Kritik an „Sparkasse Oberland“

Wenn Immobilienkäufer warten müssen 

Die „Sparkasse Oberland“ braucht bei Löschungsbewilligungen von Grundschulden ungewöhnlich lange: Das kritisiert der Peißenberger Immobilienmakler Wolfgang Sartory. 

Landkreis – Bei Immobiliengeschäften ist es allein mit dem Abschluss des notariellen Kaufvertrags nicht getan. Erst mit dem Eintrag der dinglichen Einigung im Grundbuch wird der Käufer Eigentümer. In der Regel bekommt der Verkäufer erst dann sein Geld, wenn sämtliche ausgewiesenen Grundschulden aus dem Kataster gestrichen worden sind. Dazu benötigt der Verkäufer eine Löschungsbewilligung durch seine Bank.

Laut Wolfgang Sartory, der ein Immobilienbüro in Peißenberg führt und langjähriger Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins in Weilheim ist, dauert das Procedere normalerweise maximal zwei bis drei Wochen. „Das ist eigentlich kein großer Akt. Die Bank muss nur schauen, ob noch etwas schuldig ist und unter welchen Auflagen die Löschung bewilligt werden kann“, erklärt Sartory. Doch bei der „Sparkasse Oberland“ würden sich die Verfahren seit der Fusionierung erheblich in die Länge ziehen: „Wir hatten mehrere Fälle, bei denen es sieben Wochen und länger gedauert hat, bis die Löschungsbewilligungen vorlagen“, kritisiert Sartory: „Ich habe nichts gegen die Sparkasse und will niemanden an den Karren fahren, aber das kann nicht angehen. Das ist ein Missstand, der sofort behoben werden muss.“

Es geht nicht um „Zwei Euro fünfzig“

Bei der Angelegenheit geht es laut Sartory „nicht nur um ,Zwei Euro fünfzig’, sondern um richtig hohe Beträge“. Auch der Käufer sitze zumeist schon wartend in den Startlöchern: „Die haben oft schon die Handwerker bestellt, kommen aber nicht ins Haus rein, weil sie noch kein Eigentümer sind“, beschreibt Sartory das Problem: „Die Leute sind natürlich ärgerlich und fragen sich, warum das Ganze so sein muss.“

Die Löschungsbewilligung sei für die Banken kein großer Verwaltungsaufwand: „In der digitalisierten Zeit ist mir das völlig unverständlich, warum das bei der Sparkasse so lange dauert.“ Sartory verweist zudem darauf, dass der Immobilienmarkt derzeit rückläufig sei: „Es werden momentan weniger Objekte umgesetzt – und trotzdem funktioniert das bei der Sparkasse mit den Löschungsbewilligungen nicht. Bei anderen Banken sind die Abläufe hingegen klar. Und vor der Fusion ging es bei der Sparkasse ja auch.“

Erklärung für Immobilienmakler nicht nachvollziehbar

Sartory hat in der Sache bereits bei Sparkassen-Vorstand Thomas Orbig vorgesprochen und seinen Ärger kundgetan: „Man hat mir gesagt, dass es Personalprobleme gebe und man dabei sei, selbige zu beheben.“ Sartory kann die Erklärung nicht nachvollziehen: „Nach der Fusionierung müssten sie ja eigentlich eine doppelte Besetzung haben, und die Abläufe waren doch vorher bekannt.“ Bei der „Sparkasse Oberland“ räumt Pressesprecher Robert Christian Mayer auf Nachfrage der Heimatzeitung Verzögerungen bei der Bearbeitung von Grundschuld-Löschungsbewilligungen ein: „Die Beobachtung ist richtig. Es hat im März und April tatsächlich Engpässe gegeben.“ Der Überhang werde nun aber von zusätzlich abgestelltem Personal abgebaut.

Mit der Fusion, das betont Mayer ausdrücklich, habe der „Engpass“ nichts zu tun gehabt. Die „Sparkasse Oberland“ würde stattdessen erhebliche Zuwächse bei den Baufinanzierungen verzeichnen.

Neubauten hoch im Kurs

Während der Immobilienmarkt für gebrauchte Objekte derzeit „leergefischt“ sei, stünden Neubauten hoch im Kurs. „Und nach einer aktuellen Statistik werden in der Region über 60 Prozent aller Baufinanzierungen bei uns abgeschlossen. Da brummt es richtig“, erklärt Mayer.

Für einen erhöhten Arbeitsaufwand würde zudem die regulatorischen Anforderungen der neuen „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“ der Europäischen Union sorgen. Die „Sparkasse Oberland“ habe die Probleme bei der Abarbeitung der Löschungsbewilligungen jedoch erkannt und mit der Personalaufstockung adäquat reagiert: „Der Engpass ist mittlerweile behoben“, so Mayer.

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Bernhard Jepsen

Rubriklistenbild: © dpa / Arne Dedert (Symbolbild)

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