Luftgitarre statt Lego

Penzberg - Vor genau 25 Jahren zogen die ersten Buben und Mädchen in den städtischen Kindergarten in Reindl ein. Seither hat er einige Berühmtheit erlangt - bis nach China.

Dass der Kindergarten in Penzberg-Reindl so bekannt wurde, konnte 1992 noch keiner ahnen. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Betreuungseinrichtung schon seit fünf Jahren.

Damals startete ein Projekt, das zum Markenzeichnen werden sollte: der spielzeugfreie Kindergarten. In Reindl am Daserweg wurde er entwickelt und wissenschaftlich begleitet.

Heute wird die spielzeuglose Zeit in Kindergärten in ganz Deutschland, in Italien, der Schweiz, in Frankreich und Griechenland umgesetzt. Es habe in einer südafrikanischen Zeitung einen Bericht gegeben, in dem der städtische Kindergarten Penzberg erwähnt wurde, erzählt Leiterin Waltraud Moser. Vor wenigen Jahren soll sogar eine Anfrage aus China gekommen sein.

Das Gesundheitsamt hatte zu Beginn der neunziger Jahre mit den Kindergärten im Landkreis überlegt, wie man mit der Suchtprävention bereits bei den Kleinsten ansetzen kann. Der städtische Kindergarten in Penzberg meldete sich als einziger für einen Versuch. „Wir haben uns damals im Team Gedanken gemacht, ob man bei Kindern so etwas wie Suchtverhalten findet“, erzählt Moser. Das Team stieß auf das Spielzeug, mit dem manche Kinder wahrhaftig zugeschüttet würden und von dem sie immer mehr haben wollten. Die Idee war geboren, es zeitweise im Kindergarten ohne Spielzeug zu probieren.

Der Kindergarten entwickelte damals mit Rainer Strick vom Jugendamt und Elke Schubert vom Gesundheitsamt den spielzeugfreien Kindergarten. Dieses Projekt ist ein zentraler Punkt, wenn heuer an 25 Jahre städtischer Kindergarten erinnert wird.

In den achtziger Jahren hatte der gestiegende Bedarf an Betreuungsplätzen einen dritten Kindergarten nach den Einrichtungen der AWO an der Schulstraße und der katholischen Pfarrei in Steigenberg nötig gemacht.

Heute arbeiten 19 Frauen und zwei Männer in dem Kindergarten. 95 Kinder werden betreut, basierend auf der situationsorientierten Pädagogik, bei der die Interessen der Kleinen aufgegriffen werden.

Eine spielzeugfreie Zeit haben die Kindergartenkinder alle einmal ausprobieren dürfen. Erst vor wenigen Tagen hat in zwei Gruppen wieder eine neue Phase begonnen.

Das Ergebnis des Spielzeug-Entzuges: Die Kinder beschäftigen sich wieder mehr miteinander, sie lernen auch Langeweile zu ertragen und die Phantasie wird angeregt.

Da wird eine Gruppe Buben ganz schnell zu einer Rockband - mit Luftgitarre versteht sich.

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