Im Stellwerkhäuschen, das hergerichtet werden soll: (v.l.) MBC-Vorsitzender Martin Gesche mit Fabian Echter und Alexander Schüller. 
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Im Stellwerkhäuschen, das hergerichtet werden soll: (v.l.) MBC-Vorsitzender Martin Gesche mit Fabian Echter und Alexander Schüller. 

Projekt in Peißenberg

Von wegen nur Miniatur-Eisenbahnen: Modellbahnclub richtet altes Stellwerk her

Der „Modellbahnclub Pfaffenwinkel“ führt die Mini-Bahn im Namen, doch als eine Aktivitäts-Facette verstärkt wird auch die echte Bahn. Von dieser wurden Signale und das alte Stellwerk „geerbt“ – und sie sollen wieder funktionsfähig hergerichtet werden.

Peißenberg – Am 29. Juli 2019 wurde im ehemaligen Bergwerksort der letzte Zug mit der alten Technik „abgefertigt“, bekam also die Flügelsignale und die Weichen noch mit Hebeln und Drahtseilzügen gestellt. „Von einem Eisenbahner gemeinsam mit mir“, sagt Fabian Echter lächelnd.

Der 18-jährige Peißenberger ist nicht nur gelernter Elektrotechniker, er ist auch ein Fan der alten Bahn-Stellwerke: „Klais, Walleshausen, Riederau, Peiting-Ost, Schondorf…“, summiert er die letzten Technik-Dinosaurier mit Kennerblick und mit einem Hauch von Bedauern. Denn die mechanischen und elektromechanischen Stellwerke gehen zunehmend den Weg des alten Eisens. Zuletzt gingen Seeshaupt und Dießen verloren. Aber wenigstens in Peißenberg sollte die Hebelbank nicht auf den Schrottplatz.

Martin Gesche, der Vorsitzende des Modellbahnclubs (MBC), solidarisierte sich mit dem Projekt und überzeugte die Bahn, dem Club einige Stücke zu überlassen – nebst der komplett eingerichteten Stellwerks-Bude. Auf diese Weise gewann er gleich drei neue Mitglieder für den Verein. Nachdem Gesche sich von der Sachkundigkeit der jungen Leute überzeugt hatte, bekamen sie das Wiederherrichten des Technik-Relikts als Spezialgebiet übertragen.

„Man sollte die jungen Leute in ihren Eisenbahn-Interessen fördern, wenn sie dafür brennen“, sagt Gesche, und der stellvertretende Vorsitzende Achim Sührig ergänzt: „Wir hatten ja auch vorher schon gelegentlich Teile der ,großen Bahn’ gesammelt, etwa einen Stromabnehmer von einer E 69, die als eine der ersten E-Loks Deutschlands zwischen Murnau und Oberammergau fuhr.“

Ab jetzt also ist die dem Bahnhof vorgelagerte Stellwerks-Bude das Revier von Fabian Echter, der vor allem die mechanischen Fahrwegsicherungen wieder herstellt. „Leider wurde der Schaltplan weggeworfen, und so muss nun alles durch Erfahrungswerte neu erschlossen werden.“

Altes Stellwerk in Peißenberg: Für die Zukunft sind Vorführungen für Besucher geplant

Mitstreiter im Glas-Häuschen ist Alex Schüller. Der 20-jährige Oberhausener ist Fernmeldetechniker und kümmert sich um die Verdrahtung der Signalhebel. Denn die mechanischen Seilzüge hat die Bahn nicht erhalten. „Also müssen die historischen Signale, die der Verein im Freigelände wieder aufgestellt hat, künftig mit elektromechanischen Antrieben gestellt werden.“ Beide jungen Mitglieder sind darüber aber ganz glücklich, denn eines Tages wollen sie Besuchervorführungen anbieten. „Und ohne Drahtzüge mit Gegengewichten können auch Ungeübte einen Hebel umlegen.“

Langfristiges Ziel der insgesamt drei jungen Männer ist es, dass wie beim historischen Vorbildbetrieb auch eine Zugvormeldung möglich wird: Mit einem Läutewerk, das im Bahnhof eine Signalglocke aktiviert. Die Möglichkeit für Erweiterungen des Stellwerks besteht durchaus, schließlich gehört das Bahnhofsgebäude dem Modellbahnclub, und die Nutzungsberechtigung durch die „echte Bahn“ lief Ende vergangenen Jahres aus.

Die altgedienten Miniaturbahner scheinen jedenfalls mit der Aufgaben-Erweiterung des Clubs zufrieden. „Die Kombination einer vorbildgerechten Anlage mit Ausstellungsobjekten in Originalgröße ist ein erfolgversprechendes Modell“, meint denn auch Stephan Glück, der Schriftführer des MBC Pfaffenwinkel.

Und auch unterm Dach, im Kernbereich des Clubs, geht die Arbeit nicht aus: Die letzten Schritte der Anlagen-Digitalisierung werden vollzogen, ein Modell der evangelischen Kirche in Peißenberg soll bis Jahresende entstehen, und die 10. Peißenberger Modellbahntage werden vorbereitet: Mit zwei Jahren Verspätung soll die Veranstaltung dann im Mai 2022 stattfinden.

„Sobald die Corona-Regeln es zulassen, greifen wir auch die Möglichkeit wieder auf, dass man unsere Anlage samstagnachmittags von 15 bis 17 Uhr besuchen kann – noch geht es aber nicht, da die Räumlichkeiten für das Corona-Regelwerk zu eng sind“, heißt es seitens des Clubs.

Andreas Bretting

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