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„Ich möchte immer fragen und hinterfragen“: Prof. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl, die im April 70 wird.

Maria-Anna Bäuml-Roßnagl im Porträt

„Lernen und leben mit allen Sinnen“

Peißenberg - Die in Peißenberg lebende Maria-Anna Bäuml-Roßnagl hat sich als Bildungsexpertin und Malerin einen Namen gemacht.

Es ist schon eine Herausforderung, über Professorin Dr. phil. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl, 69, zu schreiben. Wie soll man in einem kurzen Porträt einer Frau gerecht werden, deren beruflicher Werdegang allein schon seitenfüllend ist und deren persönliche Vielseitigkeit verblüfft? Seit über 20 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in Peißenberg, obwohl sie bis 2010 als Hochschullehrerin in München gearbeitet hat. Und sie fühlt sich im Oberland sehr wohl. Vor allem Wessobrunn ist ihr ans Herz gewachsen. Dort hat sie viel „Lebenszeit“ verbracht, und dieser geschichtsträchtige Ort motivierte und inspirierte Bäuml-Roßnagl zum Malen beispielsweise ihrer Psalmbilder vor 20 Jahren.

Wird sie gefragt, woher sie die Kraft für ihre umfassenden Projekte, ihre vielen Aktivitäten nimmt, so antwortet sie kurz und knapp: „Ich möchte immer fragen und hinterfragen.“ Der Geist sei das Kapital jedes Menschen, ist Bäuml-Roßnagl überzeugt, und daher setze sie sich schon über 40 Jahre für eine ganzheitliche Bildungspolitik ein. „Die Bildungsethik ist ein weltweiter Hunger“, sagt sie. Dieser Wunsch nach Lebensqualität steckt ihrer Meinung nach in jedem Kind und kann nicht nur, sondern sollte gefördert werden.

Und dieser Gedanke durchzieht als roter Faden das Leben der agilen Frau, die im April ihren 70. Geburtstag feiert. Als Grundschullehrerin begann Bäuml-Roßnagl ihre berufliche Karriere. Mit Kindern hat sie ihr Leben lang gerne gearbeitet, auch wenn es in späteren Zeiten mit den Forschungsprojekten rund um die Bildung von Kindern und Erwachsenen eine andere Art von Tätigkeitsfeld war. Die Begeisterung für ihre Arbeit mit Menschen ist immer die gleiche geblieben.

Bäuml-Roßnagl studierte Theologie, Germanistik, Philosophie, Naturwissenschaften und Kunst und erhielt nach einem kurzen Lehrauftrag in Regensburg einen Ruf an die Universität München. „Es war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt sie rückblickend – auch wenn der Weg dort als Lehrbeauftragte für sie nicht immer einfach war. Bäuml-Roßnagl setzte sich nicht nur durch, sondern erreichte durch ihre Fachkompetenz auch einen hohen Status als Bildungsexpertin. Eine Vielzahl ihrer Veröffentlichungen stehen im Internet und können abgerufen werden. „Internationaler Gedankenaustausch ist so wichtig“, sagt die Professorin.

Aber ihr beruflicher Erfolg, die Begleitung und Ausbildung vieler Doktoranden, die komplexen Forschungsprojekte zum Thema „Bildungspolitik“, ihre jahrzehntelangen Vorlesungen über Bildungsethik, ihre naturwissenschaftlich-ästhetischen Studien, all das ist noch lange nicht das, was die Persönlichkeit von Bäuml-Roßnagl ausmacht. Man erkennt in der zierlich-kraftvollen Frau auch eine Person, die keinem gängigen Muster zu entsprechen scheint. Sie ist nicht die typische Professorin oder die emanzipierte Frau, die es beruflich weit gebracht hat. „Ich passe irgendwie in kein Schema“, sagt sie.

Genau diese Aussage trifft den eigentlichen Kern der Person, die hinter dem fachlich bekannten Namen Bäuml-Roßnagl steht. Man lernt hier eine Frau kennen, die in berührend philosophischen Sätzen antwortet. „Alle Menschen haben Bilder in sich, ganz gleich welcher Kultur“, sagt sie beispielsweise und beschreibt sehr eindringlich ein neues, eher spontanes Projekt, das im Rahmen ihrer Weilheimer Psalmenbilder-Ausstellung zusammen mit Schulklassen und Asylbewerbergruppen eine Art kreatives Eigenleben entwickelt hat.

Bäuml-Roßnagl ist auch künstlerisch hoch begabt. „Ich komme aus einer kreativen Familie“, sagt sie. Schon als Kind habe sie gemalt. In Ihren Bildern bringt sie ihre Lebensphilosophie „Lernen und leben mit allen Sinnen“ mit ihrer persönlichen Glaubenseinstellung („Der Glaube ist die Kraft meines Lebens“) in Einklang. Es entstehen Bilder, die in ihrer Intensität und Ausdruckskraft überwältigen. „Ich male aber nur nach intensiven, existenziellen Erfahrungen“, erklärt sie.

Und da hat es so einige gegeben in ihrem Leben. Die derzeit in Weilheims Kirche St. Pölten ausgestellten Psalmenbilder entstanden nach einer schicksalhaften und lebensentscheidenden Begebenheit, über die Bäuml-Roßnagl aber nicht sprechen möchte. Aber eben solche Grenzerfahrungen machten auch die Flüchtlinge aus Eritrea und anderen afrikanischen Ländern, mit denen Bäuml-Roßnagl im Rahmen der Ausstellung ihre Psalmenbilder besprach. Es war für sie „unglaublich bereichernd“ zu erleben, wie diese Menschen ihre Seele öffneten und die erlebten Ängste in Bildern ausdrückten.

Für Bäuml-Roßnagl sind solche Erfahrungen lebensnotwendig. Um den größeren Zusammenhang des Daseins zu durchdenken, ist ihr der Austausch mit anderen wichtig. „Ich brauche die Menschen“, sagt sie. Aber auch die Tiere und die Natur allgemein helfen ihr, zu sich selbst zu kommen, geben ihr immer wieder Kraft und bestärken ihre positive Grundeinstellung, denn sie kennt auch die dunklen Seiten des Lebens.

Und Bäuml-Roßnagl hat sich auch noch ihre Träume bewahrt. Einen fünfminütigen Videoclip möchte sie unbedingt drehen. Dort würde man Davids Harfe singen hören, und Menschen würden mit ihr gemeinsam Bilder dazu malen. Und für sie steht fest: „Die Menschen würden Freude in ihren Bildern ausdrücken, weil sie Goliath besiegt haben.“

-Text: Regina Wahl-Geiger-

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