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Fleischeslustiger Satiriker: Holger Paetz am Freitag auf der Stroblbühne. 

holger paetz in oberhausen  

Gifteln, granteln, überraschen

Oberhausen -  Ungewohnte Töne waren beim Kabarettabend mit Holger Paetz im "Stroblwirt" zu hören.  Er redet Hochdeutsch.

Fast war’s ein Kabarett-Exot, der am Freitagabend beim Stroblwirt auftrat. Denn Holger Paetz’ vorwiegendes Hochdeutsch ist untypisch für diese Bühne. Immerhin lebt der 63-Jährige in München, textete lange fürs Nockherberg-Singspiel und bot nun ein Solo, dessen provokanter Titel aufhorchen ließ: „Auch Veganer verwelken!“. Erwartungsgemäß legt Paetz erstmal mehrere Angriffswellen gegen die Fleischverächter auf die Kleinkunstbretter. Zunächst hört er sich dozentenhaft-scharf an und es klingt wie ein vorgelesener Zeitungskommentar, dass die Grünen mit ihrer Veggie-Day-Idee „mit ihrem Moral-Finger in meinem Teller rumrühren“. Und ohne Fleisch hätte sich doch das Gehirn nie so groß entwickelt. Humorvoller schon die herrlich widersprüchlichen Definitions-Varianten der Vegetarier: Ovotarier, Fructarier und dergleichen. Sodann wechselt der ungehemmte Schnelldenker immer rascher seine Rollen und Richtungen. Deftig grantelnd leitet er gar von Kain und Abel den Vorzug des Fleisches ab und gibt mit der Haustier-Parallele jenen Gemüsefans Kontra, die mit Tierliebe argumentieren: „Die Katze frisst Gras, wenn sie kotzen will!“, kommt es wie ein Peitschenhieb von der Bühne – und die gut 70 Zuhörer biegen sich vor Lachen.

Doch immer öfter streut Paetz nun eine andere Haltung ein. Er als Ich-Figur, wie er versucht, auf Fleisch zu verzichten. Herrlich komisch der testweise Flirt mit einer Veganerin und der tapfere Einkauf für die weiterhin fleischliebende Frau beim Metzger, der in einem Gefühlsgewitter angesichts einer Leberkäs-Semmel kulminiert. Schließlich die Sketch-hafte Szene eines Gastmahls für Freunde, wobei Paetz mit genialer Stimmen-Imitation drei Vegetarier-Verspotter auftreten lässt. Und langsam ahnt man, dass das Programm gar nicht so einseitig ausgehen wird. Ergänzende Songs sind meist kurios simpel und erinnern in ihrer repetitiven Art an das einstige Kultlied „Da da da“. Das letzte Lied vom Jägersmann ist hingegen so verschraubt im Text, als habe Ringsgwandl Pate gestanden. Und schon ist’s Zeit für die Zugabe: Wie in einem Flipper-Automaten blitzen bei Paetz die Gedanken auf – von der Veralberung deutscher Fremdsprachenfixierung über Ernsthaftes (den dänischen Ernährungsforscher Mikkel Hindhede) bis zum reinen Spaß einer Seehofer-Imitation.

Andreas Bretting

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