Zwei, die sich bestens verstanden: Bei einem Auftritt im Stuttgarter Neckarstadion im Mai 1989 begegneten sich Alfred Reindl und Diego Maradona zum ersten Mal.
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Zwei, die sich bestens verstanden: Bei einem Auftritt im Stuttgarter Neckarstadion im Mai 1989 begegneten sich Alfred Reindl und Diego Maradona zum ersten Mal.

Fußball: Alfred Reindl geht der Tod der argentinischen Legende sehr nahe

Diego Maradona lud ihn nach Neapel ein

  • Stefan Schnürer
    vonStefan Schnürer
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Die Fußballwelt trauert um Diego Maradona: Der Oberhausener Ballartist Alfred Reindl ist der argentinischen Legende persönlich begegnet - und zwar mehrmals.

Oberhausen – Alfred Reindl schämte sich seiner Tränen nicht: Als er am vergangenen Mittwoch vom Tode Diego Maradonas erfuhr, „habe ich erst einmal geweint“, berichtete der Ballartist aus Oberhausen. „Das hat mich emotional wirklich berührt“. Erst vor wenigen Tagen ist das Fußball-Fachmagazin „Fußballgold“ (Auflage 150 000 Exemplare) mit einer 120-seitigen Sonderausgabe zu Ehren von Maradonas 60. Geburtstag erschienen. Auf drei Seiten gibt es auch ein Interview mit dem Oberhausener sowie Fotos von Reindl, die ihn zusammen mit der legendären Nummer „10“ der Argentinier zeigen. Auch deswegen geht Reindl der Tod des argentinischen Fußball-Genies so nahe.

Fußball: Reindl durfte Diego Maradona aus nächster Nähe erleben

Für den 56-Jährigen steht unumstößlich fest: „Auch wenn er als Mensch brutal gescheitert ist, war Maradona für mich der Größte aller Zeiten.“ Er sei nicht nur Fußballer, sondern Künstler gewesen: „Er hat den Ball mit so viel Gefühl bearbeitet wie vor und nach ihm kein anderer.“ Die Art und Weise, wie er Fußball gespielt, ja zelebriert habe, gibt es laut Reindl längst nicht mehr. „Deshalb wird es auch nie wieder einen Spieler wie ihn geben“, ist sich der Oberhausener sicher. Reindl weiß, wovon er spricht, denn er hat die argentinische Fußball-Legende aus nächster Nähe erleben dürfen – und zwar mehrmals.

Fußball: 1989 begneten sich Alfred Reindl und Diego Maradona im Stuttgarter Neckarstadion zum ersten Mal

Es war der 17. Mai 1989, als Reindl dem damals 28-jährigen Maradona im Stuttgarter Neckarstadion (heute Mercedes-Benz-Arena) erstmals begegnete. Der Oberhausener war für das Vorprogramm des Final-Rückspiels im UEFA-Cup zwischen dem VfB Stuttgart und dem SSC Neapel gebucht worden. Vor dem Anstoß zog der damals 25-jährige Reindl also sein Programm durch und die 67 000 Zuschauer waren begeistert. Dann betraten auch die ersten Spieler den Rasen. Reindl berichtet, dass Maradona zu ihm gekommen sei und erstaunt gewesen sei über die Tricks des Oberhauseners. „Als ich meine Show beendet hatte, spendete er mir Applaus. Später hat er mir erzählt, dass er noch nie jemanden gesehen habe, der Sit-ups mit einem Ball auf dem Kopf machen konnte“, erzählt Reindl. Anstatt den Oberhausener nun freundlich zu bitten, den Platz zu verlassen, spielten sich die beiden Ballkünstler stattdessen unter dem frenetischen Jubel der Stuttgarter Zuschauer noch eine Weile den Ball zu und jonglierten gemeinsam. „Für mich war das wie ein Ritterschlag und es hat meiner Karriere viel gebracht“, erzählt Reindl hörbar stolz.

Es dauerte auch nur einige Monate, ehe sich Reindl und Maradona wiedersahen. Neapel spielte am 6. Dezember 1989, wiederum im UEFA-Cup, bei Werder Bremen. Maradona ließ Reindl abholen, der Oberhausener wurde ins Teamhotel der Italiener gebracht. „Er freute sich richtig, mich zu sehen und erzählte mir ganz stolz davon, dass er, mit einer Perücke verkleidet, in Bremen shoppen war“, berichtet Reindl. Für Maradona und seine Neapolitaner war das Gastspiel in Bremen dagegen eine unerfreuliche Angelegenheit: Der SSC verlor mit 1:5 und schied aus dem Wettbewerb aus.

Leider war sein Englisch sehr schlecht und mein Spanisch quasi nicht vorhanden. Aber mit den Füßen kommunizierten wir ausgezeichnet.

Alfred Reindl über eine Begegnung mit Diego Maradona

Wiederum nur ein knappes halbes Jahr später sahen sich Maradona und der Oberhausener ein drittes Mal – bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien, bei der Reindl für mehrere Spiele gebucht wurde und endgültig den Durchbruch in seiner Ballartisten-Karriere schaffte. Eine seiner Shows hatte er vor einem Spiel der Argentinier. Wie es damals noch üblich war, wärmte sich Reindl für sein Halbzeit-Programm gemeinsam mit den Spielern auf. Als Maradona ihn erblickte, lief der Argentinier auf Reindl zu und umarmte ihn, ehe sie sich wieder einige Bälle zuspielten. „Leider war sein Englisch sehr schlecht und mein Spanisch quasi nicht vorhanden. Aber mit den Füßen kommunizierten wir ausgezeichnet“, so Reindl. So viel aber hatte er verstanden: Maradona lud ihn nach Neapel ein, wo der argentinische Weltmeister von 1986 sieben Jahre unter Vertrag war. In einem Hotelzimmer in der Stadt am Vesuv trafen sich die beiden ein viertes und letztes Mal.

Diego war der Größte von allen.

Alfred Reindl

In seiner mittlerweile über 30 Jahre dauernden Karriere hat Alfred Reindl viele Größen des Fußballs getroffen. Den Brasilianer Pelé ebenso wie Franz Beckenbauer. Der „Kaiser“, so berichtet Reindl, habe ihn immer mit den Worten vorgestellt: „Das ist der größte Fußball-Akrobat.“ Trotzdem: „Niemand hat mich mehr fasziniert als Maradona. Diego war der Größte von allen“, so Reindl.

Mit großer Zufriedenheit blickt der Oberhausener auf die zahlreichen Höhepunkte seiner so langen Karriere zurück. Skepsis schwingt hingegen mit, wenn der 56-Jährige den Blick in die Zukunft richtet. Auch bei ihm hat sich die Corona-Pandemie in diesem Jahr massiv negativ bemerkbar gemacht. Eigenem Bekunden nach hatte er 2020 nur einen Bruchteil an Auftritten, verglichen mit normalen Jahren. Reindl gibt zu, dass auch er in diesen speziellen Zeiten Gemütsschwankungen unterworfen ist. „Da ist auch Frust dabei.“

Ob Alfred Reindl bei der Fußball-EM auftreten wird, steht in den Sternen

Der Oberhausener bleibt trotz der schwierigen Situation Optimist und blickt positiv nach vorn. Zuversichtlich stimmt ihn, dass alle für 2020 vorgesehenen Auftritte verschoben und nicht abgesagt wurden. Was seine geplanten Auftritte bei der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr betrifft, wagt er keine Prognose: „Da kann ich im Moment gar nichts dazu sagen.“ Egal, was künftig auch passiert: Reindl zieht sein tägliches Trainingspensum durch. Wenn es so weit sein sollte, dann ist der 56-Jährige topfit. Auch die Trauer über den Tod seines Idols Diego Maradona bewältigte Reindl auf seine spezielle Weise: Ihm zu Ehren ging er in die Trainingshalle im Keller seines Hauses und absolvierte eine seiner Akrobatikshows.

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