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Treue Mitglieder der IG Metall wurden im Gasthaus „Stroblwirt“ in Oberhausen geehrt. Mit im Bild Georg Rottach (2. Bevollmächtigter, links), Daniela Fischer (1. Bevollmächtigte, daneben) und Betriebsseelsorger Andreas Kohl (rechts) mit den Mitgliedern aus dem Raum Weilheim: Birgit Lubitz (25 Jahre bei der IG Metall, Polling), Heinrich Hart (40, Weilheim), Paul Wegener (40, Weilheim), Franz Schwarz (60, Wielenbach) , Henriette Hinke (40, Dießen), Lothar Beier (40, Landsberg), Siegfried Raff (25, Augsburg), Wolfgang Wortner 25, Landsberg).

IG Metall ehrte Mitglieder

„Geschichte des Sozialstaats mitgeprägt“

Einen wahren Ehrungsmarathon hatte die IG-Metall-Weilheim am Samstag bei ihrer Jubilar-Feier in Oberhausen zu absolvieren. 224 Ehrungskandidaten standen auf der Liste – mit insgesamt 9645 Mitgliedsjahren.

Oberhausen –„Das ist eine sensationelle Zahl“, schwärmte die 1. Bevollmächtigte der IG-Metall-Weilheim, Daniela Fischer, in ihrem Grußwort: „Dahinter verbirgt sich unheimlich viel und tolle Erfahrung – und so alt sehen wir nicht aus.“ Fischer griff damit schon ein wenig der sozialkritischen Festrede von Andreas Kohl voraus. Der Pastoralreferent der Betriebsseelsorge Ammer-Lech betonte die historische und künftige Bedeutung von gesellschaftlicher und gewerkschaftlicher Solidarität: „Wir Menschen können nur bestehen, wenn einer dem anderen die Hand reicht.“ Von den 224 Ehrungskandidaten waren 61 der Einladung ins Gasthaus „Stroblwirt“ gefolgt. Sieben von ihnen traten vor sage und schreibe 70 Jahren in die Gewerkschaft ein. Damals wurde gerade der Marshallplan ins Leben gerufen, es gab zudem die ersten Streiks in der Nachkriegsgeschichte, weil in der britischen und amerikanischen Besatzungszone 900 industrielle Betriebe demontiert werden sollten. Der durchschnittliche Monatslohn betrug im Jahr 1947 132 Reichsmark, dafür bekam man umgerechnet 330 Kilo Brot oder 236 Liter Benzin. Den Preis für die Maß Bier konnte Daniela Fischer für ihren geschichtlichen Rückblick nicht mehr recherchieren: „Das Oktoberfest ist damals ausgefallen“, erzählte die IG-Metall-Bevollmächtigte.

Kohl würdigte in seiner Rede das Engagement der treuen Gewerkschaftsjubilare: „Ohne Euren Einsatz für mehr Gerechtigkeit sähe diese Gesellschaft ganz anders aus. Ihr habt nicht nur die Geschichte der Gewerkschaft, sondern auch die Geschichte des Sozialstaats mitgeprägt.“

Doch diese historische Leistung werde unter dem „Diktat der freien Markt-ideologien“ in Frage gestellt: „Was tun, wenn neoliberale Marktverfechter den Sozialstaat angreifen und die Politik aus Angst vor der Ökonomie den Schwanz einzieht?“, fragte Kohl – und gab in Anlehnung an den französischen Autor Stéphane Hessel die passende Antwort: „Empört Euch!“ Empören sei etwas völlig anderes, als bloß zu jammern und im Tal der Tränen zu versinken: „Wer sich empört, der wird aktiv“, erklärte Kohl. Und Gründe, sich zu empören, gibt es nach Meinung des KAB-Seelsorgers trotz Wirtschaftsboom und sprudelnder Steuereinnahmen mehr als genug: Kohl beklagte unter anderem einen „Wertezerfall der Arbeit“ infolge von „menschenunwürdigen prekären Arbeitsverhältnissen“, er geißelte Vermögensverteilung („Deutschland hat ein massives Gerechtigkeitsproblem. Das wird zum Spaltpilz der Gesellschaft“) und warnte vor zunehmender Altersarmut: „Es kann doch nicht sein, dass ein reiches Land wie Deutschland keine anständigen Renten finanzieren kann.“

Doch wie gesagt: Jammern und Resignieren ist für Kohl keine Alternative. „Ohne-Mich-Typen gibt es überall, aber mit denen gibt es auch keine menschliche Arbeitswelt.“ Die Idee der Gewerkschaft sei deshalb nach wie vor aktuell. „Ja, es stimmt immer noch: Solidarität ist das Stärkste, was die Schwachen haben“, konstatierte Kohl – bevor die Jubilare mit Rinderschmorbraten, Champignon-Schnitzel und Penne mit Gartengemüse verköstigt wurden.

Bernhard Jepsen

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