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Gut besuchter Saal bei der Gründlandtagung: Das Foto zeigt Landwirtschaftsmeister Maximilan Weingand (links) bei seinem Referat in Oberhausen. 

Neuerungen bei Düngeverordnung

Grünlandtagung: Bauern zwischen Not und Notwendigkeit

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Die Düngeverordnung läuft seit anderthalb Jahren. Weil sie jährlich einige Neuerungen mit sich bringt und Landwirte überfordert sind, gab es eine Grünlandtagung.

Oberhausen –Die Getränke sind serviert, der Veranstaltungssaal im „Stroblwirt“ ist gefüllt, es sind weit über 100 Menschen zur Grünlandtagung gekommen, hauptsächlich Landwirte und Schüler der Landwirtschaftsschulen in Weilheim. Sie alle sind da, um sich über die Konsequenzen der seit 2017 geltenden Düngeverordnung zu informieren, aber auch, um zu erfahren, wie die Qualität des Grünlandes in der Region verbessert werden kann. Darüber hält der junge Landwirtschaftsmeister Maximilan Weingand aus Bad Bayersoien ein Referat.

Eingeladen zu der Veranstaltung hatten das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim und der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern. Georg Rudolf ist erster Vorsitzender des Kreisverbandes in Weilheim. Dass er die Düngeverordnung ernst nimmt, macht er einem Vergleich deutlich: „Wir gehen mit Grenzwerten anders um als andere. Nicht nach dem Motto: Wenn uns ein Grenzwert nicht passt, dann ändern wir ihn eben.“ Ein Seitenhieb also an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der im Zuge der Diskussion um Dieselfahrverbote von der Europäischen Union forderte, die Stickoxid-Grenzwerte zu lockern.

Darum geht es bei der Düngeverordnung

Bei der Düngeverordnung geht es jedoch in erster Linie um Nitratwerte. Im vergangenen Jahr verklagte der Europäische Gerichtshof Deutschland, weil das Land zu wenig gegen die zu hohe und teils gesundheitsgefährdende Nitratbelastung in seinen Gewässern tue. Die wiederum kommt auch durch Dünger zustande, der in der Landwirtschaft ins Wasser gelangt. 2017 haben sich Bund und Länder deshalb auf eine neue Düngeverordnung geeinigt. Mit einigen Problemen für die Landwirte.

„Die Düngeverordnung betrifft uns alle, seit einem Jahr kämpfen wir mit ihr“, sagt Rudolf. Er beklagt vor allem den Zeitdruck, der auf den Landwirten laste, wenn sie die Anforderungen einhalten wollten. Und auch die 170-Kilo-Regelung bringe viele Landwirte in Bedrängnis. Nach dieser dürfen pro Jahr und Hektar maximal 170 Kilogramm Dung in den Boden gelangen. Nur zählt inzwischen nicht nur der tierische Anteil an Gärresten in die Gesamtmenge, sondern auch der pflanzliche.

Erheblicher bürokratischer Aufwand

Matthias Högg vom Maschinenring Oberland berichtet von den Erfahrungen, die Verbundpartner im Bereich der neuen Verordnung mit Landwirten gemacht haben. Für viele sei die Düngeverordnung sehr plötzlich gekommen, oft lägen keine Zahlen vor über Gülle und Mistmenge, die sie ausbringen. Högg kommt daher zu dem Schluss: „Viele sitzen die Düngeverordnung bislang aus.“ Vermutlich auch, weil ihnen der Überblick über die Neuerungen fehlt. Ausbringverbote, Sperrfristen und Lagerkapazitäten müssen beachtet, Düngebedarfsermittlung und Stoffstrombilanz gemacht werden. Das erfordert erheblichen bürokratischen Aufwand.

Die wichtigste Änderung jedoch betrifft die sogenannte Gebietskulisse. Es gibt jetzt grüne, weiße und rote Gebiete. In den roten Gebieten soll die Nitrat-Belastung des Grundwassers so hoch sein, dass die dort ansässigen Bauern zusätzliche Düngevorgaben einhalten müssen. In den grünen dagegen gibt es unter gewissen Voraussetzungen sogar Erleichterungen.

Im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es nur grüne Gebiete. Die Grundwasserqualität sei hierzulande sehr gut, weil verantwortungsbewusst gewirtschaftet werde, heißt es auf der Konferenz. Das Weilheimer Wasserwirtschaftsamt bestätigt gegenüber der Heimatzeitung, dass die Grundwasserqualität in Weilheim sehr gut sei.

Vom Einzelfall abhängig

Über die Details der Düngeverordnung klärt Matthias Wendland von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft auf. An ihn können die Landwirte am Ende Fragen richten. Was denn bei Verstößen an Bußgeldern drohe, will etwa einer wissen. „Da gibt es keinen Katalog, das ist vom Einzelfall abhängig. Beispielsweise, ob eine Gewässergefährdung vorliegt oder nicht“, sagt Wendland. Im Jahr gebe es 800 bis 900 gezielte Kontrollen bei Betrieben, die nach einer Risikoanalyse ausgesucht würden. Wer mehrmals gegen Auflagen verstoße, für den werde es richtig teuer, sagt Wendland.

Doch viel problematischer als die Nitratwerte sei der Phosphorgehalt. Während das Grundwasser generell in einem guten Zustand sei, habe das Oberwasser Defizite, vermutet Wendland. Das Problem: die Phosphorbelastung. Doch sagt Wendland auch: „Es muss nachgewiesen werden, dass der Phosphor aus landwirtschaftlichen Quellen kommt.“ Kläranlagen spielten da womöglich eine größere Rolle. Aus dem Grund verzichte Bayern weitgehend auf rote Gebiete.

2025 erneut Einschnitte für Landwirte

Von 2025 an gebe es jedoch erneut Einschnitte für die Landwirte. Dann müssten sie bodennah Gülle ausbringen und dürften dabei nur noch mit dem sogenannten Schleppschuhverteiler vorgehen. Grund dafür ist Ammoniak. In der Atmosphäre verbindet es sich mit anderen Gasen und wird zu gefährlichem Feinstaub. Und laut Zahlen des Umweltbundesamtes stammen 95 Prozent des Luftschadstoffs aus der Landwirtschaft. Vorerst jedoch haben die Landwirte andere Sorgen. Bis 15. März wird die diesjährige Düngebedarfsermittlung fällig.

Am heutigen Donnerstag

gibt es im Gasthof „Post“ in Eberfing eine Info-Veranstaltung für Bäuerinnen und Bauern mit dem Schwerpunktthema „Fachliche Praxis beim Düngen“. Es werden die für den Landkreis relevanten Neuregelungen der Düngeverordnung vorgestellt. Die Zusammenkunft, zu der das Amt für Landwirtschaft in Weilheim einlädt, beginnt um 20 Uhr.

cz

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