Der große Moment: Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Ammer schwebt an ihren Platz.
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Der große Moment: Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Ammer schwebt an ihren Platz.

Steg für Fußgänger und Radfahrer bei Oderding

Spektakuläre Aktion: Neue Brücke über die Ammer schwebt an ihren Platz

  • Bernhard Jepsen
    VonBernhard Jepsen
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Der lang ersehnte Brückenschlag über die Ammer bei Oderding ist geschafft: Vor rund 250 Zaungästen wurde am Samstagvormittag der vormontierte Geh- und Radwegesteg mit einem 750-Tonnen-Schwerlastkran in seine Fundamente neben der Staatstraßenbrücke gehoben. Bei der Aktion war Millimeterarbeit gefragt.

Oderding – Brückenschläge sind immer auch ein historisches Ereignis – vor allem dann, wenn man so lange wartet wie die Gemeinde Polling auf eine fußgänger- und radfahrersichere Überquerung am bisherigen Nadelöhr an der Staatsstraßen-Ammerbrücke bei Oderding. Rund 250 Schaulustige ließen sich das „schöne Event“ (Bürgermeister Martin Pape) nicht entgehen. Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bundestagsabgeordneter Alexander Dobrindt und Landtagsabgeordneter Harald Kühn verfolgten den Brückenschlag live vor Ort. Die Baustelle und der Kraneinsatzbereich wurden abgesperrt und von einem Security-Dienst überwacht.

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Schon allein der Aufbau am Vortag war ein Spektakel. Die „Baukran Logistik GmbH“ (BKL) aus Forstinning rückte mit sieben Schwerlastsattelschleppern und einem eigenen Aufbaukran auf der gesperrten Staatsstraße an, um den 750-Tonnen-Nutzlasthubkran betriebsbereit zu machen und mit dem notwendigen Equipment auszustatten. Allein an Gegengewichten wurden 170 Tonnen angeliefert. Am Freitagabend sollte dann noch ein „Probehub“ stattfinden. Doch der wurde wegen des heranziehenden Unwetters abgesagt.

Nervosität vor dem Brückenschlag über die Ammer

Am Samstag kurz nach 9 Uhr wurde es dann aber ernst. „Wenn es nicht klappt, dann lacht die ganze Welt über uns“, scherzte BKL-Bereichsleiter Johann Würz vor der Hubaktion. Auch bei Christina Will machte sich Nervosität breit. Der Uffinger Familienbetrieb ihres Gatten Robert hatte die 46-Meter lange und 60 Tonnen schwere Holzfachwerkbrücke in den vergangenen acht Wochen zusammengebaut. Im Dunkeln hatte man noch schnell die letzten Lasermessungen vorgenommen. „Es sollte alles passen, aber ich bin schon angespannt“, gab Christina Will zu.

Auch Christoph Prause war „freudig erregt“: „Eine Holzbrücke bauen wir wirklich sehr selten – und schon gar nicht in dieser Länge“, meinte der Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt. Für den Brückenschlag respektive die 25 000 Euro teure Hubaktion sind im Vorfeld umfangreiche Planungs- und Dispositionsarbeiten nötig gewesen. „Allein einen Kran solcher Größe herzubekommen, ist schon schwierig“, berichtete Prause. Es wurden aufwendige statische Berechnungen angestellt, auch musste eruiert werden, wie der Kran, der komplett aufgebaut ein Eigengewicht von 300 Tonnen hat, den Druck in den Boden verteilt. Immerhin stand ein Teil des Krans auf den Widerlagern der Staatsstraßenbrücke.

Nach 13 Minuten war die neue Brücke bei Oderding an Ort und Stelle

Um 9.31 Uhr ging das Spektakel schließlich los. Der Kran zog die Holzfachwerkkonstruktion vorsichtig in die Höhe und drehte sie dann am Haken über die Staatsstraßenbrücke hinweg in Richtung der Fundamente. Um 9.44 war es dann vollbracht: Der Geh- und Radwegesteg lag in den Widerlagern – und Robert Will war der erste, der die Brücke zu Fuß passierte. Für die Gattin war das ein „Highlight“ in der Historie der Zimmerei: „Das war der Traum meines Mannes. Er wollte immer schon eine Holzbrücke bauen“, verriet Christina Will stolz.

Auch bei den Vertretern des Staatlichen Bauamts machte sich Erleichterung breit. „Genauso haben wir es uns vorgestellt“, erklärte Prause. Die Optik der Brücke sei wirklich gelungen und ein „Zeichen für die Region: „Wir können mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden sein.“ Auch Bürgermeister Martin Pape war begeistert: „Die Brücke schaut super aus.“ Und wie reagierte Johann Würz auf den gelungenen Brückenschlag? Routiniert. „Die Brücke ist wirklich sehr schön. Aber das ist unser Tagesgeschäft. Wir bauen jetzt den Kran ab und fahren dann weiter.“

Am Montag, 2. August, steht für das BKL-Team bereits der nächste Einsatz auf dem Programm: Auf der Theresienwiese muss ein großer Baukran aufgestellt werden. Bis der 1,1 Millionen Euro teure Geh- und Radwegesteg von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, wird es noch ein paar Tage dauern. Es müssen noch technische Anbauarbeiten über die Bühne gebracht und die letzten Bleche montiert werden. Die offizielle Einweihungsfeier mit der kirchlichen Segnung ist für den 13. September geplant.

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