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Das Publikum, mein Freund: Luis aus Tirol, alias Manfred Zöschg, sorgte von der „Stroblbühne“ herab für beste Stimmung.

Luis aus Tirol in Oberhausen

Sprachkurs mit blauer Schürze

In Oberhausen hatte der Luis aus Tirol hatte sein Publikum im Griff. Klar, bei solchen Geschichten.

Oberhausen – Er ist schon ein ganz besonderes „Weihnachtsspecial“, der Luis aus Tirol. Kaum betritt er die Bühne, hat er nicht nur „Eppfl und an Schokolad“ im Sack, sondern auch sofort das Publikum im brechend vollen Saal beim Oberhausener „Stroblwirt“. Bis kurz vor dem Auftritt ist er noch am Stammtisch gehockt „wegen die Leit“, die der Kabarettist wie die Luft zum Atmen braucht. Jetzt geht er herum in seiner typisch Südtiroler blauen Arbeitsschürze, eine Weihnachtsmütze über dem Hut, und verteilt seine Gaben an einige Zuschauer. Unter dem durchaus gewollt kitschigen Christbaum auf der Bühne liegen Geschenke, „Nutzloses, Symbolisches der was man sogar brauchen kann, wie es an Weihnachten halt so mit den Geschenken ist“.

Das Programm ist gewissermaßen zufällig, Luis aus Tirol spielt, was ihm in den Sinn kommt, unter vollem Einbezug seines Publikums. Seine Geschichten, die er mit seinem Dialekt jenseits der Alpen und seinem unaussprechlich „schiachen“ Gebiss, seinem Markenzeichen, das einem Steinbruch gleicht, zum Besten gibt, wählen einzelne Zuschauer selbst aus. Das Auspacken übernimmt er selbst. Mal ist es ein Brokkoli, der ihm eine Schote über Veganer („die stehen in direkter Konkurrenz zu meine Geis und i dat nie a Freindin megn, die koa Fleisch in den Mund nehmen will“) entlockt, oder ein Päckchen Mehl („sie hat gsagt, ich soll ihr ein E-Mehl schicken“), und wundert sich, warum er als ewig nach einer Freundin suchender Mann selbst mit 200 Kilo vom besten Weizenmehl nicht landen kann.

Seine Wandlungsfähigkeit vom greißlichen Uhu zum nach bester Manier flirtenden schmucken Italiener (ohne Gebissverkleidung) oder österreichischen Stenz ist phänomenal, als er für eine Zuschauerin eine Sonnenbrille auspackt. Im weißen Dinnerjacket betört er sie und beweist, dass die gleichen Worte in sächsischem Dialekt ganz anders ankommen. Er singt mit voluminöser Tenorstimme, tanzt zu Sambarhythmen. Das Publikum ist derart fasziniert und mit Lachen beschäftigt, dass es mitunter sogar vergisst zu applaudieren.

Und während der 58-Jährige weiterhin „Zwievel“, Mandarinen, Kohlkopf und Toastbrot unters heitere Volk verteilt, erfüllt er auch gern Weihnachtswünsche, die von seinen Fans auf ein Flipchart geschrieben werden. Denn egal, ob man Luis aus Tirol, alias Manfred Zöschg, schon einmal erlebt hat oder, wie der überwiegende Teil des Publikums, an diesem Abend zum ersten Mal: Seine besten Sketche sind immer ein „ganz besonderes Packerl“.

So ist es auch mit seiner Geschichte über die Entstehung der Sprachen. Dabei fährt „der Bergbauer auf 1400 Metern Höhe“ noch einmal sein Talent für Sprachmelodien und -eigenheiten auf, sei es afrikanisch mit Klick- und Schnalzlauten, arabisch, russisch oder bayrisch. Und dabei müssen die Worte noch nicht einmal einen Sinn ergeben. Egal, ob er ein Navi zum Fahren braucht („da is a Weiberns drinn, die kennt sich aus), Angelina Jolie busselt oder den „Ich-Topf“ (iPot) erklärt, sein Publikum dankt es ihm mit bester Stimmung und ist geradezu aus dem Häuschen, als er bei den verschiedenen Tanzstilen in der Disco den perfekten Robotanz aufs Parkett legt.

Wer Luis aus Tirol verpasst hat oder nicht genug bekommen kann, hat das nächste Mal am 19. April die Chance, ihn auf der „Stroblwirt“-Bühne zu erleben – im Interview mit Thorsten Otto von Bayern 3.

Myrjam C. Trunk

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