Kann auch mit Gesten sprechen: Sabine Schlüß, Leiterin der Servicestelle, berät Menschen mit Hörproblemen. PP

Neue Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Weilheim

Weilheim-Schongau - Bei „Barrierefreiheit“ denken die meisten an Rollstühle. Was aber ist mit den alltäglichen Hürden für Taube, Schwerhörige oder Tinnitus-Geplagte? Für deren Belange setzt sich eine neue Info- und Beratungsstelle in Weilheim ein.

In Deutschland hat ein Fünftel der Menschen Probleme mit dem Hören: Sie sind gehörlos, schwerhörig, tragen eine Hörprothese oder haben Tinnitus. Im Oberland sind rund 2050 Menschen hörbehindert, schätzt Peter Pabst, Behindertenbeauftragter des Landkreises.

Wie viele es genau sind, will die neue Informations- und Servicestelle für Menschen mit Hörbehinderung herausfinden, die jetzt in der Waisenhausstraße 1 in Weilheim ihre Arbeit aufgenommen hat. Sozialarbeiterin Sabine Schlüß (45) leitet die Einrichtung, die für mehrere Landkreise zuständig ist (Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad-Tölz-Wolfratshausen und Miesbach). Bisher mussten Hörgeschädigte zu einer Beratungsstelle nach München oder Augsburg fahren, oder sie bekamen Hausbesuche. Dies hat der Bezirk Oberbayern nun neu geregelt. Träger der neuen Weilheimer Beratungsstelle ist der bayerische Landesverband für die Wohlfahrt Hörgeschädigter.

An die Beratungsstelle wenden können sich alle mit Hörproblemen, egal, ob sie taub sind, Tinnitus haben oder schwerhörig sind. Schlüß beherrscht die Gebärdensprache. Auch Angehörige von Hörbehinderten können in die offenen Sprechstunden kommen. Zum Beispiel die Ehefrau, die nicht mit der Schwerhörigkeit ihres Mannes umzugehen weiß.

Die Sevicestelle hat eine zweite Funktion: Sie will alltägliche Hürden für Hörgeschädigte abbauen. „Es gibt Nachholbedarf“, sagt Schlüß, zum Beispiel bei Veranstaltungen, wo der Bürgermeister eine Rede hält. Damit Gehörlose nicht ausgeschlossen werden, müssten Gebärdensprachendolmetscher eingesetzt werden. Auch beim Umbau von öffentlichen Einrichtungen solle an die Belange von Hörbehinderten gedacht werden.

Offene Sprechstunden

finden ab 11. September jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr in der Waisenhausstraße 1 in Weilheim statt.

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