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Voll besetzt war der Saal des Stroblwirts beim Vortrag von Andreas Segerer.

Infoabend mit Forscher

Volksbegehren: Auftakt mit Bienenlied in Oberhausen

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ startet. In Oberhausen gab es zum Auftakt mahnende Worte zum Insektensterben.

Oberhausen Als „Massensterben erdgeschichtlichen Ausmaßes“ bezeichnete Schmetterlingsexperte Andreas Segerer die anhaltende Dezimierung der Insekten, die er bei der Auftaktveranstaltung zum Volksbegehren „Rettet die Bienen – für den Erhalt der Artenvielfalt“ im Oberhauser Stroblwirt beleuchtete. Wie groß das Interesse der Bevölkerung zu diesem Thema ist, zeigte sich nicht zuletzt an der großen Anzahl der Zuhörer, die am Montagabend in den Saal strömten, um sich vor dem Start der Einschreibung in den Rathäusern am 31. Januar zu informieren.

Biodiversitätsforscher Segerer präsentierte den knapp 200 Anwesenden harte Fakten: Allein in den vergangenen zehn Jahren verschwanden 39 Prozent der Tagfalter und 32 Prozent der Nachtfalter, elf Prozent der Arten seien in Bayern nicht mehr nachweisbar, gelten somit als ausgestorben. „Schmetterlinge sind anerkannte Bioindikatoren. Geht es ihnen schlecht, geht es den anderen Insekten auch schlecht“, so Segerer. Die roten Listen würden immer länger, auch Naturschutzgebiete seien betroffen: „Es gibt sie noch, aber sie schützen nicht mehr.“

Laut der Krefeld-Studie, auf die sich Segerer berief, gibt es bei der Biomasse der Fluginsekten ein Minus von 76 Prozent. Ein ganz alltäglicher Hinweis auf das Verschwinden der Insekten seien die fast sauberen Windschutzscheiben im Sommer auch nach längeren Fahrten, beschrieb der Wissenschaftler. „Ja, wir müssen uns große Sorgen machen, weil Insekten insgesamt systemimmanent sind.“ Sie dienten nicht nur der Bestäubung und als Futter, sondern auch dem schnelleren Recycling von Biomasse.

Der Klimawandel sei nicht schuld am Artensterben „denn wenn es wärmer wird, müssten sich ja die Insekten eigentlich vermehren“, schlussfolgerte Segerer. Das Problem sei menschengemacht. Der mit der industriellen Entwicklung einsetzende Flächenfraß („diesbezügliche Warnungen wurden seit 1853 nicht gehört“) veränderte stetig die Lebensräume, mitunter bleiben etwa sogenannte Inselflächen zurück, auf denen die Insekten genetisch verarmt seien. Der Einsatz von Pestiziden schade beispielsweise den Bienen, ohne diese gleich zu vernichten: „Die darin enthaltenen Nikotinoide machen die Bienen süchtig“, die Folge davon sei die Schädigung des Gehirns und des Immunsystems dieser Lebewesen.

Besonders prangerte Segerer die flächendeckende Überdüngung an, wehrte sich jedoch vehement gegen den Vorwurf des Bayerischen Bauernverbandes, einen Frontalangriff auf die Landwirte zu fahren. „Das Artensterben gehört für mich ganz oben auf die politische Agenda“, so Segerer, der nach eigenen Angaben mit seiner Arbeit auch als Kurator und Oberkonservator der zoologischen Staatssammlung München ständig „am Puls des Insektensterbens“ ist.

„Für uns ist es wichtig, die Diskussion auf den Weg zu bringen und eine Veränderung einzuläuten“, sagte Bündnissprecherin Agnes Edenhofer. Informationen zum Volksbegehren gab es zudem in Interviewform von Maiken Winter (ÖDP) mit dem Gastredner. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom elfjährigen Emil Graf aus Huglfing, der unter anderem ein germanisches Bienenlied sang.

Myram C. Trunk

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