+
Naturbewusst: Carsten Pfuhl vor seinem Apfelbaum.

Landtagswahl 2018

Carsten Pfuhl (Piraten) im Portrait: Kürbis-Linsencurry auf Piratenart

  • schließen

Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Daher haben wir die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim gebeten, für uns zu kochen.

Weilheim – Als Carsten Pfuhl die Tür zu seinem Haus im Weilheimer Norden öffnet, fällt sofort sein leuchtend orangenes Poloshirt auf. Die Logo-Farbe der Partei, für die er in den Bayerischen Landtag will: die Piraten. Über eine enge Holztreppe geht es in den ersten Stock. Erst vor circa zwei Jahren haben Pfuhl und seine Verlobte Carolina das Obergeschoss ihres Elternhauses ausgebaut. Sie wartet bereits mit der gemeinsamen Tochter im Flur.

Im Garten baut die Familie Obst und Gemüse an, Äpfel, Kohlrabi und Kürbisse. Zwei davon hat Pfuhl heute geerntet. Er möchte ein Kürbis-Linsen-Curry kochen. Mit Reis. Der schmeckt auch seiner fast zweijährigen Tochter.

Tochter soll selbst entscheiden, was über sie im Internet steht

Ihren Namen will er lieber nicht verraten. „Sie soll später selbst entscheiden, was über sie im Internet steht“, erklärt Pfuhl. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte sind ihm wichtig. „Das waren auch Gründe, warum ich mich den Piraten angeschlossen habe“, sagt Carsten Pfuhl mit ruhiger Stimme.

Mit einer Tasse werden zunächst Reis und Linsen abgemessen. Während Pfuhls Freundin auf ihrem Handy das Rezept sucht, erzählt Carsten Pfuhl weiter, wie er zu den Piraten gekommen ist. „Ich dachte, ich kann nicht nur daheim meckern.“ Deswegen las er die Programme aller Parteien durch. „Bei den Piraten habe ich viele meiner Interessen wiedergefunden“. Beim Stammtisch der Partei fühlte er sich gleich wohl und trat der Partei im Jahr 2009 bei. Die Piraten wurden zu dieser Zeit immer stärker, konnten sogar in mehrere Landtage einziehen. Seitdem ist es um die Partei allerdings ruhig geworden.

Plädoyer für „vernünftige Politik“

„Die Piraten wollen Transparenz schaffen, die Bürger bei Entscheidungen öfter einbeziehen und sehen sich als internationale Bewegung“, erklärt Pfuhl. Er überlegt sich seine Worte genau, holt oft lange aus.

Außerdem plädiert er für eine „vernünftige Politik“. Nicht jeder könne sich mit allen Themen auskennen. Zum Beispiel bei der Digitalisierung. „Dann muss man sich die Expertise holen und auf andere vertrauen, statt danach zu entscheiden, welche Partei etwas vorgeschlagen hat“, sagt er und rückt sich seine Brille zurecht.

Vergleich zu anderen Kulturen ist wichtig

Pfuhl schnippelt das Gemüse. Bei den Kürbissen wird der Strunk abgeschnitten, dann werden die Kerne entfernt und das Gemüse in Würfel geschnitten. Seine Freundin Carolina brät es im Topf scharf an. Carsten Pfuhl ist in München aufgewachsen, erzählt er. Später hat er dort an der LMU studiert: Japanologie und Geschichte. „In der Schule ging es vor allem um die Zeit des Zweiten Weltkriegs – völlig berechtigt natürlich“, sagt Pfuhl. Aber er wollte auch wissen, was in anderen Ländern passiert ist, vor allem in Asien. „Es ist wichtig, dass man den Vergleich zu anderen Kulturen hat und aus der Geschichte lernt. Und dann eigene, gesellschaftliche Entwicklungen reflektiert“, meint Pfuhl, während das Curry langsam vor sich hin köchelt. Carolina rührt immer wieder um. Seine Verlobte hat Pfuhl an der Universität kennengelernt. Als sie schwanger war, zogen die beiden nach Weilheim. Pfuhl pendelt seitdem jeden Tag nach Herrsching. Dort arbeitet er mittlerweile als Steuerfachangestellter.

In den letzten Tagen hatte er allerdings Urlaub. Mit Freundin und Tochter war er im Frankenwald und hat sich die Festung Rosenberg in Kronach angeschaut. Auch im Landkreis Weilheim-Schongau gefallen ihm die historischen Städte. „Ein alter Stadtkern gibt einem Ort Charakter. Weilheim hat durch die Stadtmauer ein ganz eigenes Gesicht.“ Kochen zählt hingegen nicht zu Carsten Pfuhls Hobbys. Er ist froh, dass ihn heute seine Freundin unterstützt. Die serviert mittlerweile das Curry in bunten Schalen.

Pfuhl verbringt seine Freizeit lieber am Computer mit freier Software. Oder der sogenannten OpenStreetMap. Eine digitale Straßenkarte, in die Nutzer zum Beispiel Geschäfte, öffentliche Toiletten oder Parkbänke eintragen. „Je mehr Leute sich daran beteiligen, desto genauer wird sie“. Eine starke Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg wünscht sich Pfuhl auch im Bayerischen Landtag.

Lesen Sie hier: So verteilen sich die Direktkandidaten geographisch

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Susann Enders (Freie Wähler)

Martin Zeil (FDP)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Huglfing verzichtet auf Böller-Verbot
Silvester-Feuerwerke werden vielerorts kritisch gesehen. Die Gemeinde Huglfing verzichtet auf ein Verbot. Stattdessen wird an die Bürger appelliert, die Knallerei sein …
Huglfing verzichtet auf Böller-Verbot
Ein Neuling führt die SPD-Liste in Hohenpeißenberg an
Auch die Hohenpeißenberger SPD verzichtet darauf, für die Kommunalwahl im März 2020 einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. In den Gemeinderat wollen die …
Ein Neuling führt die SPD-Liste in Hohenpeißenberg an
E-Bike-Akku kokelte Holzkästchen an – Bewohnerin verhinderte Schlimmeres
Ein E-Bike-Akku hatte am Mittwochmittag fast einen Brand in einem Mehrfamilienhaus ausgelöst. Die Feuerwehr Penzberg konnte Schlimmeres verhindern. 
E-Bike-Akku kokelte Holzkästchen an – Bewohnerin verhinderte Schlimmeres
Stadtrat kann sich „Chillout“-Areal für Kinderhaus vorstellen - und macht ersten Schritt
Der Bau des neuen Kinderhauses auf dem „Chillout“-Areal wird ein Stück wahrscheinlicher. Der Stadtrat wollte sich am Dienstagabend zwar noch nicht auf den Standort …
Stadtrat kann sich „Chillout“-Areal für Kinderhaus vorstellen - und macht ersten Schritt

Kommentare