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Als das Gemüse im Ofen ist, gibt die 26-Jährige eine kleine Wohnungsführung. Dabei zeigt sie einige Fotografien, die sie mit ihrer Spiegelreflexkamera gemacht hat. Ein Bild, das auf einer Reise durch Neuseeland entstanden ist, hat sie sich auf Leinwand drucken lassen.

Landtagswahl 2018

Am Herd mit Maike Seewald (V-Partei³): Veganer Riesling zur „Ufo-Zucchini“

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Maike Seewald (V-Partei³).

WeilheimGurke und Radieschen, Rote Beete und Champignons: Auf Maike Seewalds Schneidbrett liegt eine farbenfrohe Gemüsemischung. „Ich kaufe meistens im Biomarkt ein. Gemüse hole ich auch gern von den Sonnenäckern“, erklärt die 26-Jährige, während sie eine Peperoni in kleine Stückchen zerhackt. Die Schote soll den mit Reis, Linsen und Gemüse gefüllten „Ufo-Zucchini“ die nötige Schärfe verleihen. Dazu gibt es einen bunten Salat und Vollkornbrot.

Nicht nur saisonal und regional sollten die Zutaten, die in ihrer Küche landen, sein – sondern auch vegan. Seit 2013 verzichtet Seewald auf sämtliche tierischen Produkte. „Wenn man Bilder von Tieren in Massentierhaltung sieht, verstehe ich nicht, wie man nicht handeln kann“, sagt sie. Handeln, das hieß für sie irgendwann nicht mehr nur, Fleisch, Milch oder Eier aus ihrer Wohnung in der Weilheimer Innenstadt zu verbannen, sondern auch, sich politisch zu engagieren. In der 2016 gegründeten V-Partei³ – in der Langform „Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“ – fand sie Gleichgesinnte. Nicht nur der Kampf für Tierrechte und die Umstellung auf biovegane Landwirtschaft, sondern auch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens wird gefordert. Sich selbst bezeichnet sich die Partei als „hellgrün“.

Landtagskandidatin Maike Seewald (V-Partei³): Für den Beruf ging es nach Weilheim

„Ich finde es schön, bei einer jungen Partei Verantwortung zu übernehmen. Auch, wenn das zusätzlich zu einer 40-Stunden-Woche schon anstrengend sein kann“, sagt die 26-Jährige, während sie die Linsen-Reis-Mischung in der Pfanne anbrät und mit Tomatenmark abschmeckt. Seewald, die aus Kaufering stammt und schon in Murnau und Peißenberg lebte, arbeitet als Bürokauffrau bei „Abele Haustechnik“. Für den Beruf zog sie nach Weilheim.

Ob sie auch an ihrem Arbeitsplatz mit ihrer alternativen Lebensweise überzeugen kann? „Ich arbeite in einem Handwerksbetrieb“, meint sie lachend und ergänzt: „Natürlich hat man als Veganer utopische Vorstellungen von einer perfekten Welt. Aber nicht jeder muss mit uns bis zum Ende mitgehen.“

Landtagskandidatin Maike Seewald (V-Partei³): „Dumpingpreise für Fleisch und Milch sind eine Frechheit“

Generell sei sie sich im Klaren, dass sie mit ihren Einstellungen manchmal anecken würde. „Mir geht es nicht darum, Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt sie, „doch Fleischesser fühlen sich schnell angegriffen.“ Dass gerade Landwirte das Gefühl hätten, von der V-Partei³ als „Feind“ gesehen zu werden, findet sie schade: „Es ist Wahnsinn, was die Bauern leisten. Gerade deshalb sind die Dumpingpreise für Fleisch und Milch eine Frechheit.“ Im Privaten ist es Seewald wichtig, gleiche Überzeugungen zu teilen. Schnitzel braten in ihrer Küche? Ein No-Go. „In einer Beziehung würde ich mir wünschen, dass mein Partner sich mit meinen Sichtweisen identifiziert“, sagt sie. 

Umweltbewusst zu leben, das heißt für Seewald nicht nur, sich vegan zu ernähren. Auch der Verzicht auf Plastikverpackungen gehört für sie dazu. Brot, aber auch Champignons oder Tomaten verpackt sie in Stoffbeuteln, im Badezimmer gibt es „Haarseife“ am Stück statt Shampoo in der Plastikflasche. Vor kurzem ist sie auf ökologisches Waschmittel umgestiegen. „Vielleicht sind die Farben dann eben nicht ganz so strahlend wie bei herkömmlichen Waschmittel. Aber ich kann damit leben, dass nicht immer alles perfekt aussieht“, sagt sie.

Bei Landtagskandidatin Maike Seewald (V-Partei³) ist auch der Wein vegan

Als die Zucchinis befüllt und in den Ofen geschoben wurden, öffnet Seewald eine Flasche Riesling. Auch der ist vegan, statt wie oftmals mit Gelatine geklärt. „Ich habe ein Faible für deutschen Wein“, meint sie lachend und schenkt in ein grünes und ein blaues Weinglas ein. Ein großer Teil ihres Geschirrs kommt vom Flohmarkt.

Auch wenn es mit der großen Politik klappt, möchte sie ihren Lebensstil beibehalten. Erst einmal muss sich zeigen, ob die Partei bei der Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde knacken wird. Für Seewald wäre das ein bereits ein großer Erfolg. „Man muss in den Dimensionen denken, die man hat“, meint sie.

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Susann Enders (Freie Wähler)

Martin Zeil (FDP)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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