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Kein Auge für den herrlichen Bergblick hatten AfD-Stimmkreiskandidat Rüdiger Imgart und Tagblatt-Redaktionsleiter Boris Forstner – sie mussten sich darauf konzetrieren, sich nicht die Finger zu verbrennen. 

Landtagswahl 2018

Am Grill mit Rüdiger Imgart (AfD): Schweinswürstl vor der Jagdhütte

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Rüdiger Imgart (AfD).

Weilheim – Ausgebeulte Jeans, Wanderstiefel, kariertes hochgekrempeltes Hemd – Rüdiger Imgart schaut weder aus wie ein Rechtsanwalt noch wie ein Kandidat für die Landtagswahl, sondern eher wie ein Waldarbeiter. Und das ist er an diesem Tag auch. Ganz abgesehen davon, dass er am liebsten Förster gerworden wäre, dann aber doch in die juristischen Fußstapfen von Vater und Großvater getreten ist, geht’s nämlich in den Wald: Grillen an der Jagdhütte ist angesagt.

Landtagskandidat Rüdiger Imgart (AfD): Seine Privatsphäre ist ihm wichtig

Nicht, dass er nicht kochen könnte: „Als ältester von sechs Kindern musste ich schon früh auch für meine Geschwister Verantwortung tragen“, sagt der 62-Jährige. Aber seine Privatsphäre ist ihm wichtig, deshalb geht es nicht zu ihm nach Hause, sondern mit seinem 30 Jahre alten Jeep scheppernd in den Hardt bei Weilheim. Dort packt Imgart Würstl, Speck, Käse und einen selbstgemachten Kartoffelsalat aus sowie alkoholfreies Bier („ich trinke seit Jahren keinen Alkohol mehr“). Während er trockene Stecken sucht, knackend am Knie auseinanderbricht und in die Grillschale stapelt, erzählt er, wie er früher bei großen Wirtschaftsunternehmen gearbeitet hatte und 1997 nach Weilheim kam, dass er drei erwachsene Kinder und einen sechsjährigen Nachzügler hat sowie geschieden ist.

Landtagskandidat Rüdiger Imgart (AfD): „Mein Ruf ist jetzt ruiniert.“

Doch die große politische Frage ist: Wie kam er zur AfD? Schließlich ist Imgart ein Mitglied der ersten Stunde, trat schon im März 2013 bei, noch vor der offiziellen Gründung. „Ich war mal vier Jahre lang auch Mitglied der CSU, aber sind mir zu viele Dinge aufgefallen, die nicht so gut gelaufen sind“, sagt Imgart. Als er aber den damaligen AfD-Chef Bernd Lucke über den Euro habe schimpfen hören, „habe ich gedacht: Bingo, endlich sagt ein Politiker mal etwas dazu. Da wollte ich mitmachen.“

Das sei am Anfang schwer gewesen, sagt Imgart, während das Feuer in der untergehenden Sonne prasselt. Im Landkreis mussten alle Strukturen aus dem Nichts aufgebaut werden. Imgart fuhr auf Landes- und Bundesparteitage, „das war ein Panoptikum besonderer Typen. Es hatte wegen der vielen kuriosen Vögel Ähnlichkeit mit den frühen Grünen-Parteitagen.“ Als es schließlich an die Suche für einen Landtagskandidaten ging, sei er von den Parteikollegen gefragt worden, ob er nicht für den Stimmkreis Weilheim antreten wolle. „Ich habe gesagt, einmal mache ich das mit. Mein Ruf ist jetzt ruiniert, aber das kann ich mir erlauben, auch finanziell“, sagt Imgart trocken.

Landtagskandidat Rüdiger Imgart (AfD) steht fest im Höcke-Flügel

Bislang hatte er nach eigenen Angaben noch keinen großen Gedanken an einen tatsächlichen Einzug in den Landtag verschwendet, doch seit einigen Wochen hat er realisiert, dass er im reifen Alter noch zum Berufspolitiker werden könnte. „Das beschäftigt mich schon: Was ich dort mache, wenn es wirklich reicht“, gibt Imgart zu. Zum Glück sei man nicht in der Gefahr, Regierungsverantwortung übernehmen zu müssen. „Es ist schon eine Herausforderung, die Opposition professionell zu führen. Meine Kollegen in Berlin machen das sehr gut“, lobt er Alexander Gauland & Co. In den verschiedenen Strömungen der Partei steht Imgart fest im Höcke-Flügel.

Im Grillrost hält der 62-Jährige die Schweinswürstl über die Glut, doch das ist ohne feste Vorrichtung gar nicht so einfach – schnell verbrennt man sich die Finger oder hat nur einseitig braune Würstl. Doch Imgart zeigt Geduld, und irgendwann kommt auch er zum Biertisch, an dem sich der Autor dieser Zeilen und der Fotograf bereits die Käseknacker schmecken lassen, die eine deutlich kürzere Grillzeit haben.

Beim Essen verrät Imgart noch die für ihn wichtigsten politischen Themen, die ihn beschäftigen, und zwar neben der Asylpolitik die seiner Meinung nach negative Entwicklung Deutschlands und Europas sowie die fatale Null-Zins-Politik. Ob er da nicht im Bundestag oder bei der EU besser aufgehoben wäre als im Landtag, wo man kaum mitentscheiden könne? „Man hat dort mehr Möglichkeiten, als viele denken“, antwortet Imgart bestimmt. Als kleine Oppositionspartei sei man immer in den Themen drin, „und wir bekommen eine Plattform, um in den Parlamenten für Änderungen zu kämpfen.“

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Martin Zeil (FDP)

Susann Enders (Freie Wähler)

Maike Seewald (V-Partei³)

Maiken Winter (ÖDP)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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