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Zentraler Ort derKultur in der Region Die jetzige Orgel in Mariae Himmelfahrt „pfeift aus dem letzten Loch“, so die Beschreibung von (v.l.) Dr. Ulrich Bracker, Stadtpfarrer Engelbert Birkle und Kirchenmusiker Jürgen Geiger. Ein Neubau soll „einen neuen Klang für Weilheim“ermöglichen. 

Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt  

Eine Millionen-Orgel für Weilheim

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Weilheims Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt soll eine neue Orgel bekommen. Denn die jetzige, so die Pfarrei, „pfeift aus dem letzten Loch“. Bis zu einer Million Euro wird die neue Orgel kosten – dafür soll sie 200 Jahre halten.

Weilheim – Die jetzige Orgel ist gerade mal 48 Jahre alt und sei „schlicht nicht mehr tragbar“, sagt Weilheims Kirchenmusiker Jürgen Geiger. Die minderen Kunst- und Schaumstoffe, die für das 1970 eingebaute Instrument verwendet wurden, sind porös geworden, das Pfeifenmaterial (viele sind aus Zink, dem billigen Ersatz für Zinn) ist mangelhaft, die Windversorgung so katastrophal, dass einzelne Töne und komplette Register mitten im Spiel ausfallen.

Eine grundlegende Sanierung des bereits öfter reparierten Instruments würde mehrere hunderttausend Euro kosten – und bliebe doch nur Stückwerk. „Für eine dauerhafte, handwerklich und musikalisch solide Lösung bleibt aus meiner Sicht nur der Weg eines technischen und klanglichen Neubaus der Orgel in ähnlicher Größe wie jetzt, schrieb Pater Stefan Kling, der amtliche Orgelsachverständige im Bistum Augsburg, nachdem er Weilheims Orgel im Herbst 2016 inspiziert hatte.

Der in Seeshaupt lebende Organist und Orgelsachverständige Prof. Michael Hartmann, der schon mehrfach in Mariae Himmelfahrt konzertierte, sieht es ähnlich: Die bestehende Orgel sei ans Ende ihrer Lebensdauer gekommen, „das Instrument als solches ist der Stadtpfarrkirche sowie der Kreisstadt Weilheim als spirituellem und künstlerischem Zentrum des Pfaffenwinkels nicht angemessen“.

Ein Neubau ist freilich eine „Herkulesaufgabe“ für die Pfarrgemeinde, weiß Dr. Ulrich Bracker, der sich seitens der Kirchenverwaltung des Projekts angenommen hat. Zwischen 800 000 und einer Million Euro werde eine neue, adäquate und konzerttaugliche Orgel kosten, die laut Geiger „statt der jetzigen schrillen Töne einen weichen, fülligen, angenehmen Klang“ bekommen soll. Von der Diözese gibt es zehn Prozent Zuschuss, mit bereits fest zugesagten Spenden Weilheimer Bürger habe man einen Grundstock von rund 250 000 Euro. Auf einen Staatszuschuss ist nicht zu hoffen; ob es Mittel aus der Bayerischen Landesstiftung oder anderen Stiftung geben wird, ist offen.

Sicher ist: Über eine halbe Million Euro muss in den nächsten zwei bis drei Jahren noch aufgebracht werden. „Gelingt das nicht“, sagt Bracker, „so verliert die stadtbildprägende Kirche in Weilheim ihre Stimme“. Die Orgel gehöre zur „kulturellen Seele der Stadt“ – weshalb die Verantwortlichen hoffen, dass der Neubau „ein Projekt der ganzen Stadt“ wird, nicht nur der Kirchgänger. Für Stadtpfarrer Engelbert Birkle ist die Frage: „Ist es den Weilheimern wichtig, dass die Stadtpfarrkirche ein zentraler Ort der Kultur bleibt im Herzen des Pfaffenwinkels?“ Die neue Orgel, ergänzt Kirchenmusiker Geiger, solle „einen neuen Klang für Weilheim“ bieten und „die nächsten 200 Jahre halten“.

Geplant sind jetzt Konzerte und weitere Benefizaktionen. Für die kleinen und großen Pfeifen des Instruments werden Paten gesucht, die Hoffnung ist auch, dass sich „ganze Gruppen zusammentun“ und das Projekt unterstützen. „Wie eine schöne Orgel aussehen und klingen kann“, zeigen in den nächsten Wochen Fahrten zu guten Orgeln: Die erste führt am 16. Juni nach Mindelheim, am 30. Juni geht es nach Landsberg, am 28. Juli ins Orgelmuseum Valley bei Holzkirchen. Interessierte können sich dafür im Pfarrbüro anmelden (Telefon 0881/2287).

Für Pfarrer Birkle hat das Projekt „neue Orgel“ eine historische Dimension: „Wir haben jetzt fast 400 Jahre diese Kirche. Und unser Beitrag ist es jetzt, ihn musikalisch für Generationen zu erneuern.“

Magnus Reitinger

Wer sich beteiligen will am Projekt „neue Orgel“, kann sich bei Ulrich Bracker, Organist Jürgen Geiger oder im Pfarrbüro (Admiral-Hipper-Straße 13) melden. Spenden sind unter dem Stichwort „Orgel“ auf das speziell eingerichtete Orgelkonto der Kirchenstiftung Mariae Himmelfahrt möglich: Sparkasse Oberland, IBAN DE27 7035 1030 0000 3539 04.

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