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Im Saal sieht’s zwar nach Fasching aus, aber witzig war das Thema nicht: Bernhard Heger spricht über die Sorgen der Milchbauern. 

Podiumsdiskussion in Peissenberg

Molkereien bleiben hart

Peißenberg - Beim  Milchpreis-Forum der MEG und des BDM ging es emotional zu. Von gemeinsamen Lösungen sei man „meilenweit entfernt“.

Trotz der Milchpreis-Misere, die den meisten Landwirten unter den Nägeln brennt: Die Molkereien senden kein Signal aus, beim Einkauf des Rohstoffes mehr zu bezahlen. Dies zeigte sich bei einer Podiumsdiskussion in Peißenberg, die von der Milcherzeugergemeinschaft „Milch Board“ (MEG) und vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) veranstaltet wurde. Nach dreistündiger Diskussion sagte Bernhard Heger, BDM-Kreisvorsitzender Weilheim-Schongau: „Gemeinsam an Lösungen zu arbeiten – davon waren wir meilenweit entfernt.“

Vor 250 Bäuerinnen und Bauern im Gasthof „Zur Post“ – viele Stühle und Bänke wurden noch zusätzlich in den Saal getragen – rief Landwirtin Lucia Egner aus Obersöchering vor der Schlussrunde ins Mikrofon: „Mir Bauern müassn zammarucken. Von den Molkereien kriegen wir da koa Unterstützung.“ Thomas Bertl aus Wildsteig fragte, ob es bei den Molkereien Lösungsansätze gibt, „um aus dieser Krise herauszukommen“. Die Wertschöpfung funktioniere bei vielen Molkereien, doch der Auszahlungspreis stimme nicht. Am Ende des Abends sagte Bertl zu Berufskollegen am Tisch mit Blick auf das Verhalten der Molkereien: „Die wollen nicht, weil sie nicht müssen.“

Bei der teils emotional-hitzigen Diskussion, die Matthias Löffler vom „Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“ moderierte, hatten Christian Schramm von der Molkerei „Zott“ in Mertingen und Reinhold Stangl von der Molkerei „Gropper“ (Bissingen) einen schweren Stand. Insbesondere die Aussage Stangls, dass alle drei Jahre eine Krise im Milchpreis festzustellen sei und es dann wie bei früheren Zyklen auch 2017 wieder aufwärts gehe, empfand Heger (BDM) als Anmaßung. Was würden die Molkereivertreter sagen, wenn sie ein Jahr lang beim Gehalt gravierende Einbußen hätten, und gesagt bekämen, 2017 werde es wieder besser, fragte Heger. Es gehe um Familien und Existenzen. „Wir müssen uns auf d‘ Hinterfüaß stellen und was verändern“, sagte er. Johann Leis aus Uffing, Vorsitzender des BDM im Kreis Garmisch-Partenkirchen, stellte fest: Bei den Bauern sei „Feuer unterm Dach“.

Mit auf dem Podium, das Hermann Dempfle (BDM-Kreisvorsitzender Landsberg) organisiert hatte, saßen Dr. Klaus Alois Hein vom Genossenschaftsverband Bayern und Peter Guhl, Vorstandsvorsitzender der MEG. Guhl erklärte, allein die Bauern würden das Marktrisiko tragen. Die Molkereien hätten hingegen Rücklagen gebildet, wenn er die Entwicklung von 2009 bis 2013 beobachte. Derzeit gebe es „keinen Wettbewerb“ im Markt. Richtig sei ein Vertrag zwischen starken Erzeugergemeinschaften und Molkereien, der Menge und Preis regelt, betonte er.

Christian Schramm von „Zott“ hielt dem Argument vom fehlenden Markt entgegen, dass es sehr wohl einen Preisunterschied von vier Cent je Kilogramm Milch (26 Cent in Norddeutschland, 30 Cent in Südbayern) gebe. Er warnte zudem vor Preisabsprachen unter Erzeugern. Das könne zu einer Anzeige beim Kartellamt führen. Dr. Klaus Hein vom Genossenschaftsverband Bayern erklärte, die Diskussion über regulierende Maßnahmen, um zum Beispiel die Milchmenge europaweit aus dem Markt zu nehmen, sei nicht zielführend. Es sei besser, sich darauf zu konzentrieren, wie man regional einen vertretbaren Milchpreis aushandeln könne.

Gerlinde Kronner aus Polling, die „als Verbraucherin“ das Wort ergriff, forderte mehr Milchtankautomaten in der Region, an denen für einen Euro ein Liter gezapft werden könne. Diese sollten in Weilheim, Penzberg, Schongau und Garmisch-Partenkirchen zur Selbstverständlichkeit werden.

Nicht präsent waren Vertreter der Molkerei Hochland (Schongau) und des Bayerischen Bauernverbandes. Bei beiden hatte der Veranstalter nach eigenen Worten aber angefragt.

-Johannes Jais-

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