+
Fingerzeige vom Satire-Promi: Michael Altinger stellte sein neues Solo „Hell“ auf Oberhausens „Stroblbühne“ vor. 

michael altinger in oberhausen  

Wilder Ritt durch Moral und Betrug

Ausverkauft war der Saal beim „Stroblwirt“, denn es lockte der Kabarettist Michael Altinger mit seinem neuen Programm „Hell“. Darin erklärt der Niederbayer nicht weniger als die großen Moralfragen und die großen Strippenzieher der Welt – aufgehängt an einem Verkehrsunfall.

Oberhausen – Ein ungutes Parkmanöver, ein vorbeifahrendes Auto seitlich beschädigt: Altingers Ausgangspunkte sind so simpel wie ausbaufähig. Als wäre es ein Christbaum, an den man verschiedene Kugeln hängen kann, so schmückt der 46-Jährige sein Missgeschick aus. Überraschend beginnt diese Ausschmückung mit einer Liebeserklärung an den Unfallgegner. Der sei völlig unschuldig – spricht’s, baut Bibelzitate der Nächstenliebe ein und singt sogar ein Loblied auf Immanuel Kants „moralischen Imperativ“. Doch rasch wird der geradezu schwülstige Heilsarmee-Impetus gebrochen und Altinger referiert den Zustand der Welt aus einer irren Verschwörungstheorie heraus: Unbekannte Menschen in einem hochgeheimen Gremium – „der Dobrindt hat sich auch schon um Aufnahme bemüht!“ – steuern die Welt und impfen der Bevölkerung ungeahnte Kaufimpulse ein.

Steingitterkäfige als Gartenmauer, Stand-Up-Paddling als Sport: Dazu müsse man glatt hirnmanipuliert sein, findet Altinger und zündet Sprachwitze und kurze Lieder, bei denen ihn seine „Ein-Mann-Band“ Martin Julius Faber an Keyboard oder Gitarre unterstützt. Das beste sind jedoch die Grimassen und die Hüftschwünge, die Altinger selber dem Singen beigesellt – so haarscharf auf die Kante zwischen Lächerlichkeit und jugendlichem Übermut produziert, dass man einfach schmunzeln muss. Auch Altingers Parodie auf „den letzten Super-Sportler von Strunzenöd“ glückt.

Zum Dreh- und Angelpunkt wird das Handy-Telefonat mit dem Versicherungsmakler: Genial illustrieren Altingers entgleisende Gesichtszüge die hohen Kosten des Schadens. Und sogleich nach der Pause wird der „Lebenschristbaum“ mit ganz anderen, selbstbewussteren Kugeln behängt: Der andere Verkehrsteilnehmer wird ja wohl doch zu schnell gefahren und daher schuld sein. Ist das nun eine Manipulation der Wirklichkeit? Gar nicht, befindet Altinger, nur „alternative Fakten“!

Ein bisschen zu lang vielleicht reitet der Text nun darauf herum, etwas auf Krampf den Versicherungsbetrug heilig zu sprechen. Doch darf man Michael Altinger entschuldigen: Alles dient ihm ja irgendwie nur als Metapher – und ein bisschen böse muss man schließlich sein, denn so richtig „hell“ ist der Himmel nur gegen die „Hell“ (Hölle). Ein anspielungsreiches Programm, mit kuriosen Tänzchen schwungvoll angereichert und mit grenzabsurden Perspektiven auf das Leben. Lachen und Kopfschütteln gehen da eng zusammen. andreas bretting

Nächster Kulturtermin

auf der „Stroblbühne“: Konzert der Gruppe „The Heimatdamisch“ („Highway to Oberkrain“) am kommenden Freitag, 17. Februar, 20 Uhr. Karten gibt’s u.a. beim Medienhaus-Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz Weilheim. Info: Telefon 08802/222.

Andreas Bretting

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geburtshilfe in Weilheim schließt für drei Monate
Hiobsbotschaft für werdende Eltern. Die Geburtshilfe am Weilheimer Krankenhaus schließt ab kommendem Sonntag, 1. Oktober. Der Grund: Vier von fünf Hebammen haben …
Geburtshilfe in Weilheim schließt für drei Monate
Anwohner-Appell für Tempo 30 in Penzberg
Kommt Tempo 30 auf den größeren Straßen in Penzberg? Am Dienstag, 26. September, steht dies abermals auf der Tagesordnung des Stadtrats. Zuvor appellieren Anwohner.
Anwohner-Appell für Tempo 30 in Penzberg
Das steckt hinter dem „Ölfilm“ auf dem Starnberger See
Die Ursache des „Ölfilms“ auf dem Starnberger See ist gefunden. Sie ist ganz natürlicher Art.
Das steckt hinter dem „Ölfilm“ auf dem Starnberger See
Verkehrstraining ist auch für Ältere wichtig
„Mobilität ist ein hohes Gut für alle, besonders für Senioren“, sagte  Hubert Schwaiger, Leiter der Verkehrspolizei-Inspektion Weilheim, zu den  24 Senioren, die in die …
Verkehrstraining ist auch für Ältere wichtig

Kommentare