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Mit seinem Motorrad fährt Rolf Podlewski samt Anhänger fast täglich durch den Landkreis, um Wahlplakate aufzustellen. „Eine Mordsgaudi, bei der man mit vielen Menschen ins Gespräch kommt.“

Landtagswahl 2018

Gulasch kochen mit Rolf Podlewski (Die Linke): „Das soziale Miteinander“ soll im Vordergrund stehen

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Rolf Podlewski (Die Linke).

Penzberg – Genug ist genug, dachte sich Rolf Podlewski (63). Irgendwann müsse man „den Großkopferten“ einmal klar machen, wo die Grenzen sind. Also ab nach Berlin. Aufbegehren, Kante zeigen, laut sein. Gemeinsam mit seiner Frau und rund 70.000 Mitstreitern demonstrierte er einen Tag lang gegen das Freihandelsabkommen TTIP.

Ein Erlebnis, das Podlewski geprägt hat. „Es hat sich richtig angefühlt, seine Stimme zu erheben“, sagt er, während er am Gartentisch seines Penzberger Hauses sitzt und geduldig Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Tomaten, Paprika und allerlei Gewürze in kleine Teile schnippelt. Im Hintergrund köchelt das Rindfleisch bereits über einer offenen Feuerstelle im ungarischen Gulaschtopf.

Landtagskandidat Rolf Podlewski (Die Linke) war mal bei den Grünen

Nur wenige Monate nach der Demo in Berlin, im Februar 2017, unterzeichnet Podlewski einen Mitgliedsantrag bei der Linkspartei. Kurz vor dem Eintritt in die Rente war das politische Feuer des – mittlerweile ehemaligen – IT-Beraters für Unternehmen auf der ganzen Welt entfacht. Statt seine Energie für den Profit von Anteilseignern und Firmenchefs einzusetzen, strebt er nun nach einer gerechteren Gesellschaft, „in der das soziale Miteinander im Vordergrund steht“. Er betont: „Ich will endlich etwas Vernünftiges tun.“

Urig ging es zu beim Kochen mit Landtagskandidat Rolf Podlewski (r.). Gemeinsam mit Autor Simon Nutzinger bereitete er Rindfleisch-Gulasch zu – stilecht im original ungarischen Topf über offenem Feuer. Mit Zutaten hatte der Penzberger, der für Die Linke um Stimmen kämpft, nicht gespart. Die Menge hätte wohl auch für zehn Gäste gereicht. Doch sei’s drum. Podlewski hat das restliche Gulasch einfach abgefüllt und konserviert. „So bin ich für die nächste Zeit schon mal versorgt.“

Ein unpolitischer Mensch war Podlewski auch davor nicht. Mitte der 1980er war er gar für ein paar Jahre Mitglied bei den Grünen. Doch als aus den einst so rebellischen Öko-Aktivisten ihm zufolge immer mehr profillose Mitläufer wurden, wuchs der Frust des jungen Podlewski. Er wandte sich ab – und sagt heute: „Das ist nur noch eine grünlackierte FDP.“

Dass er sich wieder mit einer Partei identifizieren kann, hat viel mit Sahra Wagenknecht zu tun. Die Frontfrau der Linken schätzt Podlewski sehr. „Eine hochintelligente Frau. Ihr vertraue ich.“ Sie und ihre Kollegen von der Parteispitze sind es auch, für die der gebürtige Münchner, der 1991 nach Penzberg kam, in den Wahlkampf zieht. Er sieht sich als helfende Hand, als Sackträger. „Ein paar unserer Führungsleute in den Landtag zu bekommen.“ Darum gehe es. Selbst einen Platz im Maximilianeum zu ergattern – für Podlewski utopisch. „Da bin ich Realist.“

Ein Klischee-Linker ist Landtagskandidat Rolf Podlewski nicht

Die zerkleinerten Zutaten schmoren inzwischen mit dem Rindfleisch um die Wette. Es brodelt im Gulaschtopf. Ein kurzer, prüfender Blick Podlewskis. „A bisserl braucht’s noch.“ Gut Ding will Weile haben.

Bei aller Treue zu Wagenknecht und Co. – ein Klischee-Linker ist Podlewski nicht. Angefangen von der beruflichen Vergangenheit bis zu seinem schmucken Häuschen in Penzberg. Gutbürgerlicher geht kaum. Diese Erfahrung machte Podlewski auch auf dem ersten bundesweiten Parteitag, an dem er teilnahm. Nach kurzem Small-Talk mit einer linken Mitstreiterin war es mit der gegenseitigen Sympathie schnell vorbei. „Ihr Bonzen in euren Villen gehört alle enteignet“, raunzte sie ihm entgegen. Das saß. Doch Podlewski ließ sich nicht beirren. „So denken nur die Allerwenigsten“, betont er. Und überhaupt: Von extremen Ansichten halte er nichts – „egal ob von rechts oder links“.

Podlewskis große Leidenschaft hat er in seiner Gartenhütte geparkt: ein schwarzes Motorrad mit Beiwagen, Marke: Ural, Baujahr: 2010 – „ein echtes Prachtstück“. Erst kürzlich cruiste Podlewski mit seinen engsten Freunden durch Osteuropa. Kopf frei kriegen vor dem Wahl-Chaos samt Plakatieren, Kundgebungen und Vorlesungen. „Das war schon immer meine Art, Kraft zu tanken.“

Was jeder Einzelne kraft seiner Stimme erreichen kann, hat ihm damals die Demo in Berlin gezeigt. TTIP kam nicht. „Ein Riesenerfolg“, sagt Podlewski. Möglich sei vieles. Nur unterkriegen dürfe man sich nicht lassen. Zur rechten Zeit aufbegehren eben. Kante zeigen, laut sein.

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt: 

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Martin Zeil (FDP)

Susann Enders (Freie Wähler)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Rüdiger Imgart (AfD)

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