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Winterdienst mal anders: Die Weilheimer Betriebshof-Mitarbeiter Markus Buchner (v.l.), Josef Westenrieder und Willi Reßl bessern den Madenbergweg westlich von Weilheim aus.

Straße flicken statt Salz streuen

Was macht der Winterdienst ohne Schnee?

Weilheim-Schongau - Über zehn Grad, Sonne und weit und breit kein Schnee: Der Winter lässt auf sich warten. Dabei stehen etliche Winterdienst-Mitarbeiter bereit, um Salz zu streuen und Schnee zu räumen. Nur: Was tun sie bei diesem Wetter?

Roman Bals, Chef des Peißenberger Bauhofes, bringt es auf den Punkt: „Winterdienst? Gibt doch gar keinen“, antwortet er auf die Frage, was „sein“ Winterdienst eigentlich gerade so treibt. Die Temperaturen im Landkreis sind frühlingshaft. Glätte, Schnee und Eis scheinen in weiter Ferne. Tausende Tonnen Streusalz lagern ungenutzt in Hallen. Für den Winterdienst gibt es keine Arbeit. Das heißt aber nicht, dass die Mitarbeiter untätig sind.

Allein am Peißenberger Bauhof stehen 24 bereit. Zunächst einmal bedeuten die milden Temperaturen für sie: länger schlafen. Der reguläre Arbeitstag beginnt um 6.45 Uhr statt um 3 Uhr. Dafür gibt es aber auch keinen Zuschlag für den nächtlichen Einsatz. Wer will, kann Überstunden abbauen. Es stehen aber auch genug Aufgaben an, sagt Bauhof-Chef Bals. Risse und Löcher im Straßenbankett werden etwa ausgebessert.

Bals selbst muss übrigens trotzdem nachts raus. Er ist einer der beiden Einsatzleiter. Wenn er alle zwei Wochen Bereitschaft hat, klingelt der Wecker nachts und er macht sich auf zu einer einstündigen Kontrollfahrt – es sei denn, er kann bereits bei einem Blick aus dem Fenster und aufs Thermometer feststellen, dass Streuen nicht notwendig ist. Dann kann Bals wieder zurück ins Bett. Falls er wieder einschlafen kann. „Wenn nicht, hoffe ich, dass die Zeitung früh kommt“, erzählt er lachend. Die anderen Mitarbeiter können sich freuen: Sie haben in letzter Zeit sehr selten einen nächtlichen Anruf von Bals bekommen.

Der Winter lässt auf sich warten. Gut die doppelte Menge an Streusalz hatte der Winterdienst 2013 um die Zeit bereits verteilt, schätzt Walter Lehner von der Straßenmeisterei, die für den östlichen Landkreis zuständig ist. Eine Flotte von 61 Einsatzfahrzeugen steht bereit, um die Straßen zu räumen – momentan haben sie Pause. Die Mitarbeiter kümmern sich um das Grün am Straßenrand. Sie schneiden Sträucher und Bäume zurück. Dicke Jacken sind dafür nicht notwendig. „Die warmen Temperaturen haben den Vorteil, dass wir nun mehr Zeit haben“, erklärt Lehner. Normalerweise bleibt nämlich für die Gehölzpflege kaum Zeit übrig, wenn die Arbeiter schon nachts für den Winterdienst unterwegs sind. Und bereits im Frühjahr dürfen keine scharfen Klingen mehr durch Baumwipfel sausen, denn dann haben die Vögel Brutzeit.

Ganz glücklich über die gewonnene Zeit ist man auch am Weilheimer Betriebshof. Durch den langen harten Winter im vergangenen Jahr sind viele Aufgaben liegen geblieben. „Wir haben viele Baustellen“, sagt Betriebshofs-Leiter Karl Neuner. Die Christbaum-Beleuchtung muss abgehängt werden, Straßen werden ausgebessert, Bäume beschnitten und kaputte Stellen in städtischen Gebäuden repariert. Ähnlich berichtet es die Penzberger Bauhof-Chefin Susi Bichlmayr. So wirklich vermissen tut den Winter beim Winterdienst also keiner – bisher zumindest.

Kathrin Garbe

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