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Jetzt doch Fangnetze im Schul-Treppenhaus?

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Da geht’s tief runter: Rektor Hans Socher im Treppenhaus der Peißenberger Mittelschule. © Bernhard Jepsen

Peißenberg - Die Hartnäckigkeit von Schulrektor Hans Socher zahlt sich aus: Der Bauausschuss Peißenberg gab deutliche Signale, jetzt doch Fangnetze im Treppenhaus der Mittelschule zuzulassen.

Eigentlich war das Thema für den Marktrat erledigt: Mit knapper Mehrheit sprach sich das Gremium vor ein paar Wochen in nichtöffentlicher Sitzung gegen den Einbau von Fangnetzen an den Seitenschachtöffnungen im Treppenhaus der Mittelschule aus. Laut Beschluss sollten nur die Lichtschächte des frisch sanierten Schulhauses mit Plexiglas nachgerüstet werden. Doch damit wollte sich Hans Socher nicht zufriedengeben. Der Schulleiter lud die Markträte zu einem Begehungstermin ein und sprach in der Heimatzeitung von einer „moralischen Verpflichtung“. Und siehe da: Sochers Hartnäckigkeit scheint Wirkung zu zeigen. Im Bauausschuss gab es deutliche Signale, dass das Treppenhaus doch noch eine zusätzliche Absicherung erhält.

„Wir sollten das machen. Das müssen uns unsere Kinder wert sein“, appellierte unter anderem Stefan Barnsteiner an seine Ausschusskollegen. Absolute Sicherheit könne es zwar nicht geben, „aber wenn etwas passiert, was ist dann?“ Ins gleiche Horn stieß Werner Haseidl (CSU/Parteilose): „Die Schächte sind erschreckend hoch, und die Arbeit der Pädagogen mit den Schülern wird nicht leichter.“

Haseidl spielte damit auf die steigende Zahl der Förderschüler und die Suiziddrohung eines Mädchens an, mit der die Schulleitung 2014 konfrontiert worden war. Nach Meinung von Jürgen Forstner (Bürgervereinigung) muss man auf das „fachliche Urteil der Basis“ vertrauen: „Wenn die Lehrer Sorge haben, dann kann ich gar nicht anders, als für die Absicherung zu stimmen.“ Der Kostenfaktor sei für ihn nicht relevant: „Die Schule war ohnehin so teuer, da kommt es darauf auch nicht mehr an.“ Doch auch den Skeptikern geht es nicht um die Kosten. Die Ausstattung mit Fangnetzen würde mit rund 12 000 Euro zu Buche schlagen. Etwas billiger wäre der Einbau von Rostgittern (mit Bauhofleistungen rund 7000 Euro). „Doch darum geht es mir gar nicht“, betonte Robert Halbritter (SPD). Entscheidend sei allein die Haftungsfrage. Der kommunale Unfallverband habe das Treppenhaus begutachtet und keine weitere Absicherung gefordert: „Wenn wir jetzt ein Rostgitter einbauen, das nicht rechtskonform ist, was passiert dann? Wenn da jemand hineinfällt und querschnittsgelähmt ist, dann zahlen wir.“ Halbritter knüpfte seine Zustimmung für die Sicherungsmaßnahmen an eine Bedingung: „Ich möchte vorher vom Unfallverband schriftlich belegt haben, dass alles in Ordnung ist.“ Komplett gegen eine Nachrüstung des Treppenhauses sprach sich seine Fraktionskollegin Jutta Geldsetzer aus: „Wenn sich jemand etwas antun will, dann tut er sich etwas an. Wir können die Menschen nicht in Watte packen.“ Außerdem: „Es gibt eine Aufsichtspflicht der Lehrer.“ Eine Beschlussempfehlung für den Gemeinderat verabschiedete der Ausschuss nicht. Die Angelegenheit wurde zur Debatte in die Fraktionen verwiesen. Am kommenden Donnerstag soll laut Bürgermeisterin Manuela Vanni im Marktrat über das Thema abgestimmt werden: „Ich hätte ein besseres Gefühl, wenn wir uns dann für die Sicherungsmaßnahmen entscheiden“, sagt die Bürgermeisterin. „Es ist ein moralisches Problem.“

Bernhard Jepsen

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