Mechtild Gödde lagen bei ihrer Arbeit Kinder, die unter der Trennung ihrer Eltern litten, besonders am Herzen.
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Mechtild Gödde lagen bei ihrer Arbeit Kinder, die unter der Trennung ihrer Eltern litten, besonders am Herzen.

Mechtild Gödde in den Ruhestand verabschiedet

„Man muss nicht die Super-Mama sein“

  • Stephanie Uehlein
    VonStephanie Uehlein
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Nach dem Abitur wollte Mechtild Gödde am liebsten Auslandskorrespondentin werden, doch dann schlug sie doch einen ganz anderen Weg ein. Kürzlich wurde sie als Gesamtleiterin der KJF-Kinder- und Jugendhilfe Weilheim-Schongau in den Ruhestand verabschiedet. Im Gespräch mit der Heimatzeitung blickte sie zurück – und hatte nebenbei Tipps für Eltern parat.

Weilheim/Landkreis – 14 Jahre stand Mechtild Gödde, die im Münsterland aufgewachsen ist, an der Spitze der Kinder- und Jugendhilfe im Landkreis, einer Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) Augsburg. 65 Mitarbeiter gehörten zuletzt zu ihrem Team: bei den Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen in Weilheim, Penzberg und Schongau genauso wie bei den Clara-Fey-Tagesstätten in Schongau und bei der Sozialarbeit an Schulen.

Die 65-Jährige, die in München wohnt, ist gut in den Ruhestand gestartet: „Bis jetzt gestaltet es sich sehr fein“, sagt Gödde, die jetzt ein lang andauerndes „Wochenende-Gefühl“ haben kann. Allerdings möchte sie nicht nur die Freizeit genießen. „Ich fühle mich noch fit“, erklärt sie und zieht zum Beispiel in Erwägung, in und um München Stadtführungen mit dem Fahrrad anzubieten. Aktuell sei sie in einer Findungsphase, ohne dabei Druck zu haben. Auch für ihre Familie hat Gödde, die selbst mit vier Geschwistern groß geworden ist, jetzt mehr Zeit. Sie hat zwei erwachsene Söhne, und bald kommt ihr drittes Enkelkind auf die Welt, wie sie mit spürbarer Vorfreude sagt.

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Das Thema „Familie“ hat auch Göddes Tätigkeit bei der KJF stark geprägt. Immer mehr Familien nahmen die Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch. Im vergangenen Jahr wurden allein 1010 Kinder und Jugendliche sowie deren Familien durch die drei Erziehungsberatungsstellen begleitet.

Gödde ist bei ihrer Arbeit aufgefallen, dass sich Eltern, vor allem Mütter, heute oft unter „Selbstoptimierungsdruck“ setzen – ob durch die Vorstellung, Aufgaben auf bestimmte Weise erledigen zu müssen, oder durch den Schrittzähler, den man bei sich trägt. Betroffenen rät die 65-Jährige, sich zu fragen: Was sind realistische Anforderungen? Wie setzte ich diese um? Wo finde ich Unterstützung? „Man muss nicht die Super-Mama sein“, so die Diplom-Psychologin, die sich freut, dass die Bereitschaft, Beratung anzunehmen, ihrer Erfahrung nach zugenommen hat.

„Ich finde es klasse, dass sich mehr Väter im Haushalt und für die Familie engagieren“, sagt Gödde. Doch diese Entwicklung berge auch die Gefahr, dass die Elternteile in Konkurrenz zueinander treten. Statt sich so das Leben schwer zu machen, ist es aus Sicht der Psychologin besser, den Partner „als Ergänzung“ zu sehen und ihm mit Toleranz zu begegnen.

Ihr erstes Studium absolvierte Mechtild Gödde in Frankreich

Das Psychologie-Studium war das zweite Studium, das Gödde absolvierte. Zunächst studierte sie nämlich in Frankreich Kunstgeschichte und Archäologie. Nach ihrem Magister fasste sie aber den Entschluss, sich lieber mit Menschen beschäftigten zu wollen, und begann ihr zweites Studium. Im Anschluss an dieses arbeitete sie in der Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität sowie am Institut für Frühpädagogik in München. Später suchte sie dann eine Tätigkeit mit mehr Praxisbezug – und kam so zur KJF im Landkreis.

In ihren Jahren bei der Kinder- und Jugendhilfe lag ihr – wie sie sagt – die Arbeit für und mit Buben und Mädchen besonders am Herzen, deren Eltern sich getrennt und ihre Kinder gewissermaßen aus den Augen verloren haben, Es sei schön, sagt Gödde, wenn es in solchen Fällen gelingt, dass die Eltern wieder zusammenarbeiten, ihre Kinder wieder in den Blick nehmen. „Das sind schon Sternstunden“, so die Psychologin, die sich allerdings mehr davon gewünscht hätte.

Wichtig war Gödde bei ihrer Tätigkeit bei der KJF auch die Kooperation mit anderen Stellen wie Schulen sowie die Arbeit im Team. Sie habe sich immer unterstützt gefühlt, sagt die jetzige Ruheständlerin – „alleine kann man es nicht schaffen“.

Für die Zukunft der KJF hatGödde den Wunsch, dass die sogenannte aufsuchende Erziehungsberatung ausgebaut und verstetigt wird. Das Angebot mit Hausbesuchen bei Familien läuft seit zwei Jahren als Versuch. Zudem wünscht sich die 65-Jährige, dass immer ausreichend Mittel für das „Pegasus“-Projekt vorhanden sind. Dieses hilft Familien mit einem suchtkranken oder psychisch kranken Elternteil.

Zum Fahrradfahren will Mechtild Gödde wieder in den Landkreis kommen, ihren Chor wird sie vermissen

Auch wenn sie in München wohnt, möchte Gödde wieder in den Landkreis kommen. Dieser sei schön, lobt sie, und es gebe dort „wunderbare Radwege“, die sie nutzen möchte. Vermissen wird sie nach ihren Worten den „Weilheimer Chorkreis“, bei dem sie Mitglied war. Singen sei etwa Positives, sagt Gödde, „aber einmal die Woche nach Weilheim kommen, das ist mir zu viel“.

Mechtild Gödde hat bei der KJF-Kinder- und Jugendhilfe Weilheim-Schongau zwei Nachfolger. Als Gesamtleiter fungiert nun Stefan Ronnsiek, der auch Gesamtleiter der KJF-Kinder- und Jugendhilfe Kaufbeuren-Ostallgäu ist. Leiter der drei Erziehungsberatungsstellen im Landkreis Weilheim-Schongau ist jetzt Kurt Dorn. Er zeichnete schon bislang für die Beratungsstelle in Schongau verantwortlich.

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