AfD-Politiker abgewählt: Rechtsausschuss-Vorsitzender Brandner muss gehen

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Aydin Sertkale ist neuer Leiter des Elternbeirats. Foto: Gierig

Muslim ist Elternbeiratsvorsitzender im evangelischen "Haus für Kinder"

Weilheim - Offenheit gegenüber anderen Religionen wird im evangelischen "Haus für Kinder" gelebt. Das fand jetzt seinen Ausdruck bei der Wahl des Elternbeirats: Vorsitzender ist ein muslimischer Vater.

Aydin Sertkale muss sich manchmal seltsame Fragen anhören. „Zwingst du deinen Frau dazu, ein Kopftuch zu tragen?“ zum Beispiel. Oder: „Ist es nicht grausam, dass deine Kinder zur Fastenzeit hungern müssen?“ Nein, er zwinge seien Frau nicht zum Kopftuch, sagt Sertkale dann geduldig, es sei ihr freier Wille. Und seine Kinder , vier und zwei Jahre alt, dürften natürlich ganz normal essen zur Fastenzeit.

Aydin Sertkale ist Muslim - und wenn er das erzählt, löst das manchen Menschen falsche Vorstellungen aus, erzählt er. Die will er helfen auszuräumen. Seit kurzem kann es noch mehr zum Verständnis zwischen den Religionen beitragen: Der 29-Jährige wurde zum ersten Vorsitzenden des evangelischen Hauses für Kinder Am Wehr in Weilheim gewählt. Ein Muslim vertritt nun also die Elternschaft eines evangelischen Kindergartens.

Überhaupt kein Problem ist das für Kindergartenleiterin Brigitte Schmalz: Schließlich seien sämtliche Religionen im Haus vertreten, ein Drittel der Kinder hätten Migrationshintergrund. „Unsere Trägerschaft ist natürlich evangelisch und wir leben den Glauben im Kindergarten. Aber wir missionieren nicht“, so Schmalz. Offenheit und Toleranz gehörten zur Konzeption des Kindergartens, „und dann muss man das auch leben.“

Auch Aydin Sertkale sieht das so. Der junge Vater hat seine vierjährige Tochter Hilye bewusst auf dem Kindergarten geschickt. Er ist ein sehr gläubiger Mann - er betet fünf Mal täglich, isst kein Schweinefleisch, trinkt keinen Alkohol. Und weil die Religion eine große Rolle in seinem Leben einnimmt, wollte er, dass sein Kind in einer Umgebung betreut wird, in der der Glaube ebenfalls eine große Rolle spielt. Auch wenn es nicht derselbe ist.

„Im muslimischen und christlichen Glauben gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede“, sagt Sertkale, dessen Eltern 1980 von der Türkei nach Deutschland auswanderten und der in Weilheim geboren und aufgewachsen ist. Seine Kinder sollen außerdem die Traditionen des Christentums kennen lernen. „Wir feiern zwar zu Hause kein Weihnachten. Aber hier bekommt meine Tochter mit, was das ist.“

Gleichzeitig möchte Sertkale auch den Kindern anderer Religionen den Islam ein bisschen zugänglicher machen. Am Tag des Opferfestes, einem wichtigen Feiertag der Muslime, gab er seiner Tochter zum Beispiel Süßigkeiten für die anderen Kinder mit und bat die Erzieherin, zu erklären, warum die Muslime das Opferfest feiern. Seine Frau wird außerdem bald einen Vortrag für die anderen Eltern am Kindergarten anbieten, in dem sie erklären möchte, was der Islam bedeutet und was oft missverstanden wird. Vielleicht bekommt Sertkale dann künftig weniger oft seltsame Fragen gestellt.

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