Meisterschüler bekommt Post vom Staatsanwalt

800 Euro für abgefallenes Nummernschild

Weilheim - Weil sein Nummernschild herunterhing, hat es ein Benediktbeurer (22) abgemacht und hinter die Windschutzscheibe gelegt. Das kommt ihn jetzt teuer zu stehen.

Eigentlich war es nur ein kleines Ärgernis: Als Maximilian Thoma am Morgen des 26. Februars nach Weilheim in die Meisterschule fahren wollte, hing das Kennzeichen seines Geländewagens schief. Weil der Benediktbeurer nicht viel Zeit und keine Schraube parat hatte, nahm er das Schild ab und legte es hinter die Windschutzscheibe. So fuhr er zur Schule. Auf dem Rückweg hielt den 22-Jährigen ein Polizist auf. Thoma versprach, das Schild zu Hause sofort anzubringen. Damit war die Sache für den jungen Mann erledigt. Längst vergessen. Dachte er.

Bis im Mai das Schreiben der Staatsanwalt München II kam. Thoma habe wissentlich einen Kennzeichenmissbrauch begangen. Deshalb wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, heißt es darin – und dem 22-Jährigen wurde ein Angebot unterbreitet: Von der öffentlichen Klage wird abgesehen, wenn der Schüler Geld an einen Verein überweist. Schon bei dem Schreiben fiel er aus allen Wolken, bei der Summe war er noch geschockter: 800 Euro sollten es sein. „Das sprengt alles bei mir geglaubte Wissen hinsichtlich Straßenverkehrsordnung und deren Bußgeldkatalog“, schreibt Thoma in einem Brief an die Staatsanwaltschaft, den er auch der Heimatzeitung zukommen ließ. „Selbst mit 120 Stundenkilometern durch die Ortschaft zu fahren, wird nur mit 480 Euro bestraft, wobei es hier um Leib und Leben Dritter geht.“

Was den jungen Mann zudem irritierte: „Ich wurde weder schriftlich noch mündlich darüber informiert, dass der Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde.“ Auch habe er sich nicht „persönlich bei einer Anhörung im Polizeiamt Weilheim zum Tathergang äußern können“. Stimmt nicht, entgegnet die Polizei. „Es hat Kontakt gegeben“, betont der Sachbearbeiter für Verkehr in Weilheim. Ob sich dieser nur auf die Kontrolle am Tattag bezog oder Thoma die Gelegenheit bekam, noch einmal Stellung zu beziehen, führte er nicht aus. Dass das Ganze bei der Staatsanwaltschaft landete, erklärt er so: „Der Verdacht einer Straftat ist gegeben. Damit ist die Staatsanwaltschaft zuständig.“ Erst wenn diese den Vorwurf nicht mehr verfolgt, wird er als Ordnungswidrigkeit behandelt und landet wieder bei der Polizei auf dem Tisch.

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls kritisiert, dass das Nummernschild wegen der Scheibenwischer teilweise verdeckt gewesen sei. „Das Problem war, dass man es nicht lesen konnte“, sagt Florian Gliwitzky, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Der Strafrahmen für Kennzeichenmissbrauch umfasst seiner Aussage nach eine Geldstrafe bis hin zu einem Jahr Gefängnis. „Das hängt vom Einzelfall ab.“ Dass Thoma das Schild hinter der Windschutzscheibe hatte, sei „sicherlich kein gravierendes Delikt“ gewesen – aber eines, das geprüft werden müsse.

Und eines, das den 22-Jährigen teuer zu stehen kommen könnte. Die 800 Euro konnte er im geforderten Zeitrahmen – bis 16. Juni – nicht aufbringen. Er hofft, die Schuld anders begleichen zu können, um nicht auch noch angeklagt zu werden. Dass es überhaupt soweit gekommen ist, schreibt er, „muss ich wohl akzeptieren – verstehen kann ich es nicht“.

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