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Als „Lady Gaga der bayerischen Politik“: Wolfgang Krebs bei seiner Vorpremiere auf der „Stroblbühne“. 

„Die Watschenbaum-Gala“ mit Wolfgang Krebs

Ist Merkel sein neuer Stoiber?

Oberhausen - Wolfgang Krebs brilliert auch in seinem neuen Solo „Die Watschenbaum-Gala“ als Politiker-Parodist. In dem ist die Kanzlerin der Star.

 Wenn man die Augen ein wenig zusammen kneift, kann man sich vorstellen, er stünde leibhaftig da oben auf der Bühne beim „Stroblwirt“. So täuschend echt gelingt es Wolfgang Krebs, die Stimme, die wirre Sprache, die Mimik und Gestik des ehemaligen Landesvaters zu imitieren. Keiner, noch nicht mal der geniale Michael Lerchenberg, der ihn Jahrzehnte lang auf dem Nockherberg doubelte, hat den Stoiber besser drauf. Seine Sprachkaskaden, eine Verhedderung zieht die nächste nach sich, lassen die Zuhörer im ausverkauften Saal taumelig werden; die typisch Stoiber’schen Körperschwankungen tun das Ihre dazu. Bei der Vorstellung wird man trunken – auch ganz ohne Bier.

Mit ist es natürlich noch schöner, zumal auch „die 5- Minuten-Terrine“ unter den Ministerpräsidenten, Günther Beckstein, aus der Versenkung auftaucht und erneut auf seine goldene Maßregel von den zwei Litern Bier, mit denen ein gescheiter Bayer durchaus noch fahrtüchtig sei, hinweist. Diesmal ist der verschmitzte Franke aber vorsichtshalber mit dem Fahrrad unterwegs.  Die Franken sind überhaupt gut vertreten: Neben Beckstein brilliert natürlich Markus Söder, der das Publikum erbarmungslos zulabert. Ganz anders der neu ins Spiel gekommene Kandidat beim Ränkespiel ums Ministerpräsidentenamt: Innenminister Herrmann, in München geboren, aber in Erlangen aufgewachsen, wirkt mit seiner fränkischen Behäbigkeit nach Söders Aufgedrehtheit wie ein Sedativum. Übrigens würde er laut Krebs ja viel lieber bayerischer Außenminister werden als Seehofer nachzufolgen: „Er hat meinem Ansinnen gestern zugestimmt. Ob das heute noch gilt, werde ich morgen erfahren.“

Auch der „Seevogel“, so eine der Stoiberschen Sprachverirrungen, hat natürlich seinen großen Auftritt im neuen Solo „Die Watschenbaum-Gala“, das Krebs in Oberhausen als Vorpremiere präsentierte. Es ist immer wieder verblüffend, wie es diesem Kabarettisten gelingt, mit dem Wechsel der Perücke und ein, zwei ergänzenden Accessoires die zu imitierende Person perfekt zu treffen. Die Stimme aus dem Off, die die jeweilige Person ankündigt, bräuchte es nicht, denn man erkennt sie ohnehin sofort. Doch Krebs benötigt die kurze Zeit hinter der Bühne natürlich zur Verwandlung.

Dass er die bayerischen Politiker drauf hat (auch den „Opfelsoft“-Aiwanger, zumindest akustisch), weiß man lange. Umgehauen hat aber seine grandiose Verkörperung der „Kandesbunzlerin“. Schade nur, dass man im Singspiel am Nockherberg nicht gleich mehrere Rollen mit Krebs besetzen kann: Er lässt die dort Agierenden zum Teil ganz schön blass aussehen. So reicht die Merkel-Parodie fast an den Stoiber heran. Zum Umwerfen komisch ihr kleiner Aufsatz: „Mein erster Urlaub in Bayern“, wo sie auf trocken-norddeutsche Art ihre Begegnungen mit den ominösen bayerischen Ureinwohnern schildert. Wie Krebs Merkels Sprachduktus trifft und ins Komische überhöht, ist große Kabarettkunst.

Die Politiker sind eindeutig seine Spezialität. Wenn Krebs einfach nur Typen darstellt wie den durchgeknallten Schlagerfuzzi mit seinem Song „Wenn die Marimba weint in Wernigerode“, ist er zwar durchaus komisch, aber das können andere Komiker auch. Unverwechselbar gut sind und bleiben sein Seehofer, Söder, Stoiber. Und der „Lady Gaga der bayerischen Politik“ gebührt natürlich auch der Schlussauftritt. Da entfesselt Krebs einen Stoiberschen Furor, wie er in keinem „Ascherdienstags-, äh“- Zelt hätte besser kommen können. Jubel in Oberhausen.

Sabine Näher

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