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Keine Berührungsängste durften Gastgeber Dominik Streit (r.) und Autor Andreas Baar beim Kochen in der kleinen Küche haben.

Landtagswahl 2018

Am Herd mit Dominik Streit (SPD): Politik mit „Paula“ und „Parzifal“

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Dominik Streit (SPD).

Weilheim – Der Gastgeber entschuldigt sich vorsorglich. Die Räumlichkeit sei etwas beengt, meint Dominik Streit und tritt zur Seite. Der SPD-Landtagskandidat hat nicht unrecht. Die Küche der Wohnung in dem Weilheimer Mehrfamilienhaus als groß zu bezeichnen, wäre eine Übertreibung. Reicht aber völlig aus, wie sich zeigt. Streit hat sich für Schweinefilet im Blätterteigmantel und Ofen-Gemüse entschieden, garniert mit einer Gorgonzola-Soße. Gewürzt mit Thymian, Olivenöl, Salz und Pfeffer. „Ein bayerisch-mediterranes Crossover“ nennt es der 35-Jährige schmunzelnd.

Streits Leidenschaft für Europas Süden zeigt sich an den Postkarten im Flur. Die Toskana wetteifert mit Hunde-Motiven um die Gunst des Betrachters. Der Hund erklärt sich mit „Paula“, dem Parson-Russel-Terrier, der seit drei Jahren zur Familie von Dominik Streit und seinem Ehemann gehören. Das mit der italienischen Postkartenidylle ist eine persönliche Sache: Er sei schon „ein bisserl italophil“, sagt Streit, als es an das Schneiden von Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten geht. „Ich mag einfach das Essen, die Sprache, überhaupt das Leben dort.“ Alljährlich geht es mit Mann, Hund und Schwiegerfamilie zum Urlaub an den Gardasee. Heuer fiel die Reise für den 35-Jährigen jedoch kürzer aus – der Wahlkampf rief.

Landtagskandidat Dominik Streit (SPD) hat gerade seine Doktorarbeit abgegeben

Streit träufelt Olivenöl über das Gemüse. Die Flasche ist natürlich eine Errungenschaft aus Italien, genauso wie die neue Schürze. „Ich trage immer eine in der Küche.“ Der kleine Raum, das ist Streits Reich im Haushalt. „Meine Mutter hat uns alle so erzogen, dass wir kochen können.“ Sein Mann, mit dem er erst verpartnert und seit Februar verheiratet ist, sei mehr der Experte für schmackhafte Pizza.

Bei all den politischen Aktivitäten bleibt dem studierten Germanisten allerdings wenig Zeit für die Literatur und seinen Leseplatz im Wohnzimmer.

Das Gemüse kommt in den Ofen. Streit brät das Fleisch kurz in der Pfanne an, wickelt es in den mit Speck ausgelegten Blätterteig und schiebt alles in den Ofen. Zeit, um weiter über seine Familie zu sprechen. Die Verbundenheit ist ihm wichtig. Fotos mit Geschwistern und Eltern stehen auf dem Bücherschrank im Wohnzimmer. Aufgewachsen ist er in ländlicher Idylle in Oberbrunn bei Gauting, danach Studium der Germanistik sowie Deutsch und Sozialkunde auf Gymnasiallehramt in München. Die Doktorarbeit über die mittelhochdeutsche Dietrich-Epik ist abgegeben, das Promotionsverfahren für den Titel läuft. Zur Zeit arbeitet Streit im Servicecenter einer Starnberger Bank, die flexiblen Arbeitszeiten tun seinem Wahlkampf gut.

Landtagskandidat Dominik Streit (SPD) leidet manchmal unter seiner Partei

Seit elf Jahren ist er Mitglied in der SPD. Auch so eine Familiensache. Der Vater war Gewerkschafter, der Opa arbeitete auf dem Bau. Streit machte schnell Karriere im Landkreis. Seit 2016 Ortsvorsitzender in Weilheim, mittlerweile auch Kreischef, im Bezirksvorstand, nun Landtagskandidat. Für den Bundestag wollte er nicht kandidieren, er steckte mitten in der Promotion. Außerdem, gibt er zu: „Das ist ein verlorener Kampf.“ Energie und Verkehr sind Themen, die ihm etwas bedeuten. Streit, der Helmut-Schmidt-Fan, leidet aber manchmal unter seiner Partei. Er sähe so gern Alternativen, gerade bei der Sozial- und Pflegepolitik. „Ich würde mir manchmal mehr Mut wünschen.“ Bei allen Gegensätzen im Politgeschäft hat der 35-Jährige jedoch eine Maxime: „Man muss anständig miteinander umgehen.“ Für ihn war es selbstverständlich, in Peiting gegen die AfD zu demonstrieren.

Aus dem Ofen strömt ein herzhafter Duft. Eine Flasche Pinot Grigio wird geöffnet. „Rosenthal“-Teller kommen auf den Esstisch. Die „Maria“-Serie. Gutes Porzellan von der Großmutter. „Das nehme ich aber jeden Tag“, sagt der Gastgeber. Und wenn es nicht klappt mit dem Maximilianeum? Der SPD-Kandidat kann sich eine Arbeit im universitären oder wissenschaftlichen Bereich vorstellen. Dominik Streit ist aber auf den Landtags-Geschmack gekommen. Er war Probesitzen im Plenum. Im Juli ging es mit der Fraktion in die heiligen Hallen. „Die Stühle sind extrem bequem. Man könnte sich daran gewöhnen“, lacht er. Vor allem der rote Bezug hat ihm gefallen.

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Susann Enders (Freie Wähler)

Martin Zeil (FDP)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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