Notenschlüsselübergabe an der Städtischen Musikschule Weilheim: Christoph Wandinger (l.) ist in Ruhestand gegangen, Berthold Reitinger ist sein Nachfolger.
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Notenschlüsselübergabe an der Städtischen Musikschule Weilheim: Christoph Wandinger (l.) ist in Ruhestand gegangen, Berthold Reitinger (r.) ist jetzt Stellvertreter von Schulleiter Josef Dichtl.

Es gibt einen neuen stellvertretenden Leiter

Leiser Wechsel an der Musikschule Weilheim: Auf Wandinger folgt Reitinger

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Ganz leise hat an der Städtischen Musikschule eine Ära geendet: Christoph Wandinger, der 31 Jahre lang deren stellvertretender Leiter war, ist in Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger, Berthold Reitinger, ist kein Unbekannter an der Schule und in der hiesigen Musikszene.

  • An der Musikschule Weilheim gibt es einen neuen stellvertretenden Leiter.
  • Christoph Wandinger, der die Einrichtung und die Musiklandschaft in und um Weilheim in 31 Jahren geprägt hat, ging in Ruhestand.
  • Seinen Nachfolger Berthold Reitinger kennt er schon lange.

Weilheim – Es war ein Abschied im Stillen – ohne Pauken und Trompeten. Und er wäre höchstwahrscheinlich nicht anders ausgefallen, wenn die Zeiten andere wären und Corona keine Rolle spielen würde. Denn großes Brimborium liegt weder Christoph Wandinger, dem langjährigen stellvertretenden Leiter der „Städtischen Musikschule“ Weilheim, der im Juli in Ruhestand gegangen ist, noch seinem Nachfolger Berthold Reitinger, der Anfang September seinen Dienst angetreten hat. „Wir haben uns ein bissl im Kollegenkreis zusammengesetzt, das hat gereicht“, erzählt Wandinger.

Er hatte 1989 die stellvertretende Leitung der Musikschule übernommen, nachdem er zehn Jahre lang als Fagottist bei den „Düsseldorfer Symphonikern“ gespielt hatte. Nach dieser Zeit zog es den gebürtigen Ettaler wieder zurück nach Bayern. Während seiner 31-jährigen Tätigkeit hat er die Musikschule als stellvertretender Leiter und als Lehrer für Saxophon und Fagott und damit die Musiklandschaft in und um Weilheim geprägt.

Musikschule arbeitet eng mit dem Gymnasium Weilheim zusammen

So wurde unter anderem die enge Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Weilheim begonnen, die sich zum Beispiel in den beiden Schul-Big-Bands zeigt: Dort spielen vor allem Schüler der Musikschule und die Big-Bands werden geleitet von Arthur Lehmann, der sowohl am Gymnasium als auch an der Musikschule unterrichtet.

Lehmann und Reitinger leiten zusammen seit 1997 die „Symphonic Air Connection“, das symphonische Blasorchester der Musikschule Weilheim, das sich normalerweise zu zwei Probewochen-enden im Jahr trifft, um anschließend im November ein Jahreskonzert zu geben. Für dieses Jahr musste das Konzert, das für Freunde ausgefallener und anspruchsvoller Blasmusik einen Höhepunkt im Musikjahr darstellt, wegen Corona abgesagt werden. „Es war uns damals ein Anliegen zu zeigen, dass es fantastische symphonische Blasmusik gibt“, sagt Reitinger über die Beweggründe für die Gründung des Orchesters vor 23 Jahren.

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Dass die Schüler der Musikschule in verschiedenen Formationen und Orchestern auch außerhalb der Institution spielen, sei immer erwünscht gewesen, sagt Wandinger: „Die Musikschule war schon immer ein Durchlauferhitzer. Wir wollen, dass unsere Schüler rausgehen und sitzen nicht wie eine Glucke auf ihnen.“

Aus diesem „Durchlauferhitzer“ sind in Weilheim in den vergangenen Jahren immer wieder Musiker hervorgegangen, die national und international von sich reden machten und den Ruf Weilheims als Musikstadt festigten, wie zum Beispiel die Saxophonisten Johannes Enders und Joscha Arnold oder der Gitarrist Max Frankl.

Mit einigen ehemaligen Schülern gab es viele Jahre, nachdem sie dort Unterricht genossen hatten, ein Wiedersehen und -hören in Weilheim: Wenn sie für ein Konzert an die Musikschule zurückkehrten. Dass es regelmäßig Live-Jazz im Saal unter dem Dach der Musikschule zu hören gab, passierte auch auf Wandingers Initiative hin. Er hat im Laufe der Jahre verschiedene Konzertreihen wie zum Beispiel „Jazz ganz oben“ im Obergeschoss der Musikschule ins Leben gerufen und beharrlich betreut. Auch am Start der Weilheimer Jazztage „Ammertöne“ im Jahr 2005 war er maßgeblich beteiligt.

Der Abschied von der Musikschule und seiner Arbeit dort sei ihm „schwer und leicht“ zugleich gefallen, sagt Wandinger. Leicht sei ihm gefallen, die bürokratischen Hürden hinter sich zu lassen, die zum Beispiel Datenschutzgesetze und Corona-Regeln mit sich bringen. „Das sind alles Dinge, die einem Musiklehrer nicht unbedingt zufliegen“, sagt er. Schwer sei dagegen der Abschied von den Kollegen und von seiner Tätigkeit gewesen: „Erstens Musiker zu sein und zweitens mit jungen Leuten zu tun zu haben, hat mir immer Spaß gemacht.“

Christoph Wandinger: „Musik ist ein Lebensmittel“

Es sei ihm ein Anliegen gewesen, Freude am Musizieren zu vermitteln. Wie bereichernd und wichtig Musik ist, hat Wandinger viele Jahre hautnah miterlebt: „Ich sage immer, Musik ist ein Lebensmittel.“ Und diesem „Lebensmittel“ möchte sich der 65-Jährige, der inzwischen in Wessobrunn lebt, nun in seinem Ruhestand verstärkt aktiv widmen: „Ich möchte Musik machen, bis nichts mehr rauskommt.“

„Musik ist wahnsinnig erfüllend, man kann sich total in ihr verlieren“, sagt auch sein Nachfolger. Reitinger hat schon an der Musikschule unterrichtet, als Wandinger vor 31 Jahren nach Weilheim kam. Seitdem kennen sich die beiden und haben unter anderem Kammermusik zusammen gemacht.

Berthold Reitinger war und ist auf verschiedenste Weise in der Region musikalisch aktiv: Er war unter anderem Dirigent des „Musikvereins Polling“ und der „Stadtkapelle Weilheim“, und auch mit der Leitung einer Musikschule kennt er sich aus: Von 1991 bis 2006 hat er die Zweigstelle in Tutzing geleitet. An der Weilheimer Musikschule mit ihren 35 Lehrkräften und rund 800 Schülern solle es so weiterlaufen wie bisher, sagt Reitinger.

Weil sich an der Musikschule der stellvertretende Leiter vor allem um das operative Geschäft kümmere, sitze er nun zwar mehr im Büro als zuvor, aber das sei zu verschmerzen, weil er ja nach wie vor Musiklehrer und Musiker sei: „Es macht wahnsinnig Spaß, anderen Leuten mit Musik etwas zu geben“, sagt Reitinger.

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