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An eine bayerische Ausgabe der „Toten Hosen“ erinnerte mitunter die Band „Gsindl“, die am Freitag gemeinsam mit Bläsern von „Serious Six“ auf der „Stroblbühne“ rockte. 

„gsindl“ & „Serious Six“ in oberhausen  

Zwei Welten, eine Party

Oberhausen – Eine Art Doppelkonzert stieg am Freitagabend beim „Stroblwirt“. Denn sowohl die Vorband „Serious Six“ als auch die die Hauptband „Gsindl“  bekam fast 75 Minuten Spieldauer.

 Und das mit Recht, denn beim Aufheizen der Stimmung hielten beide Gruppen die Latte ganz oben – wobei sich die Hauptband „Gsindl“ auf kracherten Gitarren-Rock verließ und „Serious Six“ auf Bläsersounds.

Das musikalische Vorbild der Niederbayern, die eigentlich nicht „six“ sind, sondern bloß zu fünft, ist unverkennbar „LaBrassBanda“. Dieser Kultformation wird auch mit dem rasanten Coverstück „Spat dro“ Reverenz erwiesen, und die Landauer demonstrieren bravourös, dass sie sich genauso gekonnt in den bläserischen Affenzahn hineinfinden. In den eigenen Liedern legt „Serious Six“ mal eine Art Balkanbeat zugrunde, mal werden Reggae-Anklänge aus der Dub-Kiste zitiert, einmal scheinen gar mexikanische Mariachis oder brasilianische Sambistas bunte Anregungen durchs Gebläse zu werfen. Die Refrainzeilen sind knackig und prägnant: „Wos am Ende zählt san Freind – und koa Weiberleit!“

Die virtuosen Frontmänner Mathias Plechinger (Trompete) und Maximilian Nuss (Posaune) sind Unterhaltungskanonen: Nuss klopft die Löffelpolka auf seine Lederhose; Plechinger fordert das Publikum zum Nachrufen seiner Juchzer oder zum Mitklatschen auf. Das Anfeuern ist auch nötig, denn die meisten der rund 100 Besucher schonen ihre Kraft offenbar für die Speed-Gitarren von „Gsindl“.

Diese etwas größere und altersmäßig reifere Formation („uns gibt’s seit 20 Jahren, aber auf der ,Stroblbühne’ war’n wir noch nie“) gibt sich weniger Mühe mit Variationen, stattdessen werden geradlinige Rock-Sounds gecovert oder selber geschrieben. Hier kann das Publikum oft gleich den halben Text mitsingen, denn die Zeilen sind einfach. „I bin da Stolz von der Au und meine Haar san grea und blau“, heißt es in einem Gitarrenkracher. Manchmal erinnert das fetzige Spiel der Sechs – darunter allein vier Gitarren – an eine bayerische Ausgabe der „Toten Hosen“.

Das „Gsindl“ aus dem Erdinger Vorland vom Ebersberger Forst kann manchmal auch bluesig sanft – etwa beim Cover von „Knocking on Heaven’s Door“, manchmal auch schlagergängig: „Komm flieg mit mir nach Novi Vinodolski, trink ma’n Kruskovac auf Eis“: Das ist einfach zum Mitgrölen schön.

Und bevor dann der Saal ausflippt beim Melody-Rock-Klassiker „Brenn’, oide Hütt’n, brenn!“ gibt’s noch oft den typischen Schmäh zu hören: Die Band ruft „Danke!“, der Saal donnert ein vielstimmiges „Bitte“ zurück. Praktisch also ein perfekter Partyabend – nur dass in Oberhausen das Publikum recht einseitig beim „Gsindl“ mitfeierte. Vom Musikstil trennen die Bands sowieso Welten; das kombinierte Konzert war nur der wechselseitigen Freundschaft der Musiker untereinander geschuldet. 

Andreas Bretting

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