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Pfeife und Schaber sind Markenzeichen

Traumschiff-Kapitän im Gespräch

Rauch: In der Welt unterwegs, auf dem Dorf daheim

Landkreis - Als Schauspieler hat Siegfried Rauch Filme und TV-Serien in aller Herren Länder gedreht. Am liebsten ist er aber daheim bei der Familie, auf seinem Bauernhof in Untersöchering.

Update vom 12. März 2018: Trauer um Siegfried Rauch. Der Schauspieler, vielen bekannt als Kapitän des ZDF-„Traumschiff" ist im Alter von 85 Jahren tödlich verunglückt. Das bestätigte die Polizei Penzberg am Montag, 12.3.2018.

Die Familie, die für ihn "traumhafte Gemeinschaft" im Dorf, die Heimat - das hat bei Siegfried Rauch den höchsten Stellenwert. Der 80-Jährige ist trotz seiner vielen Erfolge bodenständig geblieben. Schauspielerei, Malen, Musik und Sport - Talente hat er viele. Und ein besonderes Rezept gegen Heimweh bei Dreharbeiten. Was das ist und noch viel mehr verrät er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Und er erzählt von Dreharbeiten auf dem "Traumschiff", von lustigen Begebenheiten und vom Berufswunsch, den er als kleiner Bub am Ammersee hatte. 14 Jahre war Rauch auch der "Traumschiff"-Kapitän Jakob Paulsen, jetzt hört er damit auf. Ab Februar wird er in Dubai, Malaysia und auf hoher See für das ZDF seine letzte "Traumschiff"-Folge drehen.

Siegfried Rauch ist Frühaufsteher. Länger als bis 6 Uhr hält es ihn kaum im Bett. Den Tag in aller Ruhe angehen lassen, das gemütliche Frühstück mit Ehefrau Karin, die ausgiebige Zeitungslektüre – dann ist der Morgen für ihn eine „Zeit der Erholung“. Frühe Termine sind für ihn selbstverständlich: „Passt’s am Samstag gleich um halb neun oder ist das vielleicht zu früh für Journalisten?“ fragt er am Telefon auf die Bitte um ein Interview. Nein, ist nicht zu früh, das passt schon. Zum einen deshalb, weil es gar nicht so einfach ist, bei dem viel beschäftigten Schauspieler einen Termin für ein längeres Gespräch zu bekommen. Und es passt vor allem an diesem traumhaften Herbsttag heute vor einer Woche, weil man bei strahlendem Wetter schon auf der frühen Fahrt nach Untersöchering deutlich vor Augen hat, was Siegfried Rauch hier so schätzt: Die Landschaft wie aus dem Bilderbuch, Dörfer, Bauernhöfe, Wälder, Wiesen und Felder und am Horizont die Bergkette, die sich im Sonnenlicht gestochen scharf vom wolkenlosen blauen Himmel abhebt. Heimat, wie sie schöner kaum sein kann. „Heimat“ ist für Rauch aber noch mehr: Die Familie, das gesamte persönliche Umfeld, der alte Bauernhof in Untersöchering, die Nachbarn, die „traumhafte Gemeinschaft“ im Dorf, in der seine beiden Söhne gut beschützt aufgewachsen seien. Hier im Ort sieht man in ihm nicht vorrangig den bekannten Schauspieler, hier ist er einfach „der Sigi“ – einer von ihnen, der, wenn’s pressiert, auch beim „Kaibiziagn“ mit anpackt. Der „am liebsten bei der Klara im Dorfladen“ einkauft, und der auf Bitten der Feuerwehr auch schon mal zur Gitarre greift, um mit Pater Benedict de Souza ein Lied anzustimmen. Weil der aus Indien stammende katholische Dorfpfarrer so gerne mit ihm singen wollte. Das Lied „Country Roads“ hatte er sich gewünscht.

Der Begriff „Heimat“ ist groß in Mode gekommen – und wird oftmals überstrapaziert. „Plötzlich entdecken viele ihre Sehnsucht nach Heimat“, wundert sich Rauch, als er zum Gespräch ins kleine, von alten Obstbäumen und einem blühenden Bauerngarten umgebene „Malhäusl“ bittet. „Homesick“ sagen die Amerikaner dazu, „zeitlang haben“ ist der bayerische Ausdruck. Dem 80-Jährigen ist dieses Gefühl nicht unbekannt: „Wahnsinnig zeitlang nach dahoam“ habe er selbst jedes Mal, wenn er bei Dreharbeiten zum Beispiel für das ZDF„Traumschiff“ wochen- und monatelang unterwegs ist. Fotos von daheim sind dann immer dabei. „So dumm es klingt: Wenn das Heimweh zu groß wird, gibt’s nur eines: Die Kabine zusperren und Heimat anschauen“, gibt er zu. Noch auf einer „Traumschiff“-Reise kann (oder muss) er so verfahren, dann hört Siegfried Rauch als „Kapitän Jakob Paulsen“ auf. „Ewig werd’ ich’s nicht mehr machen“, hatte er bereits beim Interview angedeutet. „Ich habe ja schon die ganze Welt gesehen.“ Außerdem seien die langen Flüge und das tropische Klima bei den Dreharbeiten mittlerweile doch etwas anstrengend.

Nur vier Tage später, am vergangenen Mittwoch, gab das ZDF bekannt, dass Siegfried Rauch nach 14 Jahren beim „Traumschiff“ aussteigen und als sein Nachfolger Sascha Hehn die Kapitänsrolle übernehmen wird. Bekleidet mit schwarzer Hose, grauem T-Shirt, leuchtend blauem Pullover und Joggingschuhen, lehnt sich Siegfried Rauch auf dem Stuhl zurück und schlägt die Beine übereinander. Sein markantes Gesicht ist sonnengebräunt, die kräftige Farbe des Pullovers verstärkt das Blau seiner Augen. Er fährt sich mit der Hand durch die weißen Haare, holt aus einer Tasche seines dunkelblauen Schabers seine Pfeife hervor und zündet sie an. So wie die Pfeife ist auch die bäuerliche Arbeitsschürze fast schon ein Markenzeichen von ihm. „Der Schaber ist so praktisch“, sagt Rauch, in seinen Taschen hat Vieles Platz. Er trägt ihn bei der Arbeit in Haus und Garten ebenso wie beim Holz machen im eigenen Wald, den er vor 30 Jahren gekauft hat. Stolz deutet der Schauspieler aus dem Fenster. An einer Wand der Scheune nebenan sind Holzscheite hoch aufgestapelt. „Holz machen und aufschichten ist für mich ein Stück Therapie“, erklärt er. „Wenn ich aus dem Wald heimkomme, bin ich wie erlöst.“ Und es gebe eine besondere Wärme, im Haus mit eigenem Holz einzuheizen.

An den Wänden hängen Fotos der Familie und ein gerahmter Brief des Bundespräsidenten. Joachim Gauck hat ihm damit am 2. April zum 80. Geburtstag gratuliert. Siegfried Rauch hält viel von Gauck, er sei „ein guter Mann“, über dessen Glückwünsche er sich sehr gefreut habe. In einer Ecke des Raums lehnt die Gitarre, mit ihr übt der Schauspieler hier auch für seine gelegentlichen Auftritte als Sänger. Auf einem Regal steht ein Aquarellporträt von Ehefrau Karin. Siegfried Rauch hat es während einer „Traumschiff“-Reise gemalt – auch eine Therapie gegen Heimweh.

In Hagen bei Murnau aufgewachsen, lernte Siegfried Rauch seine Frau übers Skifahren kennen. Beide waren Vereinsmeister beim Skiclub Murnau, hatten die gleichen Interessen. Und weil sie auch noch „a nettes Madl g’wesen ist“, wie er lachend erklärt, hat es gefunkt. In zwei Jahren können die Rauchs goldene Hochzeit feiern. „Ein Schauspieler, der 48 Jahre mit ein und der selben Frau verheiratet ist, wäre eigentlich was fürs „Buch der Rekorde“, feixt Rauch und schwärmt von der „langen, gemeinsamen, schönen und sehr wertvollen Zeit“. Er erzählt vom gemeinsamen Golfspielen („da muss man die Gedanken auf etwas anderes konzentrieren“), von Aufenthalten im geliebten Südtirol, wo die beiden seit Jahren im gleichen Quartier oberhalb des Kalterer Sees wohnen („unsere Gastgeber dort sind wunderbare Menschen“) und von ihren Radtouren: „Dafür haben wir uns jetzt E-Bikes gekauft.“ 

Seit 1973 leben Rauch und seine Frau in dem alten Bauernhaus in Untersöchering. Erbaut 1742, musste es nach dem Kauf umfassend saniert werden. „Wir haben mehr reingesteckt, als der Hof gekostet hat.“ Obwohl handwerklich „nicht sonderlich geschickt“, wie er zugibt, hat der Hausherr hier und dort auch selbst mit angepackt. Vor allem konnte er sein Faible für Architektur ausleben – für jenen Beruf, den er ursprünglich ergreifen wollte und mit dessen Studium er auch schon begonnen hatte, bevor er sich fürs Schauspielen entschied. 

In dem Haus wuchsen auch die Söhne Benedikt und Jakob auf, die längst eigene Familien haben. Einer lebt bei Bad Heilbrunn, der andere bei Forst – „eine gesunde Distanz und gegenseitig doch leicht zu erreichen“. Einer hat zwei Mädchen (5 und 7 Jahre), der andere einen vier Monate alten Buben. Siegfried Rauch ist ganz der stolze Opa. „Enkel sind was Herrliches“, schwärmt er – und hält mit Kritik an der Betreuung in Kitas nicht hinterm Berg: „Ein Kind gehört heim in die Familie“, sagt er bestimmt und weiß doch gleichzeitig, dass es oft nicht anders geht. Auf dem langen Tisch vor dem Fenster liegt ein angefangenes Aquarell, eine Landschaft mit Kuh. Malen ist Rauchs großes Hobby. Meist bringt er Motive aus dem Oberland mit viel Talent zu Papier, fertige Bilder läßt er dann schon mal für gute Zwecke versteigern. „Für die ganze Welt wird gespendet, aber auch im näheren Umfeld ist nicht alles rosig“, sagt er nachdenklich. Er ist selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Mit den Bildern und seinem sozialen Engagement unter anderem für die Stiftung „Kinderzukunft“ könne er zumindest „ein bisserl was tun“. 

Als Schauspieler hat Rauch „alle Höhen und Tiefen bis hin zur Demütigung“ erlebt. Aber „Durchstehvermögen und Optimismus“ seien seine Stärken und hätten ihn dorthin gebracht, wo er heute steht. Würde er den gleichen Beruf nochmals ergreifen? Rauch zögert: „Wenn ich jung wäre, vielleicht nicht mehr.“ Zu unsicher sei, in welche Richtung sich das Fernsehen entwickle, zumal sich hier und dort bereits ein Zerfall der TV-Kultur abzeichne. Trotz allem aber sei die Schauspielerei „etwas Wunderbares“: „Es ist faszinierend und befriedigend, allein mit meiner Person Leute glücklich machen zu können.“ Sein Alter sieht man Siegfried Rauch nicht an. „Im Kopf bin ich noch ziemlich jung“, sagt er, das Lernen für seine Rollen halte ihn geistig fit. Auch wirkten sich Arbeit und Aufenthalt in der Natur sowie vernünftige Ernährung positiv aus. Aber körperlich müsse er „manchmal einen Gang runterschalten“. Sagt’s und zieht den Vergleich mit einem Auto, das bergauf fährt: „Da geht’s auch langsamer“, und trotzdem komme man oben an. Und man sollte stets eines beherzigen: „Nie die Fähigkeit verlieren, sich auch an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen.“ Draußen stromert der Kater des Hauses durch den Garten. Gibt es noch mehr Tiere auf seinem Bauernhof? Rauch verneint und lacht: „Am liebsten hätte ich zwei Esel, das sind so nette Viecher. Platz hätte ich ja, aber ich bin einfach zu oft weg.“

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