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Milchbauern-Vertreter Heger: „Wir sind nicht die Sozialdienstleister der Nation“

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In der Ortsvertreterversammlung des BDM sprachen (von links) Hans Foldenauer, Jens Scherb, Michael Schelle und Bernhard Heger.
In der Ortsvertreterversammlung des BDM sprachen (von links) Hans Foldenauer, Jens Scherb, Michael Schelle und Bernhard Heger. © Schubert

Nach „zwei Jahren Zwangspause“ sei es an der Zeit, „die Reset-Taste zu drücken und einen Neustart zu machen“. Das sagte der Vorsitzende des BDM-Kreisteams, Michael Schelle, vor knapp 50 Milchbauern bei der Ortsvertreterversammlung in Peißenberg.

Peißenberg – Hans Foldenauer sieht ein aktuelles Problem der Landwirte darin, dass der Ukraine-Krieg alles überlagert und dadurch andere Probleme zu wenig Beachtung finden würden. Ein solches Problem sei nach wie vor die Überproduktion. „Bei vielen ist die Menge im Kopf wie ein Geschwür“, so der BDM-Sprecher, „es ist zwar schön, wenn der Tank voll ist, es sollte halt auch Geld bringen.“

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Das Einkommen der Landwirte müsse zum größten Teil aus dem Verkauf ihrer Produkte kommen. „Markt statt Subventionen“, so seine Forderung. Eine Überproduktion von Milch, die dann zu Ramschpreisen verkauft werde, die nicht mehr die Herstellungskosten decken, habe keinen Sinn, vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen werden. Studien hätten gezeigt, dass 6,3 Prozent weniger Milchproduktion in der Europäischen Union den Milchpreis um 36 Prozent steigern würden. Dies würde für die Konsumenten eine Mehrbelastung von 70 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten, was 157 Euro pro Person entspreche. Die Hälfe davon, also 35 Milliarden Euro, würden bei den Landwirten ankommen.

Moniert wird, dass von der Preissteigerung zu wenig bei den Landwirten ankommt

Ein Problem sieht Foldenauer auch in der Verwendung absoluter Zahlen bei Preisforderungen. Die ursprünglichen des vor 24 Jahren gegründeten BDM seien zwar schon überholt, aber 50 Cent seien heute nicht mehr wert als 30 Cent in der Anfangszeit des BDM. Derzeit sei zwar schon alles „ein bisschen besser, aber gut ist was anderes“. Auch die momentane Preissteigerung bei den Produkten in den Supermärkten helfe den Bauern nicht wirklich, da bei ihnen zu wenig davon ankomme.

Bernhard Heger: „Wir sind nicht die Sozialdienstleister der Nation“

Der BDM-Beiratsvorsitzende Bernhard Heger rief die Ortsvertreter auf, nach der Corona-Pause wieder Veranstaltungen in den 20 Ortsverbänden zu organisieren. Es sei jetzt wichtig, die nächste Generation über die Lösungsansätze des BDM zu informieren. Heger hält es für wichtig, dass die Bauern die Vermarktung ihrer Milch selbst in die Hand nehmen. Es sei nicht Aufgabe der Bauern, ihre Produkte unter dem Herstellungspreis zu verkaufen. „Wir sind nicht der Sozialdienstleister der Nation“, so Heger.

Dass die Zahl der Ortsverbände von 35 auf 20 gesunken ist, liegt laut Heger nicht am Desinteresse der Mitglieder, sondern daran, dass von den ursprünglich 1260 Milchviehbetrieben im Landkreis nur noch 650 übrig geblieben sind.

Anlässlich der Versammlung stellte sich der neue Mitarbeiter des BDM Jens Scherb vor. Der 22-Jährige aus Ehingen im Alb-Donau-Kreis, der nach eigenen Worten nach dem Abitur nicht studieren, „sondern was Gescheites machen“ wollte, machte die Ausbildung zum Landwirt. Als seine Ziele nannte er unter anderem „neue Kontakte knüpfen“ und „Nachwuchs werben“.

Alfred Schubert

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