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Das Künstlerehepaar Marc  in bayerischer Tracht.

zum 100.  Todestag des Malers Franz Marc

Viel mehr als nur die Frau an seiner Seite

Iffeldorf - Das neue Buch von Brigitte Roßbeck gewährt berührende Einblicke in das Leben von Franz Marc. Dabei kommt heraus: Seine Frau Maria war mehr als nur seine Gefährtin.

Morgen, am 4. März, jährt sich zum 100. Mal der Todestag des Malers Franz Marc. Ein neues Buch gewährt berührende Einblicke in das Leben von Franz und Maria Marc in Sindelsdorf und Ried. Die Iffeldorfer Autorin Brigitte Roßbeck gelangte an sehr private Aufzeichnungen, wie sie im Interview berichtet.

Frau Roßbeck, wie sind Sie denn an diese Unterlagen gekommen?

Ein Großteil der handschriftlich vorliegenden Erinnerungen Maria Marcs befindet sich im Franz Marc-Nachlass des Deutschen Kunstarchivs in Nürnberg. Dazu kommen mir zugänglich gemachte Aufzeichnungen im Besitz der Erben. Drei Manuskripte unterschiedlichen beziehungsweise abgewandelten Inhalts habe ich 2013 im Rahmen einer Versteigerung erworben.


Maria Marc hat ja auf eine der Faltmappen geschrieben: „Von diesen Aufzeichnungen darf nie eine Veröffentlichung gemacht werden.“ Wie sind Sie damit umgegangen?

Moralische Bedenken bestanden nach Durchsicht der Blätter nicht – aus heutiger Sicht. Vermutlich bezog sich der Sperrvermerk der Memoirenschreiberin auf die niemals zuvor von ihr so ungeschminkt zu Papier gebrachten Schilderungen aus früher gemeinsamer Zeit. Gemeint sind die Irrungen und Wirrungen ihres Mannes 1906 und 1907 in Liebesdingen, unter denen sie nicht unerheblich hatte leiden müssen. Entscheidend für die Publikation war die Zustimmung des Großneffen und Inhabers der Rechte am Nachlass von Maria Marc.


Beschreiben Sie doch bitte mal kurz Maria Marc: Welche Persönlichkeit kann man sich vorstellen?

Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft fiel und fällt Menschen, die sie kannten, am ehesten ein. Ihre Bereitschaft, die Kunst Franz Marcs zu befördern, ohne ihre eigene Kreativität aus den Augen zu verlieren, halte ich für eine bemerkenswerte Eigenschaft. Immerhin war Maria Marc eine gut ausgebildete Malerin. Ihre Zurückhaltung in puncto Ausstellungsbeteiligungen war wohl dem Zeitgeist geschuldet. War sie verzagt oder verzweifelt, so eingedenk der Gefährdung des Soldaten Franz Marc, machte sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Sie war, wie ihr Mann, befähigt zu dauerhaften freundschaftlichen Beziehungen.


Bis Franz und Maria zusammenfanden, gab es einige Hürden zu überwinden. Warum, glauben Sie, hat Franz sich letztlich doch für Maria entschieden; was hat die beiden so innig verbunden?

Das Wissen um die Unverzichtbarkeit. Franz Marcs Begleiter von Jugend auf war die Melancholie. Selbstzweifel plagten ihn sein Künstlerleben lang. Die Frau an seiner Seite musste fähig sein zum Austausch auf intellektueller Augenhöhe. Maria war seine Ermutigerin, Wegbegleiterin, Mitmacherin und Mitstreiterin. Seine geliebte Umarmerin, in Zeiten ihrer Abwesenheit schmerzlich vermisst und sehnlichst zurückerwartet.


Maria Marc hat – im Gegensatz zu Franz – die Schrecken des Kriegs erkannt; sie wusste auch, welcher Gefahr er sich aussetzt. Warum hat sie es nicht geschafft, ihn von der Front zurückzuhalten?

Ein Zurückhalten war schon deshalb nicht möglich, weil Franz Marc zum Deserteur hätte werden müssen, wäre er dem Gestellungsbefehl nicht gefolgt. Er wurde mit Datum 6. August 1914 in die Kaserne nach München beordert. Ein Kriegsfreiwilliger im klassischen Sinne, wie so oft behauptet, war er keinesfalls. Von der Absurdität seiner utopischen Hoffnung auf die „reinigende“ Wirkung eines europäischen Flächenbrandes als Fundament für eine neue Welt und eine neue Kunst heilte ihn auch nicht Marias Aufbegehren. Die entsetzlich verstörende Realität, das Töten und Morden „für nichts“, machte aus dem Befürworter einen erklärten Gegner des Krieges.


Apropos Nachkriegszeit: Was wäre Franz Marc heute ohne die engagierte Nachlassarbeit von Maria?

Auf diese Frage gibt es keine schlüssige Antwort. Fest steht jedoch, dass die Alleinerbin und uneingeschränkt agierende Nachlassverwalterin hohen Anteil an der rasch wachsenden Popularität der Werke ihres Mannes hatte. Sie war beteiligt an Ausstellungsvorbereitungen, verhandelte wegen des Ankaufs von Bildern durch Museen und private Sammler. Maria Marc pflegte Kontakte zu Galeristen und wirkte an der Herausgabe von Schriften ihres Mannes mit, wie auch an Publikationen zu Person und Werk. Dass die Bilder des Malers schon wenige Jahre nach seinem Tod zu den in Deutschland am meisten reproduzierten gehörten, ist nicht zuletzt durch das Engagement der Witwe zu erklären.


Infos zum Buch

Maria Marc: „Das Herz droht mir manchmal zu zerspringen. Mein Leben mit Franz Marc“, herausgegeben von Brigitte Roßbeck. Siedler-Verlag, 188 Seiten, 19,99 Euro.

Christiane Mühlbauer

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