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Auftritte im Stadion haben für Reindl mittlerweile Seltenheitswert. Bei Großveranstaltungen wie Welt-oder Europameisterschaften zeigte er seine Shows nur noch außerhalb der Arenen. Beim DFB-Pokalspiel zwischen der SpVgg Unterhaching und Bayer Leverkusen im Dezember 2015 schnupperte der Oberhausener aber wieder einmal Stadionluft.

30 Jahre Ballartist Alfred Reindl

„Was jetzt noch kommt, ist Zugabe“

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Vor 30 Jahren  begann die Karriere des Oberhauseners Ballartisten Alfred Reindl.  Seine Kunst führte den 52-Jährigen in die ganze Welt.  

Oberhausen – Erfolg ist nicht immer gut fürs Familienleben. Davon wissen seine Frau Maggie und seine drei Kinder ein Lied zu singen. Eigentlich war nach dem großen Finale im Merkur CUP, bei dem der 52-jährige „Fußballkünstler“, wie er sich selbst bezeichnet, Stammgast ist, ein gemeinsamer Urlaub an der Algarve geplant. Dann aber kam ein Angebot für einen Auftritt in Hessen, Reindl sagte zu. So fliegt die Familie erst einmal allein nach Portugal, er selbst kommt einige Tage später nach. „Das Feuer brennt noch immer“, sagt Reindl, dessen Weltkarriere vor genau 30 Jahren mit einem Auftritt beim Europacup-Finale zwischen Bayern München und dem FC Porto am 27. Mai 1987 im Wiener Praterstadion begann. Seine Fußballkünste haben ihm Begegnungen mit Weltstars wie Pele, Franz Beckenbauer oder Diego Maradona beschert.

Es ist schon erstaunlich, über einen welch langen Zeitraum sich der Oberhausener an der Spitze hält. Denn die Konkurrenz ist groß. Zahlreiche so genannte Freestyler sind auf dem Markt, die teilweise atemberaubende Tricks vollführen. Doch Reindl bleibt gelassen, denn er weiß: Sein Name ist eine Marke. Er vergleicht sich mit den „Original Oberkrainern“: „Oft

kopiert, nie erreicht.“ Bei Reindl wissen sie, dass sie eine anständige Show geboten bekommen: „Ich kreiere, andere kopieren.“ Ständig baut er neue Elemente in seine Darbietungen ein. Für die WM 2010 in Südafrika etwa entwickelte er den Vuvuzela-Trick. „Ich bin auch Entertainer“, sagt der 52-Jährige.

Mittlerweile blickt der Oberhausener auf Auftritte bei fünf Weltmeisterschaften und sechs Europameisterschaften zurück. Bei den WMs 1990 in Italien und 1994 in den Vereinigten Staaten sowie bei der EM 1992 in Schweden durfte Reindl sogar in den Stadien auftreten. Mittlerweile ist das undenkbar, Reindl zeigt bei diesen Großveranstaltungen seine Tricks entweder in den „Hospitality Tents“ der Sponsoren oder auf den Showbühnen der Fanmeilen, wo er unter anderem mit Pop-Größen wie Shakira oder Nelly Furtado zusammentraf.

Viele Auftritte auch bei kleinen Vereinen

Was Reindl ein Anliegen ist, sind auch die Auftritte bei kleinen Vereinen: „Da bin ich sehr gerne, das ist genauso wichtig.“ Dort ist er oftmals der Stargast der Veranstaltung. Dabei ist es ihm wichtig, nicht nur seine Ballzaubereien zu zeigen, sondern auch das Publikum, speziell das junge, in seine Show einzubauen. „Ich demonstriere nicht nur, ich integriere auch“, sagt Reindl. Besonders freut es ihn, wenn er Kinder und Jugendliche begeistern kann und diese dann versuchen, seine Tricks nachzuahmen. „Die Jugend ist unsere Zukunft.“

Zu den Pflichtveranstaltungen zählt für ihn auch der Merkur CUP, bei dem er seit über 20 Jahren auftritt. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit“, betont er. Am Samstag, 15. Juli, ist es wieder so weit: Dann wird Reindl beim großen Finale der Buben in Warngau wieder tricksen und die Zuschauer begeistern. Auch zum 25-jährigen Bestehen des Merkur CUP im Jahr 2019 hat ihn Uwe Vaders, unter dessen Leitung das weltweit größte E-Junioren-Turnier steht, bereits fix verpflichtet.

Reindl verschweigt aber nicht, dass es auch schwierige Phasen gab. 2008 und 2009 etwa, als die Finanzkrise mit voller Wucht zuschlug, in dessen Folge viele Firmen Veranstaltungen, bei denen auch der Oberhausener auftreten sollte, reihenweise absagten. „Das hat man brutal gemerkt“, so der 52-Jährige. Im Jahr 2015 bekam Reindl die Auswirkungen der Flüchtlingswelle zu spüren. „Sportgalas waren wie ausradiert, da jede Sporthalle besetzt war“, sagt der Oberhausener. Er hat diese Zeit ohne größeren finanziellen Schaden überstanden, da er durch Werbeverträge abgesichert war. Diese handelt Reindl übrigens selbst aus. „Außerdem haben mich Weltkonzerne unterstützt.“

Neunmal am Knie operiert

Wie lange Alfred Reindl seine Karriere noch fortsetzen wird, steht in den Sternen. Viel hängt auch von seinem Gesundheitszustand ab. Im Laufe seiner langen Karriere musste er sich neunmal am Knie operieren lassen. Für die Fußball-WM im kommenden Jahr in Russland hat er schon ein halbes Dutzend Anfragen. Sein Lebensglück hängt davon aber nicht ab. „Ich werde so etwas wie eine WM nur noch dann machen, wenn ich mich sicher fühle. Wenn ich mich nicht sicher fühle, bleibe ich daheim“, sagt er. Der Zukunft sieht der Ballzauberer aus Oberhausen mit großer Gelassenheit entgegen. „Ich muss keinem mehr etwas beweisen“, verkündet er selbstbewusst, „alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe“. Daher könne er es sich auch leisten, seine Auftritte selbst auszusuchen. Er sei zwar ein Entertainer, „aber ich habe mich nie zum Clown gemacht“. Doch was ist das Erfolgsgeheimnis des Alfred Reindl? Da muss er nicht lange überlegen: „wahnsinniges Talent, brutaler Eifer und ich bin mein eigener Manager.“ Und ein bisschen Glück war vielleicht auch dabei: „Ich war zur rechten Zeit am rechten Platz.“ Doch Reindl ist überzeugt davon, dass er eine derartige Karriere auch heute noch einmal starten könnte. 

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