Fipronil-Skandal

Eier aus der Region sind gefragt

Seit das Insektizid Fipronil in vielen Eiern nachgewiesen wurde, die aus den Niederlanden und Niedersachsen in Supermärkte geliefert wurden, ist so manchem das Frühstücksei im Halse stecken geblieben. Die Nachfrage nach Eiern von Höfen im Landkreis ist dagegen gestiegen.

Landkreis – Auch, wenn vielen Verbrauchern die Lust auf Eier im Moment vergangen ist, laufen auf dem Bicklhof in Hohenbrand in Peiting und auf dem Fischerhof in Hohenfurch die Geschäfte mit Hühnereiern derzeit besser, als sonst. Jürgen Fischer, der mit seiner Familie den Fischerhof bewirtschaftet und dort unter anderem rund 10 000 Hühner in fünf Stallungen hält, könnte in Zeiten des Fipronil-Skandals wesentlich mehr Eier verkaufen als sonst. Er beliefert die Solidargemeinschaft „Unser Land“, die unter anderem Supermärkte mit regionalen Produkten versorgt. „Die Supermärkte fragen vermehrt bei uns nach, weil andere Eier im Regal stehen bleiben“, sagt Fischer.

Jürgen Fischer.

Auch bei Familie Schleich, die auf dem Bicklhof rund 7000 Hühner in drei Ställen hält und Eier für die Bio-Marke „Demeter“ liefert, laufen die Geschäfte derzeit besonders gut. Das ist Markus Schleich aber bereits gewohnt: „Immer bei solchen Eierskandalen steigt der Umsatz kurz um zehn bis 20 Prozent.“ Das bleibe meist ein paar Wochen so, dann lasse die Nachfrage wieder nach. Der Landwirt hat den Eindruck, dass es nach solchen Skandalen wie dem derzeitigen aber doch einige Verbraucher gibt, die auch anschließend bei Eiern guter Qualität aus der Region bleiben – selbst, wenn diese etwas teurer sind.

Dr. Konrad Renner.

„Wir haben bei den sechs namhaften Geflügelhaltern im Landkreis nachgefragt, welche Desinfektionsmittel diese verwenden, was sie gegen Milben tun, und die Mittel, die sie einsetzen, sind völlig okay“, sagt der Leiter des Veterinäramtes in Weilheim, Dr. Konrad Renner. Die Geflügelhalter seien kontrolliert worden, obwohl sich die Order aus dem Ministerium, Geflügelfarmen zu überprüfen lediglich auf Großbetriebe bezogen habe, von denen es im Landkreis keinen gebe. Erst, wenn ein Betrieb mehr als 40 000 Hühner halte, gelte er als Großbetrieb. Dass die Hühnerhalter kontaktiert worden seien, sei reine Routine gewesen. „Das ist in solchen Fällen immer unsere Vorgehensweise“, sagt Renner. Dabei gehe es darum, das Anliegen der Verbraucher, wissen zu wollen, welche Eier belastet seien, ernst zu nehmen. „Es hat sehr viele Anfragen von verunsicherten Verbrauchern gegeben“, sagt Renner.

Von großer Verunsicherung unter seinen Kunden berichtet auch Schleich. In den vergangenen Tagen habe er viele Telefonate geführt und viele Menschen beruhigt. Dass so ein Gift in seinen Stall gelangt, kann er ausschließen. „Solche Mittel kenne ich gar nicht“, sagt er. Zur Milbenbekämpfung verwendet er, wie auch sein Kollege Fischer ausschließlich Silikatstaub, der rein mechanisch wirke. „Das ist zwar wesentlich teurer und aufwändiger als andere Mittel, dafür aber sicher“, sagt Schleich.

Markus Schleich führt einen „Demeter“-Betrieb.

Er sieht sich in seiner Ansicht bestätigt, dass jedes qualitativ hochwertige Lebensmittel seinen Preis koste: „Je günstiger ein Ei ist, desto gefährdeter ist es, von Skandalen betroffen zu sein“, sagt Schleich. Das gelte für jedes Lebensmittel. Dass Hühner gutes Futter und viel Platz hätten, seien die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass es den Tieren gut gehe.

Der Dittrich-Hof in Oberhausen-Berg, wo rund 750 Legehennen gehalten werden, hat die Auswirkungen des Fipronil-Skandals nur leicht zu spüren bekommen: Im Hofladen sei die Nachfrage nach Eiern etwas angestiegen, sagt Martin Dittrich, der den Hof im Mai übernommen hat. „Wir haben viel Stammkundschaft, die weiß was sie an uns hat“, so Dittrich. Wirkstoffe, die im Zusammenhang mit dem Skandal stünden, seien auch in seinem Betrieb noch nie zum Einsatz gekommen.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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