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Susann Enders ist Landtagskandidatin der Freien Wähler.

Landtagswahl 2018

Am Herd mit Susann Enders (Freie Wähler): Mit Volldampf in die Politik

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Beim Essen lernt man die Menschen gut kennen, heißt es. Das haben wir uns zu Herzen genommen und die zwölf Direktkandidaten für die Landtagswahl aus dem Stimmkreis Weilheim eingeladen, für uns zu kochen. Heute: Susann Enders (Freie Wähler).

Weilheim – Die Küche, in der Susann Enders schon gleichermaßen locker wie konzentriert zugange ist, als der Reporter kommt, ist keine Showküche. Hier glänzt nicht teurer Schnickschnack fürs neueste Trend-Cooking; hier findet sich, was man halt wirklich braucht, wenn man oft, alltagstauglich und eher bodenständig kocht. Weil zum Beispiel jeden Mittag zwei Kinder, 13 und 17 Jahre alt, aus der Schule kommen, also hurtig akute Hungergefühle zu bekämpfen sind. Da dürfen die Kartoffelknödel dann auch mal aus der Fertigteigtüte kommen und das Blaukraut aus dem Glas – so wie heute. „Knödel mach ich eigentlich auch gern selber“, versichert Enders: „Wenn die Zeit da ist...“.

Landtagskandidatin Susann Enders (Freie Wähler) macht Schweinebraten mit Dunkelbiersauce

In diesen Wochen ist Zeit allerdings knapp bei der 51- Jährigen, die erst seit sieben Jahren bei den Freien Wählern (FW) aktiv ist – seitdem aber mit Volldampf, neben der Familienarbeit und ihrer Teilzeitstelle als OP-Schwester in der Unfallklinik Murnau: 2014 wurde sie in den Weilheimer Stadtrat und in den Kreistag gewählt, seit 2016 ist sie stellvertretende Bezirksvorsitzende der FW Oberbayern, seit 2017 Kreisvorsitzende, zudem bringt sie Erfahrung aus fast drei Jahrzehnten Klinik-Arbeit im Landes- und im Bundesfachausschuss „Gesundheit“ ein. Und nun ist sie also Landtagskandidatin. Ihr Platz neun auf der Oberbayern-Liste gilt als durchaus aussichtsreich; aktuell sind fünf der 17 FW-Landtagsabgeordneten Oberbayern, bei der kommenden Wahl könnten es mehr werden.

Vielleicht ist der Schweinsbraten, den Susann Enders heute beim Metzger ihres Vertrauens holte, mit einer Dunkelbiersauce, viel Zwiebel und etwas Wurzelgemüse versah und vor zwei Stunden in den Ofen schob, ja auch ein bewusstes, ein bayerisches, ein Freie-Wähler-Statement. Doch offensichtlich ist, dass die Wahl-Bayerin – die in Sachsen-Anhalt aufgewachsen ist, dort mit 19 ihren ersten Sohn bekam, mit knapp 30 dann der Stelle wegen in Murnau und privat in Weilheim landete – Schweinsbraten-Übung hat: Im Blaukraut kocht sie einen Apfel, Gewürznelken und angebratenen Speck mit; dazu gibt es geschmorte Birnenhälften, garniert mit Preiselbeeren. Rezept braucht sie für all das keines.

Doch ebenso gut hätte es etwas Vegetarisches, zum Beispiel Asiatisches aus dem Wok, geben können, erklärt die Köchin: „Ich bin da ganz offen.“ Hauptsache, die Qualität der Lebensmittel ist gut, sagt Enders – „wobei es nicht teures Zeug sein muss“. Möglichst regional soll es sein, „aber man kann nicht immer bio kaufen, das wäre zu teuer“. Für den Nachtisch taucht sie heute Äpfel aus Nachbars Garten in Pfannkuchenteig und brät Apfelkücherl heraus, dazu gibt’s Vanilleeis – ein Gedicht. Den selbst gemachten Magenbitter lehnt der Reporter dann nur wegen des Alkohols (und eines nachfolgenden Termins) ab. Dass sie dafür im Sommer noch grüne Walnüsse sammeln musste, hatte sich Enders – die auch Salben für den Hausgebrauch herstellt – extra in den Terminkalender geschrieben. „Die Natur kann ein großer Helfer sein, und Kräuterhexe bin ich schon ganz gerne.“

Landtagskandidatin Susann Enders (Freie Wähler): Gegen „den Wahn, dass jeder aufs Gymnasium muss“

Gerne ist sie auch Sängerin und Autorin (2007 veröffentlichte sie die Jazz-CD „Worte mit Biss“ mit ausschließlich eigenen Liedern, 2011 ihr Kinderbuch „Piepsi die Waldmaus“), doch diese Leidenschaften kommen seit einiger Zeit zu kurz, gesteht die 51- Jährige. Dafür ist politisch und sozial einfach zu viel zu tun – als Behindertenbeauftragte des Stadtrats, Mitstreiterin in der „Bürgerinitiative zum Erhalt des Oberlandes“, Kreisvorsitzende des Sozialverbandes VdK und natürlich als gut vernetzte FW-Politikerin.

Aus dem Stegreif und mit Nachdruck listet Enders – die mit dem Weilheimer Jazzsaxofonisten und -professor Johannes Enders verheiratet ist – zum Nachtisch auf, wofür sie im Landtag gern kämpfen würde: für Krankenhäuser in kommunaler Hand und eine anständige Bezahlung von Pflegekräften; für kostenlose Kitaplätze und gegen „den Wahn, dass jeder aufs Gymnasium muss“; für eine Energiewende mit dezentralen Lösungen vor Ort und regionaler Wertschöpfung; dafür, dass der Staat nicht nur Sozialwohnungen fördert – oder dafür, dass man Asylsuchende zur Arbeit verpflichtet anstatt sie ihnen zu verbieten.

Und dann ist Susann Enders noch wichtig, dass das bayerische Parlament künftig das ganze, breite Spektrum der bayerischen Bevölkerung widerspiegelt. Weshalb ihrer Meinung nach zum Beispiel eine Krankenschwester aus Weilheim hineingehört.

Die Landtagskandidaten für den Stimmkreis Weilheim im Porträt:

Carsten Pfuhl (Piratenpartei)

Heiner Putzier (MUT)

Harald Kühn (CSU)

Dominik Streit (SPD)

Andreas Krahl (Grüne)

Maike Seewald (V-Partei³)

Regina Schropp (Bayernpartei)

Martin Zeil (FDP)

Maiken Winter (ÖDP)

Rüdiger Imgart (AfD)

Rolf Podlewski (Die Linke)

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