strecken zwischen Lech und Loisach vorhanden ist, steht für Planer Matthias Reintjes außer Frage: Der Radverkehr werde weiter „eine ganz, ganz wichtige Rolle spielen“, bekräftigte er. „Das Potenzial im Alltagsverkehr ist riesig.“ Das Büro hat den Landkreis unter die Lupe genommen. Fazit: Das Netz an Strecken ist noch sehr lückenhaft, was Sicherheit und Komfort anbelangt. Satte 64 Prozent des Bestands an Routen führt laut Reintjes im Mischverkehr, wo über Tempo 30 herrscht. Der Planer spricht von einem „großen Problem“. Zwölf Prozent gehen über Straßen, auf denen 20 bis 30 km/h erlaubt sind. Lediglich sieben Prozent sind einseitige Geh- und Radwege im Zweirichtungsverkehr, weitere sechs Prozent führen über land- und forstwirtschaftliche Wege. Immerhin 273 Mängelpunkte listet die Untersuchung auf – von gefährlichen Zufahrten bis störenden Hindernissen.

Beschilderungen, Markierungen, Neu- und Umbauten kosten Geld

Neu- und Umbauten, Beschilderungen, Markierungen und Netzverlegungen: All dies wird viel Geld kosten. „Wir müssen sauber in die Tasche greifen“, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU): Noch sind laut Kreiskämmerer Norbert Merk keine Mittel im Haushalt eingestellt, aber er kalkuliert bereits: „Wir werden uns sicher über einen siebenstelligen Betrag unterhalten.“ Und zwar jährlich für die großen Projekte. Zudem sei auch weiteres Personal für die Umsetzung des Konzepts nötig. „Nur Geld zur Verfügung stellen geht nicht.“ Die Verkehrsplaner empfehlen, sich zuerst der vordringlichsten Sorgenkinder anzunehmen und sich auf Hauptrouten zu konzentrieren. „Es ist notwendig, dass man über Achsen nachdenkt“, riet Reintjes.

Grundsätzlich herrschte im Kreisausschuss Zustimmung zum landkreisweiten Radwegekonzept. „Nur so funktioniert es“, sagte Klaus Gast (CSU, Weilheim). „Wir brauchen ein Netz, das zusammenhängend ist.“ Ein „dickes Lob“ für die Studie kam von Hans Geisenberger (Unabhängige/ödp, Sachsenried), der auf eine zusätzliche ökologische Verkehrsentlastung setzt: „E-Mobilität löst nicht die Probleme.“ Doch nicht jeder Kreisrat überschlug sich vor Begeisterung – vor allem aus finanziellen Gründen.

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Grüne finden Regelung mit Finanzen „frustrierend“

Karl-Heinz Grehl (Grüne, Weilheim) nannte es „frustrierend“, dass die Finanzierung solcher Projekte nicht eindeutig geregelt sei. Grehl verwies auf die seit Jahren geforderte Radverbindung zwischen Oberhausen und Peißenberg, die bislang auch an den Kosten scheiterte. Grehl ist deshalb wenig optimistisch, dass die Ideen umgesetzt werden, So lange die Bundes- und Landespolitik nicht Regelungen schaffe, „werden wir diese Straßen nie kriegen“, warnte er. „Ein Landkreis Weilheim-Schongau wird es allein nicht zahlen können.“ Bernhard Kamhuber (SPD, Huglfing) prophezeit „ganz schöne Auseinandersetzungen“, wenn es ans Verteilen der Gelder geht. Wie eine Finanzierung aussehen könnte, machte Peter Ostenrieder (CSU, Peiting) deutlich. Er will die Kommunen mit ins Boot holen. „Wir werden uns über die Kreisumlage unterhalten müssen.“

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Am Ende nahm das Gremium ohne Widerspruch den Sachstandsbericht zur Kenntnis. Einstimmig wurde beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe eine Umsetzungsempfehlung für den Kreistag erarbeitet. Termin ist am 23. September. Im Oktober entscheidet der Kreistag dann über das Radwegekonzept.

ab

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