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Heiner Putzier kocht leidenschaftlich gern, die Aufgabe sei daher „eine Steilvorlage“ gewesen, sagt der Direktkandidat der neuen Mut-Partei. Viel Hilfe benötigte der 65-Jährige deshalb nicht, auch wenn Redakteur Christoph Peters natürlich gern zur Hand ging, um die frischen Zutaten aus dem heimischen Garten zu verarbeiten.

Landtagswahl 2018

Kochen mit MUT-Kandidat Heiner Putzier: „Essen ist ein politischer Akt“

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Heiner Putzier (Mut).

Weilheim – „Willkommen im schiefen Haus von Unterhausen“, sagt Heiner Putzier und grinst. Barfuß steht der 65-Jährige in der Eingangstür. Kurze Hose, kurzes Hemd. Passend zum heißen Sommertag. Was er mit seiner Begrüßung meint, wird erst im Inneren klar. Die lange Glasfront im großen Koch-Ess- und Wohnbereich ragt schief in die Höhe – ein architektonischer Kniff, um oben mehr Wohnraum zu erhalten.

2005 zog Putzier mit seiner zweiten Frau Ingeborg Bias-Putzier von Riederau nach Weilheim, die Patchwork-Familie verwirklichte hier ihren Traum vom eigenen Holzhaus. Der Nachwuchs – er brachte vier Kinder in die Ehe mit, sie zwei – ist mittlerweile ausgezogen, lebt sein eigenes Leben. Still geworden ist es im schiefen Haus deshalb aber nicht. „Meine Frau und ich pflegen eine ausgeprägte politische Diskussionskultur“, verrät Putzier. Reden statt fernsehen, am liebsten beim Kochen – „unsere gemeinsame Leidenschaft“.

Der 65-Jährige steht an der großen Kochinsel, schneidet Zwiebel in kleine Stücke. Vor ihm liegt ein farbenfrohes Arrangement verschiedenster Gemüsesorten. Kürbis, Tomaten, Zucchini: Fast alles, was Putzier an diesem Abend zubereitet, stammt aus dem eigenen Garten oder vom Sonnenacker. Woher Lebensmittel kommen, ist dem 65-Jährigen wichtig. „Essen ist ein politischer Akt“, sagt der Weilheimer, der seit langem Slow-Food-Aktivist ist, sich für regionale Produkte einsetzt.

Immer wieder hält er inne, gestikuliert, das Thema ist dem ehemaligen Vertriebsmanager, der für einen international agierenden Konzern über 30 Jahre Geschäfte mit allen großen Lebensmittel-Einzelhändlern machte, wichtig. Die Globalisierung habe in der Landwirtschaft zu negativen Entwicklungen geführt, etwa zur Massentierhaltung oder zum Anbau zur Energieproduktion.

Heiner Putzier tritt für die neue „MUT“-Partei an

Mittlerweile ist der Kürbis im Topf gelandet, köchelt für die Suppe leise vor sich hin. Dazu kommen Äpfel, Chili und Kokosraspeln. Putziers Frau hilft derweil bei der Zubereitung der Gries-Gnocchi für den Hauptgang aus. „Sonst wird das heute nichts mehr mit dem Essen“, lacht sie. Man merkt, ihr Mann und sie sind am Herd ein eingespieltes Team.

Ingeborg Bias-Putzier (59) war es auch, die den 65-jährigen im vergangenen Jahr auf die neue „Mut“-Partei von Claudia Stamm aufmerksam machte. Mehr soziale Gerechtigkeit, eine menschenwürdige Asylpolitik und ökologische Nachhaltigkeit hat diese sich auf die Fahnen geschrieben – Themen, mit denen sich Heiner Putzier identifizieren kann. „,Mut’ will radikale Veränderung, und das brauchen wir.“ Bei den ersten Stammtischen in München wuchs der Gedanke, sich für die Partei zu engagieren.

Erst als Mitglied, seit dem Frühjahr als Direktkandidat. „Mut“, so ist er überzeugt, biete eine echte Alternative zu den großen Parteien, die die drängenden Aufgaben „nicht so voran gebracht haben, wie es nötig wäre.“

Putzier richtet die Vorspeise her, schneidet gelbe Bete in Scheiben. Er deutet auf ein Schild, das an der Wand hängt. „Wenn ich alt bin, werd’ ich nur noch nörgeln – das wird ein Spaß“ steht da. Es ist eine Mahnung. Nur meckern helfe nicht. „Es braucht Beispiele, die das, was geändert werden muss, vorleben.“ Jeder könne etwas bewegen, davon ist der 65-jährige Betriebswirt überzeugt. „Es ist falsch zu sagen, wenn nur wir hier etwas ändern, bringt es nichts.“ Anpacken statt nur reden, das gilt für die Putziers auch in Sachen „Flüchtlinge“. Beide engagieren sich für die Asylhilfe, ein Senegalese wohnt bei ihnen. „Praktizierte Integration“ nennt das Putzier, der für ein Umdenken in der Asyl-Politik kämpft.

Nach zweieinhalb Stunden ist das Vier-Gänge-Menü inklusive Pfirsich-Creme als Nachtisch vollendet, ein herrlicher Duft erfüllt das schiefe Haus. Der Hausherr bittet zu Tisch. Was er mache, wenn es nichts werde mit dem Einzug in den Landtag? Heiner Putzier sieht es entspannt. „Es geht um die Sache und nicht um die Person.“ Für die Sache will er auch in Zukunft weiter mutig kämpfen.

Warum sich die Wohnorte der Stimmkreiskandidaten so ungleichmäßig im Landkreis verteilen, lesen Sie hier

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt: 

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Dominik Streit (SPD)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Susann Enders (Freie Wähler)

Martin Zeil (FDP)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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