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Bewaffnet mit einem Meterstab macht sich Försterin Silke Hartmann rund um den Markierungsstab an die Kontrolle der einzelnen Bäumchen, die sie vorher mit einer Wäscheklammer markiert hat. Rechts Kollege Franz Etschmann. 

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Wildverbiss im Visier

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Jägern und Waldbesitzern steht ein spannendes Jahr bevor: 2018 wird wieder das „Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“ (Vegetationsgutachten) erstellt. Bei der Auftaktveranstaltung gestern in Oberhausen war die Hoffnung auf bessere Ergebnisse groß.

Oberhausen – Als Försterin Silke Hartmann mit ihrem Picknickkorb zum Markierungsstab stapft, muss sie selber grinsen. „Da ist tatsächlich eine Brotzeit drin, das gehört im Wald dazu“, sagte sie lachend. Doch ein anderer Inhalt ist wichtiger. Zum Beispiel das Markierungsband, um das zentrale Bäumchen zu markieren, oder die Wäscheklammern für die anderen drumherum, dazu einen Meterstab für die Höhenmessung. In einem Waldstück nahe der B 472 bei Huglfing demonstriert das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, was seine Förster dieses Jahr in den zuständigen Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Starnberg als Hauptaufgabe erwartet: das sogenannte Vegetationsgutachten, das den Zustand der nachwachsenden Bäume erhebt, manchmal auch Verbissgutachten genannt.

„Diesen Begriff höre ich nicht so gerne“, schimpft Hartmanns Kollege Franz Etschmann. Er ist der zentrale Ansprechpartner für die Gutachten-Erhebung und betont, dass es nicht allein auf den Verbiss ankommt, sondern auch die Gesamtsituation in einem Revier wichtig sei. Doch letztlich ist der Wild-Verbiss der nachwachsenden Bäumchen natürlich der entscheidende Faktor, und das Gutachten ist die zentrale Grundlage für die Abschussplanung der nächsten drei Jahre – also wie viel Rehe, Hirschen oder Gämsen die Jäger erlegen müssen.

Dementsprechend heftig werden die Ergebnisse stets diskutiert. Etschmann ging im Vorfeld bereits mehrmals auf die Versuche von Teilen der Jägerschaft ein, die Aussagen des Gutachtens anzuzweifeln. „Ich höre immer wieder Vorwürfe, was angeblich alles falsch läuft beim Gutachten“, sagte Etschmann und sprach vor allem über Holger von Stetten, Vize-Chef des Jagdvereins Freising, der seit Jahrzehnten als Gegner des Gutachtens durch die Lande zieht.

Demnach suchten sich die Förster besonders verbissene Standpunkte aus, nur um den Abschuss erhöhen zu können, oder würden einen Eichhörnchen-Verbiss dem Rehwild zuschreiben. Alles falsch, betonte Etschmann: „Wir tricksen nicht und treiben kein Schindluder, der Ablauf ist genau festgelegt und überall gleich.“ Zudem seien die Förster alles studierte Fachleute, „die können den Verbiss durch verschiedene Tierarten sehr wohl unterscheiden“, so Etschmann. Deshalb baten sowohl er als auch Markus Hildebrandt, Bereichsleiter Forst am AELF Weilheim: „Alle Beteiligten, sowohl die Jäger als auch die Jagdgenossen als Grundstücksbesitzer, sollten bei der Aufnahme dabei sein.“ Und auch bei den Waldbegängen im Herbst, wenn die Ergebnisse vorliegen, sollten sich möglichst alle beteiligen.

Etschmann hat die Hoffnung, dass die Ergebnisse dieses Jahr besser ausschauen wie zuletzt. Denn während die fünf Hegegemeinschaften im Landkreis Starnberg 2015 allesamt einen tragbaren oder sogar günstigen Verbiss aufwiesen, waren es im Landkreis Weilheim-Schongau nur zwei von elf, im Kreis Garmisch-Partenkirchen wiesen sogar alle vier einen zu hohen oder sogar deutlich zu hohen Verbiss auf. „Das schaut auf den ersten Blick nicht so gut aus, aber wenn man die Zeitreihe anschaut, erkennt man einen positiven Trend“, sagte Etschmann. „Und ich hoffe für alle, dass es sich weiter bessert.“ Sonst dürfte es ungemütlich werden, wenn es an die Abschussplanung geht.

Bei der Präsentation in dem lichten Wald bei Huglfing übrigens waren rund die Hälfte der nachwachsenden Buchen verbissen, einige auch am Leittrieb, was das Baum-Wachstum enorm beeinträchtigt. Kein gutes Omen für das weitere Jahr.

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