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Beate Sitek leitet das Gymnasium Weilheim.

Landkreis

Wunsch nach einem „neuen G9“

Die Weilheimer Gymnasiumsleiterin Beate Sitek sieht ein G9 entspannt. Ihr Penzberger Kollege Bernhard Kerschner  befürchtet hingegen Raumprobleme.

Landkreis – Keine zehn Jahre ist es her, dass das G8 in den Gymnasien das G9 ersetzt hat. Jetzt sieht es so aus, als werde die Gesamtschulzeit schon bald wieder auf 13 Jahre verlängert. Kommende Woche wollen sich die Politiker an einen „runden Tisch“ setzen und anschließend eine offizielle Entscheidung zu dem umstrittenen Thema fällen.

Endlich eine Entscheidung – das ist es, was sich der Leiter des Penzberger Gymnasiums, Bernhard Kerscher, wünscht: „Es muss möglichst bald eine klare Lösung her.“ Die Eltern der Schüler würden ihm aktuell viele Fragen zu dem Thema stellen, doch beim Beantworten tue er sich etwas schwer. Komme das G9, dann wohl sehr bald. Bis dahin müsse aber eine Menge organisiert werden. Laut Kreiskämmerer Norbert Merk hat Landrätin Andrea Jochner-Weiß vor einigen Wochen von sich aus die Leiter der drei Gymnasien in Weilheim, Schongau und Penzberg eingeladen, um zu diskutieren, wie es vor dem Hintergrund des G9 mit dem Platzangebot an den Schulen aussieht. „Und alle waren sich einig: Wenn so gebaut wird, wie geplant, ist ein G9 an den drei Landkreis-Gymnasien möglich.“

Nicht nur in Schongau soll gebaut werden, auch die millionenschwere Sanierung des Weilheimer Zentralbaus ist in vollem Gange, und auch in Penzberg sollen die Fachräume an zentraler Stelle neu gebaut werden. „Wäre es beim G8 geblieben, hätten wir aufgrund der Schülerzahlen tatsächlich überlegen müssen, ob man so weiterbaut“, sagt Merk. Denn Anfang November wurde bekannt, dass die Schülerzahlen weit unter den Prognosen von vor sechs Jahren liegen: Am Gymnasium Weilheim gab es beispielsweise zu Schuljahresbeginn 1292 Schüler – 123 weniger, als prognostiziert. Laut Beate Sitek, der Leiterin des Weilheimer Gymnasiums, ist das Platzangebot schon allein wegen des demografischen Wandels kein Problem am Weilheimer Gymnasium. Kerscher sieht das Thema jedoch skeptisch. Laut ihm müssten in Penzberg zusätzliche Klassenzimmer entstehen. Und man stünde vor dem Dilemma: große Klassen und mehr Zusatzangebote oder kleine Klassen, aber dafür keine Zusatzangebote?

Laut ihm ist in vielen Familien Schule seit der Einführung des G8 zum Dauerthema geworden. Sowohl die Schüler- als auch die Elternschaft sei „sehr geteilter Meinung“, was die unterschiedlichen Schulsysteme angeht. Am Gymnasium Weilheim liegt der Anteil der Eltern, die das G9 befürworten, laut Sitek bei etwa 80 Prozent. Kerscher ist aber der Meinung, die gesellschaftliche Diskussion ist zu einfältig. Zu wenig werde auf die Lehr-Inhalte geachtet, vielmehr würde die Diskussion auf die Dauer der Schulzeit reduziert. Zudem müsse sie mehr bei den Grundschuleltern stattfinden, da eine System-Umstellung vor allem diese, beziehungsweise deren Kinder, betreffe.

Ein paralleles Angebot beider Schulsysteme sehen weder Kerscher noch Sitek: „Das können wir nicht bewältigen, dafür ist der organisatorische Aufwand zu hoch“, sagt Kerscher. Es würde bedeuten, dass aus zwei „Zweigen“ plötzlich vier würden. Keine einfache Aufgabe – sowohl räumlich als auch was den Stundenplan angeht. Sitek: „Das ist nicht zu schaffen, ohne dass man Vielfalt einbüßt.“ Stattdessen könne sie sich eine „Überholspur“ vorstellen, auf der man Zusatzstunden in Anspruch nimmt und etwa die 11. Klasse überspringt. Beispielsweise für diejenigen, die ein Auslandsjahr anhängen wollen.

Auch mehr Lehrerstellen sollen mit der Einführung des G9 geschaffen werden. Wobei dies laut Kerscher mehr eine Frage des Geldes als der Lehrkräfte sei. „Es gibt so viele hervorragend ausgebildete Lehrer“, die oftmals ins Ausland gehen müssten, um irgendwo unterzukommen.

Er selbst ist ein Anhänger des G9: „Das macht Zusatzangebote möglich, und dadurch gestaltet sich das Zusammenleben in der Schule intensiver.“. Das G8 habe aber auch Positives mit sich gebracht. Die Schulen in Bayern hätten sich über die Jahre mehr zu einer Art Ganztagsschule hin entwickelt. Das sei für Zusatzangebote von Vorteil. „Schule ist, glaube ich, mehr als nur pauken“, sagt er.

Auch Sitek findet daran Gefallen: „Durch das G8 mussten sich die Schulen bewegen, es gab einen enormen Innovationsschub. Dadurch haben wir jetzt beispielsweise Intensivierungsstunden und die P-Seminare.“ Sie betont, dass bei der Wiedereinführung des G9 wichtig sei, die zusätzliche Zeit dann auch zu nutzen, um die Qualität des Unterrichts zu steigern – zum Beispiel mit mehr Literatur, Philosophieren und Charakterstudien. Somit käme nicht etwa das alte G9, sondern ein wieder anderes System, ein „neues G9“.

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